Naturschützer fordern Jagdpause bis Juli
+
Dieser Auerhahn begegnete Jörg Meyer an einem Waldweg. Für den Leiter des Forstbetriebs Schliersee der Beleg: Der Population geht es gut. 

Verein Wildes Bayern fürchtet um Brut

Naturschützer fordern Jagdpause bis Juli

  • Christian Masengarb
    vonChristian Masengarb
    schließen

Christine Miller ist sicher, dass Förster im Landkreis den Hasel-, Auer- und Birkhühnern schaden und fordert eine Jagdpause. Der Forst lehnt das als zu einseitig ab.

Schliersee – Christine Miller ist sicher, dass Förster im Landkreis den Hasel-, Auer- und Birkhühnern schaden. Wenn sie derzeit auf der Jagd nach Rehwild mit ihren Hunden durch die Wälder streifen, sei das für die sensiblen Raufußhühner eine „vermeidbare und unter Umständen massive Störung“, schreibt die Biologin und Vorsitzende des Wildtierschutzvereins Wildes Bayern in einer Mail an den Forstbetrieb Schliersee. Schlimmstenfalls könnten gestörte Tiere ihre Brut aufgeben. Einzige Lösung: der Jagdverzicht während dieser sensiblen Zeit.

Naturschützer fordern Jagdpause bis Juli

Miller fordert, der Forstbetrieb solle die Jagd in den bekannten Brutgebieten bis Ende Juli komplett einzustellen. Als Beleg für ihre Forderung hat sie ihrer Mail eine Pressemeldung des Landesbundes für Vogelschutz angehängt. „Die Situation für bodenbrütende Vögel ist höchst alarmierend“, heißt es in dieser.

Christine Miller, Vorsitzende Wildes Bayern

Die Mail hat sie an Jörg Meyer geschickt, den Leiter des Forstbetriebs Schliersee. Er unterstützt Millers Ziel, die Raufußhühner zu schützen. Ihre Forderung ist ihm dennoch zu einseitig: „Die Einstellung der Jagd ist nicht möglich und letztlich wohl auch nicht im Sinne der Gesellschaft. Wir müssen die richtige Balance finden.“ Natur- und Artenschutz, Infrastruktur und Klimawandel; Hochwasser-, Lawinen- und Trinkwasserschutz – wolle sein Forstbetrieb künftigen Generationen in all diesen Bereichen einen stabilen Wald übergeben, könne er keinen Einzelaspekt zum Alleinziel erklären. Millers Forderung bedeute aber für große Teile des Forstbetriebs praktisch das vollständige Einstellen der Jagd bis Ende Juli – und bringe die Ziele so aus dem Gleichgewicht.

Ein Beispiel: Meyer muss den Verbiss durch Schalenwild und die Verjüngung des Waldes in einem ausgewogenen Verhältnis halten. Dafür brauche es die Jagd, sagt er. Würde die bis Ende Juli überall pausieren, würde das Wild gerade in Schutzwaldlagen die Baumarten ausbremsen, die der Wald wegen des Klimawandels dringend braucht. „Es dient niemandem, wenn sich nur die Fichte verjüngen darf.“ Gerade in Schutzwald-Sanierungszonen sei eine monatelange Jagdpause nicht sinnvoll. In den anderen Bergwaldflächen ruhe die Jagd ohnehin von Mitte Juni bis Ende Juli.

Hinzu komme: Im Gebirge sei die Jagdzeit wegen des längeren Winters oft kürzer als im Flachland. Diese noch weiter zu verkürzen, würde den Druck während dieser Phase erhöhen und der Natur eher schaden als nützen, meint Meyer.

Jörg Meyer, Leiter Forstbetrieb Schliersee

Ohnehin sagt der Forstbetriebsleiter: „Wir nehmen Rücksicht, so gut es geht.“ Seine Förster mieden Biotope, hielten die Hunde in der Nähe von Raufußhuhnbalzplätzen an der Leine. „Der Störeffekt ist überschaubar. Gerade verglichen mit dem immer intensiveren Erholungsverkehr.“

Meyer verweist auch auf die Aktivitäten des Forstbetriebs beim Artenschutz, zum Beispiel die Zusammenarbeit mit dem Gebietsbetreuer für das Mangfallgebirge, Florian Bossert, bei der Birkwildzählung. „In etlichen Bereichen zeigen unsere Maßnahmen bereits Erfolge und können hoffentlich zur Stabilisierung der Population beitragen. Ich denke, wir sind auf einem guten Weg.“

Miller sieht das anders: „Ich wüsste nicht, dass die Populationen der Auer- und Birkhühner alle pumperlgesund sind. Sie halten sich gerade so.“ Der Forst müsse alles tun, um sie zu unterstützen. Die Jagd sei auch mit angeleinten Hunden eine Störung und das Schaffen des klimagerechten Waldes „eine Ausrede“. Niemand wisse, wie ein klimagerechter Wald aussehe. Deswegen sei es besser, der Natur eine Chance zu geben, das Problem alleine zu lösen. „Wegen der paar Wochen Jagdpause wird der Wald nicht untergehen.“

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Coronavirus im Landkreis Miesbach: Pflegekraft positiv getestet
Die Corona-Pandemie hat den Landkreis Miesbach bayernweit anfangs mit am stärksten getroffen. Inzwischen ist die Lage ruhig. Alle News hier im Ticker.
Coronavirus im Landkreis Miesbach: Pflegekraft positiv getestet
Schon wieder: Notlandung von Gleitschirmflieger am Sudelfeld
Zum zweiten Mal binnen fünf Tagen ist am Vogelsang-Westhang im Sudelfeld ein Gleitschirmflieger in Probleme geraten. Die Bergwacht rettete ihn aus den Felsen.
Schon wieder: Notlandung von Gleitschirmflieger am Sudelfeld
Fred Walakira (46) hätte Minister in Uganda werden können - doch er floh nach Hausham
In Uganda hätte er Minister werden können. Doch Fred Walakira (46) floh nach Europa. Jetzt lebt der Landwirtschaftsexperte in Hausham und arbeitet im Café Winklstüberl. 
Fred Walakira (46) hätte Minister in Uganda werden können - doch er floh nach Hausham
Spatenstich für Gesundheitszentrum Hausham: Diese Ärzte ziehen ein
Gute Laune beim Spatenstich: Am Haushamer Bahnhof ist am Montagvormittag der offizielle Startschuss für das neue Gesundheitszentrum gefallen. Diese Ärzte ziehen ein.
Spatenstich für Gesundheitszentrum Hausham: Diese Ärzte ziehen ein

Kommentare