Das Faschingstreiben in Miesbach (hier ein Foto vom vergangenen Jahr) fand am Dienstag trotz des Zugunglücks statt. Da wir vom diesjährigen Treiben nur Einzelbilder von Feiernden haben und diese nicht Vorwürfen aussetzen wollen, haben wir uns für das Archivfoto entschieden.

"Haben die denn kein Mitleid?"

Nach Zugunglück: Leser empört über Miesbacher Fasching

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Miesbach - Während am Dienstag in Bad Aibling nach dem schrecklichen Zugunglück die Opfer geborgen wurden, feierte die Stadt Miesbach am Marktplatz ihr buntes Treiben - und erntet dafür jetzt jede Menge Kritik.

Als Traudi Bichlmayr am Dienstagvormittag über den Miesbacher Marktplatz geht, beobachtet sie geschäftiges Treiben an den Buden für die Faschingsparty. Sie ist sicher: „Die bauen ab.“ Feierlaune an einem Tag, an dem nur wenige Kilometer weiter Menschen bei einem Zugunglück ums Leben gekommen sind? „Absolut unmöglich“, sagt die Miesbacherin. Das sagt sie erst recht, als sie nachmittags mitbekommt, dass die Stadt das Faschingstreiben doch durchzieht. „Haben die denn kein Mitleid?“, fragt sie und schüttelt mit dem Kopf. 

Facebook-Leserin findet die Feier einfach nur "ekelhaft"

Bichlmayr ist mit ihrer Meinung nicht allein. Auch auf der Facebook-Seite des Miesbacher Merkur häufen sich am Abend die Kommentare. Einen dicken Daumen nach unten postet zum Beispiel Margit S. unter den Bericht vom Faschingstreiben. „Da hat jemand nicht wirklich nachgedacht“, schreibt Toni L. „Klar sterben täglich auf der ganzen Welt auch Menschen – aber das hier ist unsere direkte Nachbarschaft und jeder von uns hätte auch in dem Zug sitzen können.“ Marion S. gibt ihm Recht. „Ein paar Kilometer weiter im Nachbarlandkreis werden Tote geborgen und Miesbach feiert“, kommentiert sie. Dass Pietät und Respekt nicht mehr in Mode zu sein scheinen, vermutet Hildy B. „Anstand is wos anders“, ergänzt Andrea S. „Do wissn oa ned, wos si ghead.“ Und während Veronika S. „die Worte fehlen“, hat Katrin J. für die Marktplatzfete nur eines übrig: „Ekelhaft.“

Nicht nur online haben die Kritiker ihr Unverständnis zum Ausdruck gebracht. Auch im Miesbacher Rathaus steht das Telefon am Aschermittwoch nicht still. „Ja, wir haben einige erboste Anrufe erhalten“, sagt Karin Priller vom Gewerbeamt. Und ja, die Stadt habe sich die Entscheidung nicht leicht gemacht. „Uns war natürlich bewusst, dass das ein zweischneidiges Schwert ist“, sagt sie. „Aber wie man’s macht, ist’s falsch.“

Die Bürgermeisterin kann die Kritik nachvollziehen

Ab 10 Uhr vormittags hatten sich Priller, Jugendreferent Christian Mittermaier und Bürgermeisterin Ingrid Pongratz beraten. „Da war das ganze Ausmaß der Katastrophe noch nicht absehbar“, sagt Pongratz. Gegen Mittag fiel die Entscheidung, den Fasching nicht abzusagen. Das Rathaus war zwar geschlossen, aber man sei die ganze Zeit über telefonisch in Kontakt gewesen, versichert die Bürgermeisterin. Die Kritik kann sie durchaus nachvollziehen. Mehr noch: „Ich selber hätte auch nicht hingehen können.“ Trotzdem wollte sie ihre Meinung nicht allen anderen aufzwingen. „Das muss einfach jeder für sich entscheiden“, sagt Pongratz. Und ja, auch die Einnahmen für die Jugendarbeit der Vereine hätten bei der Entscheidung eine Rolle gespielt. 

Die jedoch hätten für eine Absage durchaus Verständnis gehabt, meint Stefan Griesbeck, Vorsitzender des ASV Miesbach. „Dann hätten wir eben wieder abgebaut.“ Nachdem sich die Stadt aber für den Fasching entschieden hatte, wollte man sich nicht einfach ausklinken. „Wir Vereine machen das immer gemeinsam“, sagt er. Gemeinsam hatten sie auch die Stimmung beim Faschingstreiben. „Es war schon für alle ein komisches Gefühl.“

Alle aktuellen Entwicklungen zum Zugunglück in Bad Aibling lesen Sie in unserem Nachrichtenticker.

Außerdem: Auch in München hat es Kritik an OB Reiter gegeben.

Hätte das Faschingstreiben abgesagt werden müssen? Machen Sie bei unserer Abstimmung mit.

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