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Staubtrocken: Das Foto des Flussbetts Höhe Müller am Baum ist vor fünf Tagen entstanden.

Fische in Gefahr

Naturschützer schlagen Alarm: Mangfall ausgetrocknet

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Die Mangfall bei Müller am Baum führt kein Wasser. Verantwortlich gemacht wird ein Kraftwerksbetreiber. Das ist nicht zum ersten Mal so. Umweltschützer hoffen auf eine dauerhafte Lösung.

Miesbach – Die Bilder der sterbenden Fische lassen Michael Nürnberger nicht mehr los. Seit er im Januar 2016 bei einem Spaziergang den Überlebenskampf in der ausgetrockneten Mangfall bei Müller am Baum mit ansehen musste, schaut er regelmäßig dort vorbei. Immer wieder fällt ihm auf, dass die Emmer GbR als Betreiber des Kraftwerks im Werkskanal zu wenig Restwasser in der sogenannten Korrektionsstrecke der Mangfall belässt. Anfang Februar traute Nürnberger dann seinen Augen kaum: Fast genau ein Jahr nach dem letzten Fischsterben war das Flussbett erneut trocken. „Selbst unter den Eisschollen war kein Wasser mehr“, berichtet der Miesbacher.

Wiederholt meldete er seine Beobachtungen in den vergangenen Monaten an das Landratsamt. Tatsächlich ordnete die Behörde zusammen mit dem Wasserwirtschaftsamt im November 2016 eine tägliche Spülung der Kiesschleuse an, um zu verhindern, dass der Auslass durch Äste und Laub verstopft wird. „Damit sollte den bekannten Störfällen wirksam begegnet werden“, zitiert Nürnberger aus dem damaligen Schreiben von Thomas Eichacker, Abteilungsleiter Umwelt am Landratsamt.

Dass die Emmer GbR dieser Anordnung regelmäßig nachkommt, mag Nürnberger nicht glauben. In diesem Fall hätte die Mangfall nun nicht schon wieder austrocknen können. Für ihn steht fest: „Der Kraftwerksbetreiber macht, was er will, und die Umweltbehörden sind nicht in der Lage, den Missstand abzustellen.“

Birger Nemitz, Pressesprecher des Landratsamts, weist diesen Vorwurf zurück. So habe die Behörde unmittelbar nach der ersten Meldung am 30. Januar das Wasserwirtschaftsamt über den Wassermangel informiert. Noch am selben Tag sei ein Mitarbeiter vor Ort gewesen und habe festgestellt, dass nur noch rund 100 Liter Wasser pro Sekunde durch das Schütz dringen und diese im Verlauf der Korrektionsstrecke versickern. Wegen der starken Vereisung habe sich die Schleuse aber nicht für einen Spülstoß öffnen lassen.

Kaum ein Durchkommen gibt es derzeit für das Mangfallwasser an der Kraftwerksschleuse in Müller am Baum. Die sogenannte Korrektionsstrecke ist flussabwärts sogar komplett trocken gefallen.

Am 2. Februar habe der Betreiber, der die Anlage per Fernsteuerung bediene, eine erfolgreiche Spülung gemeldet. Eine Kontrolle am selben Nachmittag lieferte aber ein anderes Ergebnis. Laut Nemitz lief zu diesem Zeitpunkt überhaupt kein Wasser mehr durch das Schütz. Das Wasserwirtschaftsamt habe daraufhin eine erneute Spülung veranlasst, die diesmal auch Erfolg zeigte. „Das Restwasser fließt nun wieder, wenn auch weniger wie erwartet“, sagt Nemitz. Vermutlich blockiere Treibgut die Öffnung oder es liege eine Fehlfunktion der Steuerung vor. Um das Problem vollständig zu beheben, befinden sich die Behörden weiter in Kontakt mit dem Betreiber.

Auch die Mangfall-Allianz wartet ungeduldig auf eine Lösung. Dem Verbund aus Umweltschutzvereinen ist das Kraftwerk in Müller am Baum seit Jahren ein Dorn im Auge. „Unsere Jugendlichen haben dort immer wieder Fische mit Eimern gerettet“, sagt Vorsitzender und Bezirksfischer Stefan Moser. Das Problem liegt für ihn am sogenannten Altrecht für die Stromerzeugungsanlage. Dieses erlaubt dem Betreiber, das Mangfallwasser in den Kanal umzuleiten – und zwar ohne ihm eine verbindliche Restwassermenge vorzuschreiben.

Die Hoffnung der Mangfall-Allianz ruht deshalb auf einer langfristigen Lösung. Wie berichtet, hatte die Emmer GbR eine Verlängerung und Erweiterung der Genehmigung für das Wehr bei Müller am Baum beantragt. Im Rahmen des wasserrechtlichen Bewilligungsverfahrens soll nun auch die Restwasserfrage geklärt werden. Im Wasserhaushaltsgesetz sind mittlerweile mindestens 300 Liter pro Sekunde festgesetzt. Laut Nemitz befindet sich dieses Verfahren „in der Endphase“. Aktuell würden die ökologischen Auflagen wie zum Beispiel die Gestaltung der Fischaufstiegshilfen ausgearbeitet. Auch die Frage der Steuerung des für die Restwasserabgabe nötigen Schützes würde geklärt.

Damit die Mangfall auch vorher wieder ausreichend Wasser erhält, werde das Landratsamt mit dem Wasserwirtschaftsamt mögliche Sofortmaßnahmen besprechen. Für Anfang März hat die Behörde deshalb zu einem Gesprächstermin eingeladen. Neben Eichacker, Landrat Wolfgang Rzehak, Frank Skodczinski (Fachbereichsleiter Wasser, Abfall und Bodenschutz) und einem Vertreter des Wasserwirtschaftsamts darf auch Nürnberger mit am Tisch sitzen. Der nimmt das Angebot gerne an: „Ich werde dabei sein.“

sg

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