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Unterwegs im Tegernseer Tal: Geht es nach den Machern des Nahverkehrsplans, sollen das Busangebot verbessert und die Menschen zum Umstieg animiert werden.

Nahverkehrsplan Landkreis Miesbach

Erste Busse im neuen Takt

  • Stephen Hank
    VonStephen Hank
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Die Umsetzung des Nahverkehrsplans für den Kreis Miesbach nimmt allmählich Gestalt an. Jetzt gab es einen Sachstandsbericht

Landkreis – Der Weg ist lang, doch die ersten Schritte sind getan. Stück für Stück nimmt der Landkreis die Umsetzung des Nahverkehrsplans in Angriff. Das 260 Seiten starke Papier war im Dezember vergangenen Jahres vom Kreistag beschlossen worden (wir berichteten). In der Sitzung des Kreisentwicklungsausschusses gab Peter Schiffmann, Fachbereitsleiter Mobilität am Landratsamt, jetzt einen Sachstandsbericht.

Touristische Achsen

Weil die meisten Buslinien im Landkreis bis 2027 vergeben sind, kann der Landkreis bis dahin nur an einzelnen Stellschrauben drehen. Eine ist die verbesserte Anbindung von überwiegend touristisch genutzten Bussen an die Bahn. Mit Beginn der bayerischen Sommerferien sollen die Verbindungen so getaktet werden, dass man an den Bahnhöfen Schliersee und Tegernsee bequem die Busse in Richtung Spitzingsee und Kreuth erreicht. „Am Wochenende besteht eine Anbindung fast aller Zwischentakte“, so Schiffmann.

Anbindung Piesenkam

Ab dem neuen Schuljahr sind die Schulbusse von Piesenkam über Schaftlach und Waakirchen nach Gmund für alle Fahrgäste zugänglich. Piesenkam wird ferner in die AST-Insel Holzkirchen integriert. Heißt: Künftig ist es möglich, in Piesenkam auf ein Anruf-Sammel-Taxi zurückzugreifen.

Ortsbus Holzkirchen

Ab September wird der Holzkirchner Ortsbus in der bisherigen Form vom Landkreis weitergeführt. Zeitgleich startet die Ausarbeitung eines Konzepts für einen möglichen Ausbau ab 2022. Ziel ist es, Oberlaindern, das Warngauer Gewerbegebiet Birkerfeld und den S-Bahnhof Kreuzstraße anzubinden. Elisabeth Dasch (SPD) riet dazu, sich den Bedarf genau anzuschauen: „Oberlaindern war schon mal mit drin. Die Linie wurde damals mangels Nutzer wieder eingestellt.“

Bahnelektrifizierung

Die Untersuchung zur Machbarkeit der Elektrifizierung der Bahnstrecken im Oberland läuft. Laut Bayerischer Eisenbahngesellschaft (BEG) hat der Freistaat die Deutsche Bahn mit den ersten beiden Leistungsphasen konkret beauftragt. Nach Abschluss der Planung, die insgesamt vier Phasen umfasst und zwei bis drei Jahre dauert, soll der Markt nochmals sondiert werden. „Erst mal läuft die Planung in Richtung Elektrifizierung“, sagte Schiffmann. „Bevor es dann aber an die Umsetzung geht, soll erst eruiert werden, ob es zwischenzeitlich sinnvolle alternative Antriebsformen gibt.“

Alpenbus

Der sogenannte Alpenbus, der die Alpenlandkreise miteinander verbindet und finanziell je zur Hälfte von ihnen und dem Freistaat getragen werden soll, dürfte noch gut drei Jahre auf sich warten lassen. Zu komplex ist das Genehmigungs- und Ausschreibungsverfahren. Immerhin steht mittlerweile das Konzept für den Linienverlauf. Von Rosenheim soll es über Bad Feilnbach, Miesbach, Agatharied, Gmund und Waakirchen nach Bad Tölz gehen. Irschenberg liegt sehr zur Enttäuschung von Bürgermeister Klaus Meixner (CSU) nicht auf der Strecke. „Gerade die Senioren bei uns sind auf eine regelmäßige Anbindung nach Miesbach angewiesen – selbst wenn es sie nur ein Mal pro Woche gibt“, sagte er. Schiffmann gestand, dass er auf den Alpenbus gehofft hatte. „Jetzt ist es unsere eigene Aufgabe, uns um diese Verbindung zu kümmern.“

MVV-Beitritt

Der Zeitplan für den MVV-Beitritt steht – trotz der Corona-Pandemie. Ab dem vierten Quartal dieses Jahres sollen die erforderlichen Datenerhebungen stattfinden. Ende 2022 fällt voraussichtlich die finale Entscheidung. Der frühestmögliche Beitritt wäre Ende 2023. Fest steht auf jeden Fall: Miesbach ist ebenso wie Bad Tölz-Wolfratshausen und Landsberg am Lech bei der ersten Erweiterungsrunde mit dabei.

Wendelstein-Ringlinie

Vorerst gibt es das Angebot bis November 2021, dann ist eine neuerliche Ausschreibung erforderlich. Die Zahlen seien ordentlich, wie Verkehrssachbearbeiter Georg Kleeberg auf Anfrage von Johanna Wunderle (CSU) berichtete. Im vergangenen Jahr fuhren 10 200 Passagiere mit, 2015 waren es noch 8000. Grundsätzlich soll die Ringlinie im bestehenden Umfang fortgeführt werden.

Gibmir5-Ticket

Das vergünstigte Tagesticket wird nach wie vor gut angenommen und deshalb laut einstimmigem Beschluss des Kreisentwicklungsausschusses verlängert (ausführlicher Bericht folgt).

Wohin-Du-Willst-App

Die auf Landkreis-Bedürfnisse zugeschnittene Wohin-Du-Willst-App hat laut Schiffmann gute Nutzerzahlen. Waren es im März 2019 noch 1327 Verbindungssuchen, kletterte die Zahl bis Februar 2020 auf 3923. „Bei 100 000 Einwohnern ist das natürlich nicht die Wucht“, räumte er ein, „aber es ist ein gutes und vor allem tagesgenaues Angebot.“

Direktradverbindung

Die Machbarkeitsstudie für die Direktradverbindung von Otterfing nach Gmund läuft. Zuletzt fand ein Workshop des Planungsbüros mit Gemeinden, Behörden und Interessengruppen über zu untersuchende Trassen-Varianten statt. Das Ergebnis wird bis zum Jahresende erwartet. Die Direktradverbindung wird zur Hälfte vom Landkreis, zur anderen Hälfte von den betroffenen Gemeinden finanziert.

Radverkehr

Planungen für diverse Radwegprojekte laufen und werden vom Landratsamt „konstruktiv begleitet“. Kommende Woche will die Staatsregierung ihren Ausbauplan verkünden. Der Landkreis ist guter Hoffnung, dass der Radweg zwischen Gmund und Hausham mit aufgeführt ist.

Mobilitätsmanagement

Ab August 2020 übernimmt Mona Dürrschmidt die neu geschaffene Stelle als Mobilitätsmanagerin im Fachbereich Mobilität am Landratsamt. Hauptaufgaben sind die Begleitung des MVV-Beitritts, die Weiterentwicklung des Ortsbusses Holzkirchen und des Anruf-Sammel-Taxis sowie das Thema Radverkehr.

Ausflugsverkehr

Das Landratsamt ist in die Aktivitäten zur Besucher- und Verkehrslenkung, die vom Tourismusunternehmen Alpenregion Tegernsee Schliersee (ATS) und dem Verkehrszweckverband mit Sitz in Bad Tölz unternommen werden, mit eingebunden. Akut bestünden laut Schiffmann jedoch wenig Eingriffsmöglichkeiten.

Zukunftswerkstatt

Die Zukunftswerkstatt Mobilität, die aus Vertretern von Behörden, Verkehrsunternehmen, Verbänden und Organisationen sowie Vertretern der Kreistragsfraktionen besteht, soll in ihrer bewährten Form weitergeführt werden. Im Gremium gab es großes Lob für die Runde. „Es ist der einzige Arbeitskreis, der uns was gebracht hat in den vergangenen Jahren“, merkte Anastasia Stadler (CSU) trocken an.

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Einer, der in der Runde künftig gerne mitarbeiten würde, ist Josef Bogner (FW). Nach eigenen Worten hat er bereits „Vorschläge im großen Stil“ in der Tasche. „Die Bemühungen der vergangenen Jahre sind löblich, aber es sind keine größeren Würfe dabei“, kritisierte er. „Da hätte ich mir mehr erwartet.“ Freilich scheiterten viele Überlegungen am Geld. Nichtsdestotrotz müsse man aber groß denken. Mit den vorliegenden Maßnahmen könne man der Verkehrsbelastung im Landkreis nicht Herr werden.

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Landrat Olaf von Löwis (CSU) verspürte eine „gewisse Ungeduld“ bei Bogner – und teilt das Gefühl. „Mir geht es genauso“, gestand er. Die Umsetzung verlaufe schleppend, was vor allem am Geld und dem Vergaberecht liege. Letztlich könne man nur versuchen, permanent „nach oben zu bohren“.

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