Biomasseheizwerk, Mittelschule in Miesbach
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Ein Biomasseheizwerk liefert seit vielen Jahren Wärme für die Mittelschule in Miesbach. Etwas Ähnliches könnte im Bereich des Rathauses entstehen.

Hitzige Diskussion im Stadtrat

Nahwärmenetz im Rathaus-Viertel: Stadt Miesbach prüft Contracting-Lösung

  • Sebastian Grauvogl
    vonSebastian Grauvogl
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Lange bevor das erste heiße Wasser durch die Rohre schießt, erhitzt das geplante Miesbacher Nahwärmenetz die Gemüter der Stadträte. Die Pole liegen nach wie vor weit auseinander.

Miesbach – Vier Gebäude an einem Strang: Dass sich das Karree aus Rathaus, Feuerwehrhaus, Beamtenhaus und Stadtbücherei für eine zentrale Wärmeversorgung eignet, bezweifelt im Stadtrat niemand mehr. Über die konkrete Umsetzung und die damit verbundenen Kosten gehen die Meinungen aber weiter auseinander. Markus Seemüller (FWG) brachte nun eine Contracting-Lösung ins Spiel. Dabei würde ein externer Energielieferant im Auftrag der Stadt Planung, Aufbau und Versorgung des Nahwärmenetzes übernehmen.

„Wir sprechen hier über eine freiwillige Ausgabe in Millionenhöhe“, begründete Seemüller seinen Antrag für die Einholung eines entsprechenden Angebots, beispielsweise bei der MW Biomasse AG. Weil sich wegen der Corona-Krise auch die Anzeichen für Gewerbesteuerausfälle mehren würden, sei es höchste Zeit, die Kosten des Nahwärmenetzes nochmals zu durchleuchten und Alternativen zu prüfen. „Dann kennen wir den Preis pro Kilowattstunde, können vergleichen und haben somit eine vernünftige Entscheidungsgrundlage“, betonte Seemüller. So lange die nicht gegeben sei, sollte man das Projekt ruhen lassen, um angesichts der Haushaltslage keine weiteren Planungskosten mehr zu verursachen.

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Bürgermeister Gerhard Braunmiller (CSU) zeigte sich aufgeschlossen und schlug vor, bei zwei Contractoren ein unverbindliches Angebot einzuholen. „Wenn wir günstiger fahren können, gern“, meinte auch Stefan Griesbeck (CSU). „Auf Eis legen“ sollte man die Planung eines Nahwärmenetzes in Eigenregie der Stadt aber nicht, betonte Dritter Bürgermeister Franz Mayer (CSU). „Wenn ein Förderprogramm aufgelegt wird, müssen wir schnell sein“, fand auch Christian Mittermaier (CSU).

Deutlich skeptischer in Sachen Contracting zeigte sich Erhard Pohl (CSU). Ein externer Wärmedienstleister sei kein „Sozialverband“. „Die wollen was verdienen“, sagte Pohl. Das könne man auch selbst machen, beispielsweise durch die Gründung von Stadtwerken. „Das wäre ein großer Wurf für Miesbach“, sagte Pohl. Damit traf der CSU-Mann bei den Grünen ins Schwarze. „Herr Pohl hat mir alles vorweggenommen“, sagte Kick van Walbeek schmunzelnd. „Wir brauchen Stadtwerke, keinen Vertrag mit einer Aktiengesellschaft.“ Auch Vize-Bürgermeisterin Astrid Güldner warnte vor einer Contracting-Lösung: Dies klinge nach einem „Rundum-Sorglos-Paket“, aber auch die Aktionäre wollten Gewinne machen.

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Diese Skepsis gegenüber der MW Biomasse AG wollte Michael Lechner (FWG) so nicht stehen lassen. Tatsächlich sei das Unternehmen eine Tochterfirma von mehreren Waldbesitzervereinigungen und Maschinenringen. Durch den Waldbesitz habe diese die Rohstoffe der Hackschnitzel quasi in der Hand. „Ein verlässlicher Partner“, sagte Lechner.

Manfred Burger (Grüne) beantragte schließlich, separat über die Angebotseinholung und die von Seemüller zusätzlich gewünschte, zwischenzeitliche Aussetzung der Planung durch die Stadt abzustimmen. Mit dem Ergebnis, dass der Beschluss pro Vergleichsangebot einmütig fiel, das vorübergehende Einfrieren des Projekts mit 9:16-Stimmen aber keine Mehrheit fand. Güldner plädierte sogar dafür, den Anschluss weiterer Gebäude in der näheren Umgebung prüfen zu lassen. Sie wisse, dass die Eigentümer eines benachbarten Wohnhauses ebenfalls über eine neue Heizung nachdenken würden. „Die sollten wir ins Boot holen.“

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Der Rathauschef versicherte abschließend, dass die Gründung von Stadtwerken weiter auf seiner Agenda stehe. Gut so, fand Paul Fertl (SPD). Ein Kommunalunternehmen sei politisch nie umstritten gewesen. Bislang sei eher die Stadtverwaltung skeptisch gewesen. „Und die Bürgermeisterin wollte sich nicht damit beschäftigen.“

sg

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