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Volle Präsenz auf der Bühne: Ein 20-köpfiges Rockorchester und Sängerin Christina Waldschütz (vorne) bei der Premiere des Songs „I wanna live“, den Gymnasiast Jakob Pflüger komponiert hatte.

Premiere beim Sommerkonzert

"I wanna live": So klingt der Song für Krebspatient Nici

Miesbach - Es war die Premiere des Songs, den Schüler Jakob Pflüger für den krebskranken Nici Kutter aus Schliersee geschrieben hat. Beim Sommerkonzert des Gymnasiums Miesbach am Montagabend kam "I wanna live" erstmals auf die Bühne.

„Das war’s für heute, empfehlen sie uns weiter“, verabschiedeten sich Chor und Orchester des Gymnasiums Miesbach nach einem langen Musikabend von den Gästen in der restlos ausverkauften Aula. Man würde gerne. Doch auch für die zweite Aufführung des Sommerkonzerts gab es längst keine Karten mehr. Dafür die Aussicht auf ein großes Musical nächstes Schuljahr, für das Musiklehrer Markus Zellinger bereits kräftig die Werbetrommel rührte. 

"I wanna live" von Jakob Pflüger

Unter den Besuchern war auch Nicolas Kutter (m.), dem ein Song gewidmet ist.

Erwartet stimmungsvoll gelang die Premiere von „I wanna live“, das Jakob Pflüger speziell für den krebskranken Nicolas „Nici“ Kutter komponiert hatte. „Ich freu’ mich, dass Ihr da seid!“ begrüßte Pflüger Nici und seine Familie, die aus der ersten Reihe den Song erlebten, in dem Christina Waldschütz den tapferen Kampf des 16-Jährigen gegen den Feind im eigenen Körper und den starken Willen zum Leben besang. Nachdenkliche, aber auch hoffnungs- und kraftvolle Töne hatte Jakob Pflüger seinem 20-köpfigen Orchester abverlangt. Eindrucksvoll, wie der 18-jährige Miesbacher dabei den Bogen spannte von ruhigen Tönen mit Gesang und Piano über einen fulminanten, rockigen Mittelteil, der zum Ende wieder in leise Töne mündete. 

Dass sie musikalisch in der Lage sind, so ein Projekt zu stemmen, bewiesen die Schüler aber auch sonst mit ihrem aktuellen Programm. Ohne eine Länge spannten sie einen Bogen von Unterstufenchor zu Kammermusik, vom Streichorchester zur Volksmusik. Wie vielseitig dabei einige waren, zeigte unter anderem Alexander Gerd, der von einem Stück aufs nächste „von der Rock-Gitarre zur Barock-Viola“ wechselte. Gerade noch Teil der Beatles, spielte er gleich darauf das Bratschenkonzert von Telemann. Und dabei war er an dem Abend nicht der einzige, der in diversen Besetzungen zu sehen und hören war. 

Es war ein kurzweiliges Konzert, das der Unterstufenchor mit Musical-Szenen eröffnete. Sofort sprang der Funke über, und spätestens als die fröhlich-bunt gekleideten Kinder ihre neueste technische Errungenschaft priesen – „gegen unsere Babanaphones sind Eure Smartphones nur Plastikmüll“ – ging kollektives Wippen durch die Reihe. Die Größeren, die im Seitengang auf ihren Einsatz warteten, tanzten schon jetzt beschwingt im Rhythmus. Später hielt es auch die begeisterten Zuhörer auf den Stehplätzen nicht mehr ruhig. Und als das von Zellinger zum Showdown speziell arrangierte „Wake me up“ von Avicii als Zugabe zum zweiten Mal erklang, wurde rings um die Stuhlreihen getanzt. 

Es war eine schöne Mischung von Flintstones bis Roxette, von Elvis bis Salsa, von Volksmusik bis Jailhouse Rock, die unter der Regie der Musiklehrer Christoph Sturm, Simon Weiß und Markus Zellinger geboten wurde. Höchst professionell gespielt und gesungen, aber bei allem doch so locker, wie man es sich für ein Schulkonzert wünscht. Keine steif verkleideten kleinen Erwachsenen, sondern Streicher in Turnschuhen, ein barfüßiger Beatle und Sängerinnen im Sommerkleid. Unter die Haut ging das vom Kammerchor in moderner Version gesungene „Abendlied“ von Matthias Claudius. Und beim „Save the Night“ spürte man zwischen den Zeilen den Wunsch der jungen Leute, die Zeit in besonderen Augenblicken anhalten zu können. 

Ganz kleiner Tipp für große Konzertanten: Auch wenn die Aufregung groß und verständlich ist, lenkt es doch ziemlich vom Geschehen auf der Bühne ab, wenn sich direkt daneben fortwährend die Bühnentür bewegt.

Heidi Siefert

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