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Nicht nur für den Weihnachtseinkauf eine beliebte Adresse: Der Tengelmann-Markt am Dorfplatz in Dürnbach wird von den Kunden stark frequentiert. Ob daraus ein Edeka oder ein Netto wird, ist noch offen. 

Nach Übernahmepoker

Was wird aus den Tengelmann-Filialen im Landkreis?

Landkreis - Edeka, Netto – oder doch Rewe? Trotz der Einigung im Übernahmepoker um Tengelmann geht das Rätselraten bei den Kunden weiter. Das hat unsere Recherche zu den Filialen im Landkreis gezeigt.

In den Warteschlangen vor den Supermarktkassen im Landkreis wird derzeit viel spekuliert: Wie geht’s weiter mit Tengelmann? Nach der Einigung von Edeka und Rewe und der damit greifenden Ministererlaubnis steht nun zumindest fest, dass die Jobs der Tengelmann-Mitarbeiter für fünf Jahre gesichert sind. Sicher ist wohl auch, dass Edeka auf die sechs Filialen im Landkreis zugreift. Konkurrent Rewe bekommt vom „Tengelmann-Erbe“ in der Region München dem Vernehmen nach lediglich die Filiale in Bad Tölz und eine weitere in München.

Wie aus dem Tengelmann-Betriebsrat durchsickerte, will Edeka selbst 173 Standorte im Großraum München übernehmen. Elf weitere sollen in Netto-Märkte umgewandelt werden, dem Discount-Ableger der Edeka-Gruppe. Welche Filialen das sein werden und wie der Übergang genau vonstatten geht, darüber wollen weder Tengelmann noch Edeka auf Nachfrage unserer Zeitung etwas verraten. Wir haben uns vor Ort umgehört.

Holzkirchen

Den Tengelmann an der Münchner Straße im Holzkirchner Norden gibt es erst seit fünf Jahren. 2011 öffnete der Vollsortimenter im frisch renovierten Gebäude, das August Inselkammer senior gehört (Isartaler Holzhaus) und von ihm langfristig an die Metzgerei-Kette Vinzenzmurr verpachtet worden ist. Tengelmann tritt als Partner und „Untermieter“ von Vinzenzmurr auf. Wie es mit dem Supermarkt mit 1600 Quadratmetern Verkaufsfläche weitergeht, weiß auch die Filialleiterin noch nicht. Sie geht davon aus, dass der Betrieb bis auf Weiteres weiterläuft.

Gut möglich, dass daraus ein Netto wird. Denn just diese Supermarkt-Kette fehlt noch in der Marktgemeinde. Alle anderen bekannten Marken haben bereits ein Standbein am Ort, darunter nicht zuletzt der große Edeka im Einkaufszentrum HEP. Dessen Betreiber Dino Melic war 2010 vom jetzigen Tengelmann-Standort ins neu eröffnete HEP umgezogen.

Der Supermarkt-Standort im Norden Holzkirchens ist vielversprechend. Nur einen Steinwurf entfernt entstehen aktuell neue Wohngebiete in der Maitz und in Neuerlkam. „Dort draußen ist ein Supermarkt sicher sinnvoll, weil sich da in nächster Zeit baulich einiges tun wird“, sagt Verena Sattler von der Standortförderung im Rathaus. „Es gibt im Umfeld außerdem Gewerbebetriebe, deren Beschäftigte auch potenzielle Kunden sind.“

Bayrischzell und Schliersee

Vom Schicksal der Bayrischzeller Tengelmann-Filiale hängt die Nahversorgung der gesamten Gemeinde ab. Der Markt an der Seebergstraße ist der einzige Vollsortimenter im Ort. Die Nachricht von der Einigung hat für eine gewisse Erleichterung gesorgt. Ob und wann Edeka den Markt mit 430 Quadratmetern Verkaufsfläche übernimmt, ist offen. Die Filialleiterin möchte sich dazu auf Nachfrage unserer Zeitung nicht äußern. Auch die Gemeinde als Eigentümerin des Gebäudes wartet auf Infos aus dem Konzern, berichtet Bürgermeister Georg Kittenrainer. „Wir haben bislang gar nichts bekommen.“ Angst um die Filiale und ihre 17 Mitarbeiter hat Kittenrainer nicht. Tengelmann habe den Pachtvertrag per Option bis 2019 verlängert. Der Bürgermeister geht davon aus, dass auch Edeka daran festhält.

Schliersees Rathaus-Chef Franz Schnitzenbaumer teilt diese Einschätzung für die gut 1000 Quadratmeter große Tengelmann-Filiale an der Bahnhofstraße. Er ist überzeugt, dass daraus ein Edeka wird. Einen Nettomarkt gebe es in Schliersee ja schon. „Wichtig ist, dass die Nahversorgung mit einem Vollsortimenter gesichert ist“, sagt Schnitzenbaumer. Schliersee habe auch die Größe, dass sich so ein Markt halten könne. Beeinflussen kann die Gemeinde die Entwicklung jedoch nicht, da das Gebäude in privater Hand ist. Aus der Filiale selbst waren auch in Schliersee keine Aussagen zu bekommen.

Tegernseer Tal

Im Tengelmann an der Südlichen Hauptstraße in Rottach-Egern ist die Zukunft des 550 Quadratmeter großen Geschäfts bei den Kunden offenbar kein Thema: „Es wird kaum nachgefragt“, weiß der Filialleiter, der namentlich nicht genannt werden will. Er habe Anweisung „von oben“, Stillschweigen zu bewahren. Die Aussage zieht sich wie ein roter Faden um den See.

Im etwa 500 Quadratmeter großen Tengelmann an der Münchner Straße in Bad Wiessee gibt sich die Filialleiterin ebenso wortkarg. „Wir geben keine Auskunft“, sagt sie. Das Geschäft direkt an der B 318 ist wichtig für die Bewohner im nördlichen Ortsbereich. Die nächste große Einkaufsmöglichkeit ist der Edeka der Riedel GmbH an der Sanktjohanser Straße. „Uns ist nicht bekannt, wie’s weiter geht“, sagt auch Bauamtsleiter Helmut Köckeis.

Tengelmann Nummer drei befindet sich in Dürnbach am Dorfplatz. Auch hier verweist die stellvertretende Filialleiterin auf die Pressestelle in München. „Wir dürfen nichts sagen.“ In Dürnbach interessiert die Leute jedoch sehr, wie die Zukunft des Ladens aussieht, der seit der Neugestaltung des Dorfplatzes 1993 geöffnet hat. Viele fragen sich, ob ein Lebensmittelmarkt erhalten bleibt, zumal gegenüber ein Pennymarkt, ein Metzger, ein Bäcker und eine Markthalle für die Versorgung der Bevölkerung da sind.

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