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Doppel-Olympiasiegerin Natalie Geisenberger ist verärgert über ihre Heimatstadt.

Arroganz-Vorwurf

Nach heftiger Leser-Kritik: Natalie Geisenberger erklärt ihren Ärger auf Miesbach

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Natalie Geisenberger hat ihre Ankündigung wahr gemacht. In einer ausführlichen Stellungnahme erklärt die Doppel-Olympiasiegerin ihre Verärgerung über die Stadt. 

Miesbach – Zuerst wollte sie nichts sagen, jetzt sagt sie dafür umso mehr. In einer zweiseitigen E-Mail an unsere Zeitung schildert Rodel-Star Natalie Geisenberger ihre Sichtweise auf die Geschehnisse rund um den geplatzten Olympia-Empfang in Miesbach und ihren daraus resultierenden Ärger auf die Stadt – allen voran auf Bürgermeisterin Ingrid Pongratz. „Ich selbst habe absolut kein Interesse, über ein ursprünglich so positives Thema zu streiten beziehungsweise mich zu rechtfertigen“, schickt Geisenberger ihren Ausführungen voraus. Durch den „Shitstorm“ in den sozialen Netzwerken und die Aussage der Bürgermeisterin, keinen Bedarf für eine „Richtigstellung“ zu erkennen, sehe sie sich nun aber gezwungen, selbst mit Details an die Öffentlichkeit zu gehen.

Grundsätzlich erachte sie es als „etwas Besonderes und keinesfalls als Verpflichtung“ der Stadt, ihre Erfolge zu würdigen, schreibt Geisenberger. Über die Empfänge in der Vergangenheit und die Verleihung der Ehrenbürgerwürde habe sie sich sehr gefreut. Nach ihrer Rückkehr aus Pyeongchang habe sie daher selbst mit viel Zeitaufwand an den Vorbereitungen von Glückwunschplakaten und eines Empfangs mitgewirkt. „Alles im Auftrag und im Beisein von Stadtverwaltung und Stadträten.“

Geisenberger: Im Auftrag der Stadt viel Zeit „komplett umsonst“ investiert

„Dabei kam es allerdings scheinbar zu einigen sehr unerfreulichen ,Missverständnissen‘ zwischen den Verantwortlichen der Stadt und in der Folge zu einer massiven Verärgerung auf meiner Seite“, so Geisenberger. Sie habe den Eindruck gewonnen, die Stadt sehe es als Verpflichtung, sie zu ehren, und tue dies nicht aus eigenem Antrieb und Freude. „Das wiederum ist absolut nicht in meinem Interesse“, stellt die 30-Jährige klar.

Als Beispiele nennt Geisenberger mehrere Unstimmigkeiten bei der Organisation der Glückwunschplakate und des Empfangs. Zwei Mal habe sich herausgestellt, dass sie viel Zeit „komplett umsonst“ investiert habe. Die Probleme führt Geisenberger auf einen Mangel an Kommunikation zwischen der Rathausführung, den beteiligten Stadträten und dem mit der Durchführung beauftragten Kulturzentrum Waitzinger Keller zurück. Sie fragt: „Ist es wirklich an einem Sportler und dessen Familie, zwischen den verschiedenen städtischen Institutionen zu vermitteln?“

Aufgrund der schlechten Stimmung habe sie die Bürgermeisterin schließlich gebeten, auf einen Empfang zu verzichten. Diese habe sich zwar dann für die Vorfälle entschuldigt, sei aber nicht bereit gewesen, ihr die Hintergründe zu erklären. Stattdessen habe ihr Pongratz eine Frist gesetzt, bis zu der sie sich entscheiden solle, ob sie nun noch einen Empfang wünsche oder nicht.

Bürgermeisterin: Haben uns mehrfach schriftlich entschuldigt

Die Rathaus-Chefin bestätigt Letzteres auf Nachfrage unserer Zeitung. Die Frist sei aber aus Planungsgründen notwendig gewesen. Zuvor habe sie sich mehrfach schriftlich bei Geisenberger für die Unstimmigkeiten entschuldigt und Fehler seitens der Stadt eingeräumt. „Da sind einfach viele unglückliche Umstände zusammengekommen“, erklärt Pongratz. Sie selbst sei bei den Besprechungen gar nicht dabei gewesen. Dafür habe sie Geisenberger bereits Mitte März ein persönliches Gespräch angeboten, um die Probleme aus dem Weg zu schaffen. „Dann wäre es nicht so eskaliert.“

Nun hofft Pongratz, dass sich der Ärger des Rodel-Stars wieder legt. „Ich will keine Missstimmung mit ihr“, betont sie. Das Angebot des Eintrags ins Goldene Buch der Stadt gelte weiterhin. Auch Geisenberger schließt ihr Schreiben mit positiven Worten. „Nach all den Erklärungen möchte ich nun einen Haken setzen und wieder nach vorne schauen“, sagt sie. Falls die Stadt es wünsche, werde sie sich – wenn die Wunden geheilt seien – auch gerne wieder für die Belange Miesbachs und seiner Bürger einsetzen. „Ich war immer stolz, den Namen Miesbach in die ganze Welt tragen zu dürfen.“

Hier das Statement von Natalie Geisenberger in voller Länge:

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