Der Wolf – hier ein Archivfoto – breitet sich auch in Bayern aus und wurde nun auch im Landkreis gesichtet.
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Der Wolf – hier ein Archivfoto – breitet sich auch in Bayern aus und wurde nun auch im Landkreis gesichtet.

NACH DER SICHTUNG - Nutztierhalter fordern härteres Vorgehen – Touristiker bleiben gelassen

„Der Wolf hat hier keinen Platz“

  • Bettina Stuhlweißenburg
    vonBettina Stuhlweißenburg
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Landkreis – Das Auftauchen eines Wolfes am Seehamer See alarmiert Nutztierhalter. Wie gefährlich der Beutegreifer ist und welche Maßnahmen jetzt ergriffen werden (sollen), erklären das Landesamt für Umwelt (LfU) sowie Betroffene.

Wie geht es nach der Wolf-Sichtung weiter?

„Aus einer Sichtung ergibt sich für Landratsämter vorerst noch keine Konsequenz“, sagt Landratsamtssprecherin Sophie Stadler. Der Ball liege jetzt beim LfU. Dort hat die Wolf-Sichtung vom Montagnachmittag bereits Eingang gefunden in das Monitoring, mit dem das Amt die Population beobachtet. Das LfU richtet sein weiteres Handeln nach dem „Bayerischen Aktionsplan Wolf“ aus, der den Umgang mit einer zunehmenden Zahl von Wölfen in Bayern regelt. Der Aktionsplan erlaubt – unter strengen Voraussetzungen – eine „Entnahme“ des Tieres, um erhebliche land- und forstwirtschaftliche Schäden abzuwenden. Wie berichtet, schätzt das LfU den Wolf derzeit aber als unauffällig ein.

Wie wahrscheinlich ist es, dass sich der Wolf im Kreis Miesbach niederlässt?

Einer Sprecherin des LfU zufolge hängt das im Wesentlichen von zwei Variablen ab: „Nahrungsangebot und Rückzugsmöglichkeiten für die Jungenaufzucht.“Auch ob in einem relevanten Zeitfenster ein Partnertier auftauche, könne eine Rolle spielen. „Wir haben schon beobachtet, dass sich ein Wolf in einer Gegend niedergelassen hat und Monate später dann doch weitergezogen ist. Das könnte mit dem Fehlen eines Partners zu tun haben.“

Was fordern die Bauern?

Johann Hacklinger, Kreisobmann des Bauernverbands, ist die Haltung des LfU zu lax. „Brenzlig wird’s wohl erst, wenn ein Kind in Gefahr gerät.“ Hacklinger findet das Verhalten des Tieres am Seehamer See bemerkenswert: „Mitten am Tag ist der da durchgerast, das ist doch nicht normal!“ Als Landwirt fühle er sich im Stich gelassen. Nicht zuletzt, weil empfohlene Maßnahmen wie Schutzzäune nicht praktikabel seien. Hacklinger hat 15 Feldstücke, auf denen sein Jungvieh abwechselnd weidet. „Um die wolfsicher zu machen, müsste ich einen Graben anlegen, sonst gräbt der sich unten durch.“ Hacklinger will den Wolf nicht ausrotten. Aber stärker regulieren. „Hier hat er keinen Platz, wir haben ja auch Tourismus.“

Gefährdet der Wolf den Tourismus in der Region?

Ein durchreisender Wolf alarmiert Touristiker nicht. Aber: „Würde sich der Wolf bei uns ansiedeln, kann es zu Konflikten kommen“, sagt Harald Gmeiner, Vorstand der Alpenregion Tegernsee Schliersee (ATS). Schließlich sei die bei Gästen so beliebte Kulturlandschaft von der Almwirtschaft geprägt. „Deshalb stehen wir auf Seiten der Almbauern“, sagt Gmeiner. Vor Jahren habe er sich mit Tourismusverantwortlichen aus Südtirol und der Schweiz ausgetauscht. „Die haben die Erfahrung gemacht, dass Schutzmaßnahmen für Weidetiere wie Hütehunde und Zäune nur in Gegenden funktionieren, die wenig besucht sind.“ In einem Wandergebiet wie dem Kreis Miesbach könne man nicht großflächig einzäunen. Außerdem führten viele Wanderer einen Hund mit sich, was zu Konflikten mit Hütehunden führen könne. Eine Allianz des Alpenraums gegen den Wolf, wie sie Bezirks-Almbauer Anton Maier vorgeschlagen hatte (wir berichteten), hält Gmeiner derzeit nicht für nötig. Christian Kausch, Geschäftsführer der Tegernseer Tal Tourismus GmbH (TTT), sagt: „Ein streunender Wolf ist nichts Negatives. Sollte es irgendwann einmal so sein, dass wir 50 Wölfe hier haben, ist das ein anderes Thema.“ Grundsätzlich, findet Kausch, müssten Touristen Rücksicht nehmen auf die Wildtiere – und nicht umgekehrt: „Wir betreten ja auch nicht die Brutstätten der Birkhühner. Fakt ist nun mal: Der Wolf ist geschützt.“ Allerdings verstehe er die Sorgen der Tierhalter.

Ist der Wolf für den Menschen gefährlich?

Laut LfU ist der Wolf vorsichtig und weicht dem Menschen aus. Er ergreift aber nicht immer sofort die Flucht. Im Einzelfall können Jungtiere dem Menschen gegenüber neugierig sein. Seit der erneuten Anwesenheit von Wölfen in Deutschland habe es keinen Angriff auf Menschen gegeben.

Wie verhält man sich bei einer Wolfsbegegnung?

Das LfU empfiehlt, Respekt vor dem Tier zu haben und sich langsam zurückzuziehen. Erscheint einem der Wolf zu nahe, soll man laut sprechen, gestikulieren oder sich anderweitig bemerkbar machen. Hunde müssen an der Leine nah am Halter geführt werden. Niemals sollte man Wölfe füttern. Die Tiere verknüpfen sonst menschliche Anwesenheit mit Futter und suchen dann möglicherweise künftig die Nähe zu Menschen.

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