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Zufrieden mit dem neuen Angebot für Quereinsteiger: (v.l.) die Lehrkräfte Matthias Kanzler und Kerstin Ramm sowie Direktor Rainer Dlugosch. 

Durchlässigkeit im Bildungssystem

Einführungsklasse: Ein „echtes Erfolgsmodell“

  • vonHeidi Siefert
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Über den Besuch der Einführungsklasse können Mittel- und Realschüler die Allgemeine Hochschulreife erreichen. In Miesbach bekommt nun der erste Jahrgang, der diesen Weg ging, seine Zeugnisse.

Miesbach Wenn am Freitag die Abiturzeugnisse übergeben werden, gibt es in Miesbach besonderen Grund zur Freude. Zwölf Absolventen sind die Ersten, die am Staatlichen Gymnasium über eine Einführungsklasse als Quereinsteiger aus Mittel- und Realschulen den Endspurt zur Allgemeinen Hochschulreife gemeistert haben. „Es ist ein echtes Erfolgsmodell“, sagt Direktor Rainer Dlugosch und spricht von einer guten Überlegung des Kulturministeriums, das die Durchlässigkeit des Systems entscheidend verbessert habe. Das ermögliche es Schülern, das in seinen Augen europaweit beste Abitur abzulegen, auch wenn sie bei der so früh notwendigen Wahl des Schultyps zunächst einen anderen Weg einschlugen.

Hilfreich sei das Modell auch für Jugendliche, die ihr Lebensweg erst spät nach Bayern führte. In Miesbach waren dies zum Beispiel die drei Abiturienten mit Migrationshintergrund, die wegen fehlender Sprachkenntnisse zunächst in der Mittelschule gelandet waren.

Nicht nur in den Augen des Direktors ist die Einführungsklasse „ein Angebot, das die Mühen wert ist“. Voraussetzungen sind der erfolgreiche Abschluss von Mittel- oder Realschule mit einem Schnitt von mindestens 3,0 über alle Fächer sowie ein pädagogisches Gutachten hinsichtlich kognitiver und emotionaler Fähigkeiten. Beim „gymnasialen Akklimatisieren“ werden dann mit einem modifizierten Stundenplan Lücken geschlossen, und den Schülern wird geholfen, sich auf ein bislang ungewohntes System des Lernens einzulassen, in dem Abstraktionsvermögen, Hinterfragen und Transferleistungen im Fokus stehen. Dazu gibt es Lehrerteams, die, so Dlugosch, „behutsam, aber konsequent alle auf die notwendigen Anforderungen bringen“.

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So wie Deutschlehrer Matthias Kanzler. „Ich bin richtig stolz“, sagt er über die ersten Absolventen, für die er begeistert Möglichkeiten nutzte, die er im normalen Schulalltag nicht hat. Etwa „in kleinen Gruppen unglaublich individuell auf die Leute eingehen“. Schillers Räuber für einen Nicht-Muttersprachler? „Das ist schon ein Brummer“, sagt Kanzler. Seinen Schülern habe er immer wieder klar gemacht, dass sich die „eingeborenen Gymnasiasten“ – wie die Neuzugänge ihre Mitschüler nannten – damit auch nicht immer leichttäten. Dass alle, die es in die Q11 geschafft hatten, ohne Zusatzprüfung durchgekommen sind, freut den Lehrer besonders. Aber auch die sechs Schüler, die den Sprung nicht geschafft haben, hätten durchaus etwas mitnehmen können, ist er überzeugt.

Für die verpflichtende zweite Fremdsprache, so hat sich gezeigt, ist Italienisch der Königsweg, da die wenigsten mit Französischkenntnissen ans Gymnasium kommen. So können sie gemeinsam mit den Neusprachlern, die eine dritte Fremdsprache beginnen, bei Null starten. Wählerisch dürfen die Einführungsklässler bei einigen Nebenfächern sein. So können sie etwa zwischen Geografie und Wirtschaft entscheiden oder eine der Naturwissenschaften weglassen. Dadurch gewonnene Stunden werden zum Vertiefen der Hauptfächer genutzt. Etwa mit sechs Mathe-Stunden statt der üblichen drei, wie Kerstin Ramm erklärt, die in den Einführungsklassen Mathe und Physik unterrichtete. „Natürlich müssen sie sich dahinter setzen, aber wir bieten viel Zeit zum Nachlernen an“, erklärt Ramm und fügt an, dass „richtig gute Realschüler problemlos durchlaufen“. Das zeichne sich auch in den weiteren Jahrgängen ab. Wie viele es nächstes Jahr werden? Dlugosch ist gespannt. Am Montag beginnt die Anmeldung.

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