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Thorsten Schär ist Geschäftsführer beim Kommunalunternehmen Alpenregion Tegernsee Schliersee (ATS).

ATS-Geschäftsführer Thorsten Schär im Interview

Naturtourismus-Tagung: So soll die Modellregion in Fahrt kommen

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Als Modellregion Naturtourismus wurde der Landkreis im Sommer ausgezeichnet. Bei einer großen Tagung in Miesbach sollen die ersten Projekte erarbeitet werden. Die Ziele sind klar.

Landkreis – Die Freude war groß, als das Bayerische Umwelt- und das Wirtschaftsministerium den Landkreis im Juni als Modellregion Naturtourismus ausgezeichnet haben. Jetzt gilt es, die Euphorie in Projekte umzumünzen. 70 000 Euro stellen die Ministerien dafür zur Verfügung, der Landkreis legt 30 000 Euro obendrauf. Bei der 1. Naturtourismus-Tagung am Donnerstag, 16. November, im Waitzinger Keller in Miesbach sollen die ersten Ideen in großer Runde besprochen werden. Was sich die Veranstalter davon versprechen, erklärt Thorsten Schär (37), Geschäftsführer des Kommunalunternehmens Alpenregion Tegernsee-Schlierse (ATS), im Interview.

-Herr Schär, in der Bewerbungsphase zur Modellregion Naturtourismus haben sich nicht alle Betroffenen ausreichend mitgenommen gefühlt. Zur Tagung sind nun fast 150 Gäste eingeladen. Haben Sie diesmal wirklich niemanden vergessen?

Thorsten Schär: (lacht) Davon gehe ich aus. Unser Ziel war es von Anfang an, alle Anspruchsgruppen im Spannungsfeld Natur und Tourismus einzubinden. So einen großen Personenverteiler wie bei der Tagung hatten wir noch nie. Hier kommen Leute zusammen und reden miteinander, die sich sonst vielleicht nicht getroffen hätten. Das ist ein großer Mehrwert für so ein Projekt.

-Die andere Frage ist, ob alle am selben Strang ziehen und sich tatsächlich auf Maßnahmen einigen können.

Thorsten Schär: Das übergeordnete Ziel, Nutzungskonflikte in der Natur abzubauen, sollten alle teilen. Wie das im Einzelnen gelingen kann, werden wir an mehreren runden Tischen besprechen. Einer von drei Schwerpunkten liegt auf Naturerlebnisangeboten in den Bereichen Tierwelt, Land- und Forstwirtschaft und bei Nacht. Vieles davon haben wir schon, es ist nur noch nicht ausreichend bekannt. Deshalb haben wir auch Anbieter wie Wanderführer oder Vertreter von Schulen eingeladen. Gemeinsam mit ihnen wollen wir uns überlegen, was wir vielleicht noch verbessern oder anders vermarkten können.

-Aber locken Sie damit nicht noch mehr Ausflügler in die Natur? Genau das wollen Almbauern und Waldbesitzer ja vermeiden...

Thorsten Schär: Wenn wir die Besucher richtig lenken, können wir sensible Bereiche leichter frei halten. Es ist besser, wenn die Gäste eine Wanderung mit einem geführten Almführer unternehmen und dabei den Natur- und Kulturraum der Alm kennenlernen, anstatt sich auf eigene Faust auf den Weg zu machen. Der Naturpark Nagelfluhkette im Allgäu setzt dafür Ranger ein, die gezielt auf die Leute zugehen. Ihre Erfahrungen werden die Vertreter in einem Impulsvortrag bei unserer Tagung schildern. Mit generellen Verboten können und wollen wir aber nicht arbeiten.

-Wer garantiert dann, dass die Maßnahmen auch funktionieren?

Thorsten Schär: Das werden wir selbstverständlich überprüfen. Zum Beispiel können wir mit einer Zählanlage überprüfen, ob eine ausgeschilderte Mountainbike-Route tatsächlich von den Sportlern befahren wird. Zuerst müssen wir aber die Projekte auf den Weg bringen. Dazu werden sich bei der Tagung Arbeitsgruppen bilden, die sich in den kommenden Monaten regelmäßig zusammensetzen. Spätestens nach Ablauf des Förderzeitraums im August 2019 werden wir uns wieder in großer Runde treffen und Bilanz ziehen. Es ist aber auch klar, dass wir nicht alles umsetzen können, was wir uns vornehmen.

-Zum Beispiel?

Thorsten Schär: Das Wildtiermanagement, also der Umgang mit Wolf oder Biber. Wenn wir das nicht in der Modellregion unterbringen, heißt es aber nicht, dass wir solche Themen nicht begleiten können. Wichtig ist, dass die einzelnen Interessensgruppen miteinander ins Gespräch kommen. Wenn uns das gelingt, war die Modellregion schon ein Erfolg.

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