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Wanderer an der Rotwand: Die Almbauern fürchten durch die Bewerbung als Modellregion Naturtourismus einen neuen Ansturm in die ohnehin schon belasteten Gebiete.

„Nein“ zu Unterstützungserklärung

Naturtourismus: Almbauern fürchten neuen Ansturm

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Das Feedback für die geplante Bewerbung des Landkreises als Modellregion Naturtourismus fällt geteilt aus. Nicht nur die Almbauern fürchten, dass noch mehr Leute auf die Weiden gezogen werden.

Landkreis – Wer ein sensibles Thema anpacken will, tut gut daran, zuerst seine Fühler auszustrecken. Am besten behutsam und möglichst in alle Richtungen. Das gilt auch für die beabsichtigte Bewerbung des Landkreises als Modellregion Naturtourismus. Nicht umsonst hatte Thomas Eichacker, Umwelt-Abteilungsleiter am Landratsamt, bei der erstmaligen Vorstellung des Konzepts im Wirtschaftsausschuss des Kreistags Ende März ausdrücklich um „Feedback“ gebeten. Um den Rückhalt gegenüber der Förderstelle auch „glaubhaft zu dokumentieren“, wie Landratsamt-Pressesprecher Birger Nemitz erklärt, habe die Behörde Unterstützungserklärungen an Gemeinden und Verbände verschickt. Die Rückmeldungen seien dabei überwiegend positiv ausgefallen.

Nicht so beim Almwirtschaftlichen Verein Oberbayern (AVO). Dessen Geschäftsführer Michael Hinterstoißer teilte dem Landratsamt am Montag mit, dass der AVO die Unterstützungserklärung nicht unterschreiben werde. „Der AVO befürchtet, dass mit diesem neuen Konzept noch mehr Touristen angelockt werden“, erklärt Hinterstoißer. Dies würde eine „weitere Beeinträchtigung der Almwirtschaft“ bedeuten. Außerdem hält es der AVO für nicht hinnehmbar, „dass die Aktionen vor Entwicklung des Konzepts nicht mit den betroffenen Grundstückseigentümern abgesprochen wurden“. Nicht nur den Almbauern, sondern auch anderen Landwirten und Eigentümern stieß dies sauer auf, wie etwa Landwirtin Brigitta Regauer auf Nachfrage unserer Zeitung berichtet.

Klare Worte also, die bei den Initiatoren der Bewerbung wohl die Alarmglocken schrillen ließen. Ausgerechnet die Grundeigentümer, die zu den Hauptbetroffenen von Nutzungskonflikten in der Natur gehören, verweigern dem vermeintlichen Lösungsansatz die Gefolgschaft. Und das kurz bevor der Kreistag über die Bewerbung abstimmen soll.

Eichacker und Gebietsbetreuer Marco Müller erkannten die Gefahr – und reagierten prompt. Noch am Montagabend luden sie die Kritiker zu einem klärenden Gespräch ins Landratsamt ein. Wie Regauer berichtet, habe man dabei in „konstruktiver Atmosphäre“ das 20-seitige Papier durchgearbeitet. Mit dem Ergebnis, dass sich die Grundeigentümer besser mitgenommen fühlen würden. Was jedoch bleibt, sind laut Regauer die „großen Bedenken, dass noch mehr Menschen in sensible Gebiete gelockt werden“.

Das diese Sorge unbegründet ist, versucht das Landratsamt mit einer Überarbeitung der Unterlagen klarer herauszuarbeiten. „Wir werden das Konzept so weit wie möglich anpassen, um allen Bedenken der Grundeigentümer Rechnung zu tragen“, erklärt Nemitz. So hätten sich auch andere befragte Stellen eine konkretere Beschreibung der Maßnahmen gewünscht oder etwa die Schaffung eines Angebots für Schulen angeregt. All diese Punkte habe man in der aktualisierten Version aufgegriffen, die heute wie geplant dem Kreistag vorgelegt wird. Insbesondere wolle man klarstellen, „dass das Konzept keinen einzigen Punkt enthält, bei dem Flächen von Landwirten oder anderen Grundeigentümern in irgendeiner Form in Anspruch genommen werden“. Im Gegenteil: Kernpunkt sei, so Nemitz, bereits bestehende Konflikte mit Touristen zu minimieren.

Ob die für die Bewerbung erforderliche Mehrheit der Kreisräte zustimmt, wird sich bei der Sitzung heute ab 13 Uhr im Sitzungssaal Miesbach-Ost zeigen.

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