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Ein Fluss, drei Äste: die Korrektionsstrecke (l.), der Kraftwerkskanal (M.) und die in einer Schleife abzweigende Alte Mangfall (r.) in Müller am Baum. Flußabwärts und damit ganz oben im Bild ist das Kraftwerksgebäude zu erkennen. 

Nach mehreren Zwischenfällen

Neue Regeln für Mangfallkraftwerk

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Per Bescheid hat das Landratsamt im August 2018 den Betreiber des Mangfallkraftwerks in Müller am Baum zu einer höheren Restwassermenge verpflichtet. Kurz darauf jedoch kam es erneut zu einem Fischsterben. Jetzt lässt die Behörde ergänzende, technische Maßnahmen prüfen.

Miesbach – Es passierte, was eigentlich nicht mehr hätte passieren dürfen. Im August 2018 hatte der Betreiber des Wasserkraftwerks an der Mangfall in Müller am Baum den Bescheid über den Abschluss des wasserrechtlichen Bewilligungsverfahrens erhalten. Und damit die Verpflichtung, ausreichend Wasser in der Alten Mangfall zu belassen, um ein Fischsterben andere Ökoschäden zu verhindern. Doch kurz darauf kam es genau dazu. Um ein Leck in der Kanalmauer des Kraftwerks zu reparieren, ließ der Betreiber am 28. August 2018 eine Schleuse schließen. Das vom Kanal abzweigende, natürliche Flussbett fiel trocken – und dutzende Fische verendeten.

Der strafrechtliche Aspekt des Vorfalls ist mittlerweile abgehandelt.Wie berichtet, verurteilte das Amtsgericht Miesbach den ehemailigen Geschäftsführer der Betreiberfirma wegen Fahrlässigkeit zu einer Geldstrafe von 4000 Euro. Was bleibt, ist die Frage, was die neuen Auflagen nun wirklich gebracht haben, wenn nur wenige Tage nach deren Inkrafttreten der erste gravierende Verstoß aufgetreten ist.

Am Landratsamt zweifelt man jedenfalls nicht an der grundsätzlichen Wirksamkeit des Bescheids. Allerdings reagiert man sehr wohl auf den Vorfall am 28. August. „Wir prüfen nun ergänzend, inwieweit technische Maßnahmen sinnvoll sind, um sie gegebenenfalls nachträglich anzuordnen“, teilt Pressesprecher Birger Nemitz mit. Denkbar sei beispielsweise eine Bypass-Leitung in der Kanalsohle oder eine Pumpleitung zur Mangfall. Dies müsse man aber erst mit dem Kraftwerksbetreiber und dem Wasserwirtschaftsamt Rosenheim absprechen.

Grundsätzlich würden die neuen wasserrechtlichen Bewilligungen für den weiteren Betrieb der Stromerzeugungsanlagen aber eine Verbesserung darstellen. So habe man die Restwassermengen für die Alte Mangfall auf mindestens 500 Liter pro Sekunde festgesetzt, für die Korrektionsstrecke, die einst zum Hochwasserausgleich angelegt wurde, auf mindestens 600 Liter pro Sekunde. Die tatsächliche Steigerung sei von der Gesamtwasserführung der Mangfall abhängig, erklärt Nemitz. Obendrein habe man eine Plangenehmigung für den Bau von Fischaufstiegshilfen beantragt.

Eine verbindliche Regelung wie diese haben sich Fischer und Naturschützer seit langem gewünscht. Dass sie jetzt endlich per Bescheid festgelegt ist, ist für Lotte Pichler von der Mangfall-Allianz eine gute Nachricht. „Das war ja lange in der Schwebe“, sagt Pichler. Doch sie warnt vor verfrühter Euphorie. Erst müsse man die Umsetzung abwarten. Landrats- und Wasserwirtschaftsamt müssten dem Kraftwerksbetreiber genau auf die Finger schauen, fordert Pichler. „Auch wir werden genau beobachten, ob künftig genug Wasser in der Mangfall bleibt.“

Für Stefan Moser, Vorsitzender des Bezirksfischereivereins, ist die jetzt gefundene Lösung ohnehin kein Allheilmittel. Er fürchtet, dass die verhältnismäßig hohe Restwassermenge für die Alte Mangfall unter Umständen sogar negative Begleiterscheinungen haben könnte. „Das könnte einen permanenten Hochwasserzustand im seit Jahrzehnten gewachsenen Biotop bedeuten.“

Das Landratsamt sieht darin aber das geringere Übel. „Langfristig zu wenig Wasser ist schlimmer als zu viel“, erklärt Nemitz. Zwar schädige ein zu hoher Pegelstand die Vegetation kurzfristig schon sehr, allerdings könne das Ökosystem dies besser kompensieren. Um Nachteile einer zu hohen Abflussmenge zu verhindern, habe der Fachbereich Wasser, Abfall und Bodenschutz am Landratsamt diese auf maximal 1500 Liter begrenzt.

Lesen Sie passend dazu:Fische in Gefahr - Naturschützer schlagen Alarm: Mangfall ausgetrocknet

Die Fischer beschäftigt indes auch noch das Drama vom 28. August. Moser hat sich dabei vor allem über das Vorgehen des Landratsamts bei der Rettungsaktion gewundert. So habe er der Behörde noch am selben Tag die Unterstützung des Bezirksfischereivereins angeboten. „Wir haben die Ausrüstung, um auch einen größeren Fischbestand in kurzer Zeit zu retten“, sagt Moser. Leider habe aber niemand darauf zurückgegriffen.

Das Angebot sei gegen 21 Uhr und daher leider etwas zu spät gekommen, um während der laufenden Arbeiten noch sinnvoll umgesetzt zu werden, erklärt Nemitz. Man werde aber in Zukunft weiter gut mit dem Bezirksfischereiverein zusammenarbeiten. Kritik übt der Behördensprecher hingegen vor allem am Kraftwerksbetreiber. Dieser hätte das Landratsamt und den Fischereiverein viel früher informieren müssen. „Dann hätte eine koordinierte Aktion den Schaden ganz erheblich mindern können.“

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