Neue Chance für die Riviera: Für Miesbachs dritten Park soll eine Fällausnahme beantragt werden.
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Neue Chance für die Riviera: Für Miesbachs dritten Park soll eine Fällausnahme beantragt werden.

Nach Protesten der Bürger

Stadtrat Miesbach schwenkt beim ALB um

  • Dieter Dorby
    vonDieter Dorby
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Die Stadt Miesbach ändert ihre Strategie im Kampf gegen den Asiatischen Laubholzbockkäfer. 

Der Stadtrat hat sich mit großer Mehrheit dafür ausgesprochen, auch für den unteren Harzberg und die Riviera Ausnahmegenehmigungen zu beantragen, um Baumfällungen zu verhindern.

Der Einsatz der vergangenen Wochen hat sich gelohnt. Viele Bürger haben E-Mails ins Miesbacher Rathaus geschickt und ihren Unmut über die Haltung der Stadt kundgetan. Das hat Wirkung gezeigt. Zuerst setzte Bürgermeisterin Ingrid Pongratz (CSU) das Thema Asiatischer Laubholzbockkäfer (ALB) nachträglich auf die Tagesordnung zur Sitzung am Donnerstagabend. Im Gremium sprach man sich dann fraktionsübergreifend dafür aus, neben dem Waitzinger Park auch für den unteren Harzberg und die gegenüber liegende Riviera Ausnahmegenehmigungen zu beantragen. Lediglich Manfred Burger (Grüne) folgte dem nicht.

Lesen Sie auch den Kommentar des Autors: Braucht es immer erst Protest?

„Wir nehmen die Ängste und Belange der Bürger sehr ernst“, versicherte Pongratz eingangs. All die infrage kommenden Bäume zu verlieren wäre ein „großer Schmerz“, stellte sie fest, betonte aber, dass man einen Schädling zu bekämpfen habe. „Und wenn der mal im Hallenwald am Harzberg drin ist, ist auch der Fritz-Freund-Park betroffen.“

„Stadträten mit Kosten fürs Monitoring Angst eingeflößt“

Eine Klage, wie sie jetzt der Kreis gegen beide Allgemeinverfügungen eingereicht habe, hätte die Stadt laut Pongratz nicht bewerkstelligen können – dazu fehle der fachliche Hintergrund, den das Landratsamt mit Martina Lewald-Brudi von der Unteren Naturschutzbehörde habe.

In der Klage setzt Lewald-Brudi darauf, die Liste der ALB-Wirtsbaumgattungen als Grundlage für die Fällungen infrage zu stellen. So seien Linden nicht wirklich nachgewiesen, und auch im Fall der am Harzberg reichlich vorhandenen Rotbuche fehle die Relevanz. Diese Strategie hatte die Expertin bereits Mitte Oktober im Stadtrat vorgestellt, doch nach der Infoversammlung im November, war davon bei der Stadt nicht mehr die Rede. Was Zweiten Bürgermeister Paul Fertl (SPD) nicht verwunderte: Demnach habe der zuständige Bereichsleiter der Landesanstalt für Landwirtschaft, Frank Nüßer, „uns damals mit einer halben Million Euro Kosten fürs alternative Monitoring gedroht. So kann man Stadträten mit Budgetverantwortung Angst einflößen.“

Verärgerung über Stadtrat der Grünen 

Während Franz Mayer (CSU) und Astrid Güldner (Grüne) die Klage des Kreises und weitere Ausnahmeanträge begrüßten, zeigte sich Dritter Bürgermeister Michael Lechner (FWG) skeptisch: „Wir schauen, was wir retten können, aber der größte Teil wird nicht zu retten sein.“ Manfred Burger (Grüne) sprach sich gar gegen weitere Anträge aus: „Der Spielraum bei der EU ist eingeschränkt. Das hilft vielleicht anderen, aber nicht uns.“ Im Sommer habe man sich auf nur eine Ausnahme – den Waitzinger Park – verständigt, weil es bislang noch gar keine Ausnahme gegeben habe. Mehr sei nicht realistisch – was für einen kleinen Eklat sorgte.

Anwohner Marinus Bracher, der eingangs die Beweggründe der Harzberg-Aktivisten im Gremium vorgestellt hatte, wetterte gegen Burger: „Super, toll – die Grünen!“ Während er noch von Pongratz zur Ruhe gemahnt wurde, verließ Bracher den Saal.

Bäume mit Sicherheitsrisiko sollen entfernt werden

Dass eine Ausnahme nicht alle Buchen retten werde, gab Christian Webert, Leiter des Amts für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) in Holzkirchen, zu bedenken. Denn eine Ausnahme aus historischen, kulturellen, gesellschaftlichen oder ökologischen Gründen gelte nicht für das benachbarte Privatgrundstück. Auch gebe es Bäume, die aus Sicherheitsgründen entfernt werden müssten – unabhängig vom ALB.

In der Folge beschloss der Stadtrat, dass Bäume, die aus Sicherheitsgründen zu entfernen sind, vom Ausnahmeantrag auszuschließen sind – aus Kostengründen, denn so zahle die Entfernung der Freistaat. Zudem wurde eine Bebauung frei werdender Flächen ausgeschlossen – Waldlücken werden aufgeforstet. Bei beidem stimmte Burger mit, jedoch nicht beim Antrag von Claus Fahrer (FDP). Der hatte auf Kosten der Stadt eine genetische Untersuchung der Larven von der Bayrischzeller Straße gefordert, durch die der Harzberg in den Fällradius geraten ist.

ddy

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