Immer auf Tour: der frühere Kunstlehrer Horst Mahr (†) mit seiner Frau Gretl.
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Immer auf Tour: der frühere Kunstlehrer Horst Mahr (†) mit seiner Frau Gretl.

Fotokünstler und Menschenfreund

Nachruf: Kunstlehrer und Weltenbummler aus Wörnsmühl an Corona gestorben

  • Sebastian Grauvogl
    VonSebastian Grauvogl
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Kunstlehrer Horst Mahr aus Wörnsmühl war Fotokünstler, weit gereister Menschenfreund und geschätzter Lehrer. Nun ist er mit 79 Jahren an Corona gestorben.

Wörnsmühl – Obwohl er fast nie ohne Kamera aus dem Haus ging: Es waren vor allem die Menschen, die Horst Mahr, der 30 Jahre an der Realschule Miesbach unterrichtet hat, auf seinen unzähligen Reisen mit seiner Frau Gretl faszinierten. „Für uns war das immer eine Art von Völkerverständigung“, erzählt die 79-jährige Wörnsmühlerin über den gemeinsamen Drang, die Welt zu entdecken.

Hotels und andere Touristen mieden die Mahrs. Sie übernachteten lieber bei Privatleuten – und luden diese dann zu sich ins Leitzachtal ein. Oft tauschten sie auch einfach ihre Häuser für ein paar Wochen.

Nachruf: Kunstlehrer Horst Mahr (79) aus Wörnsmühl an Corona gestorben

Ihre letzte große Reise wurde bereits vom Ausbruch der Corona-Pandemie überschattet. Wie berichtet, saßen sie nach Beginn des ersten Lockdowns im Frühjahr 2020 in Neuseeland fest. Doch obwohl sie fortan auf ihr liebstes Hobby verzichteten, um sich vor einer Ansteckung zu schützen, holte das Virus Horst Mahr in der Heimat ein. Er steckte sich an – und starb am 14. Mai im Alter von 79 Jahren an den Folgen der Infektion. Selbst eine erste Impfung ein paar Wochen zuvor konnte ihn nicht retten. „Es ging alles so schnell“, erzählt seine Frau Gretl mit brüchiger Stimme.

Auch an der Realschule Miesbach herrscht Trauer und Fassungslosigkeit. 30 Jahre lang hat Mahr hier Generationen von Schülern Deutsch, Kunsterziehung, Werken und Technisches Zeichnen beigebracht. 1972 kam er aus Ingolstadt, wo er seine Frau Gretl im Alter von 20 Jahren kennen und lieben gelernt hatte, nach Miesbach. Sein Sohn Christian Mahr erzählt: „Unser Papa war damals mit 22 Jahren der jüngste Lehrer Bayerns, durfte wegen des Lehrermangels sogar extra auf den Wehrdienst verzichten, um unterrichten zu können.“

Horst Mahrs frühere Kollegin Inge Jooß ergänzt: „Er liebte Kinder und wollte, dass sie etwas mitnehmen in ihr künftiges Leben.“ Tatsächlich wechselten einige von ihnen später an Kunstakademien oder Fachschulen. Besonders wichtig seien ihm die künstlerischen und handwerklichen Bereiche gewesen. So richtete er unter anderem ein Fotolabor und einen Töpferbrennofen an der Schule ein. Darüber hinaus organisierte er Ausstellungen, Theateraufführungen, Exkursionen in Museen und Studienfahrten.

Auch außerhalb der Schule war Mahr schöpferisch tätig. Er schuf Werke aus Keramik, Collagen aus Naturmaterialien, vor allem aber unzählige Fotos. „Keine Jahresausstellung der Parsberger Fotofreunde kam ohne Mahr-Bilder aus“, erzählt Jooß. Auch in zahlreichen anderen Gemeinden im Landkreis zeigte Mahr seine Werke. Ob Landschaften, Pflanzen oder Tiere: „Jedes Bild ist Ergebnis genauen, geduldigen und aufmerksamen Hinschauens“, berichtet Jooß.

Die Akkuratesse von Mahr war eines seiner Markenzeichen. Noch heute zieren seine feinsäuberlich angefertigten Beschriftungen Schubladen und Schränke an der Realschule, berichtet Jooß. Daheim nutzte er die gezwungenermaßen reiselose Zeit während der Lockdowns, um seinen Schatz an Reisebildern zu sichten und in Fotobüchern zusammenzufassen. „Er hatte da noch einiges nachzubearbeiten“, erinnert sich Mahrs Frau Gretl und lacht. Kein Wunder, waren die beiden doch bis zuletzt fast nur unterwegs.

In den vergangenen Monaten nahmen sich die Mahrs dafür umso mehr Zeit für ihre Familie. Die drei Söhne, sechs Enkel und zwei Urenkel freuten sich sehr. So ist Gretl Mahr in der Heimat mit ihrer Trauer nicht allein. Und weltweit auch nicht. Fast auf allen Kontinenten hat sie Freunde. Sobald es Corona wieder zulässt, könne sie sie jederzeit besuchen. „Wenn mir daheim die Decke auf den Kopf fällt.“

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