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„Fledermaus“ gegen Krisenstimmung

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Von: Alexandra Korimorth

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Ein Riesenspaß: Sänger und Orchester des Freien Landestheaters Bayern entführen mit der Neuauflage der Strauß-Operette „Die Fledermaus“ in eine bunte, opulente Welt.
Ein Riesenspaß: Sänger und Orchester des Freien Landestheaters Bayern entführen mit der Neuauflage der Strauß-Operette „Die Fledermaus“ in eine bunte, opulente Welt. © Steffen Gerber

Bunt, lustvoll, opulent: Das Freie Landestheater Bayern macht die „Fledermaus“ zum lebensfrohen Statement gegen Krisenstimmung. Die berühmteste Strauß-Operette in bester Volksoper-Manier begeisterte am Samstag 250 Zuschauer im Stammhaus Waitzinger Keller.

Miesbach – Trotz des frühen Termins um 16 Uhr hatten sich die meisten Gäste in Abendgarderobe geworfen. Indes waren diesmal erstaunlich viele Kinder im Publikum. Mit dieser Inszenierung konnten sicherlich nicht nur sie nachhaltig für das Musiktheater gewonnen werden konnten.

Im puderrosa Salon von Gabriel und Rosalinde Eisenstein geht es turbulent zu: Der Hausherr – entgegen der Tradition als attraktiver, gar nicht so bequem gewordener George-Clooney-Verschnitt mit Kurt Schober besetzt – bereitet sich auf einen Gefängnisaufenthalt wegen Beamtenbeleidigung vor. Seine Frau Rosalinde – großartig besetzt mit der sprach- und dialektbegabten Katharina Burkhart –, deren Bedürfnissen vom Ehemann wenig Beachtung geschenkt wird, bekommt überraschend Besuch von einem ehemaligen Liebhaber und Gesangslehrer – Tenor Stephan Lin –, der mit einer Stimme geradezu erotische Macht über sie hat. Und die ambitionierte Kammerzofe Adele – vorwitzig und frech dargestellt von Andrea Jörg – will unbedingt zur Party des Jahres, einem Souper bei Prinz Orlowsky.

Mit Dr. Falke (Andreas Fimm), dem Gabriel einst einen Streich spielte und der seither den Spitznamen „Fledermaus“ innehat, beginnen die Intrigenspiele, die Irrungen und Wirrungen. Statt ins Gefängnis geht Gabriel ebenfalls zum Souper, genauso wie Rosalinde, Adele und der Gefängnisdirektor Frank (Philipp Gaiser) – allesamt mit anderen Identitäten als Marquis, Maske tragende ungarische Gräfin, als Künstlerin Olga oder als Chevalier.

In den rot glitzernden Gemächern und Separees des Orlowsky (Carolin Ritter) wird gefeiert, Champagner getrunken, geflirtet, fremdgebusselt und auf die Finger geklopft. Gabriel macht hingerissen seiner eigenen, unerkannten Ehefrau den Hof, und sie luchst ihm zum Beweis seiner Untreue seine goldene Uhr ab. Zu Enttarnung, moralischen Erkenntnissen und Abbitten kommt es dann im Gefängnis, wo alles auf den Champagner geschoben wird.

Freies Landestheater webt Lokalkolorit und aktuelle Bezüge ein

Soweit gibt das Libretto von Richard Genée, der nach heutigem musikhistorischem Forschungsstand sogar mehr zur Komposition beigetragen haben soll als Johann Strauß, die Handlung schon erfolgreich vor. Es sind die aktuellen und regionalen Seitenhiebe, die diese Inszenierung besonders machen: Da wird Prinz Orlowsky aufgefordert, den Förderkreis Miesbach in Sachen Inklusionsspielplatz zu unterstützen, der 220 000 Euro kostet. Hinter dem Akten-Ordner C „wie Corona“, „das keiner mehr braucht“, befindet sich Sliwowitz-Desinfektionsmittel. Alfred als Sänger am FLTB bekommt nicht nur sein Geld zurück, sondern aus Mitleid angesichts des Einkommens noch eine Spende obendrauf. Und der Gefängnisdirektor, schlafend mit Zeitung auf dem Gesicht, stöhnt unter dem Druck der Presse. Für solche humorigen Einfälle von Regisseur Ulrich Proschka gab es zwischendurch immer wieder Lacher, für die grandiosen Kostüme und die drei Bühnenbilder von Anne Hebbeker verzückte Ahs und Ohs.

Hinzu kommen fantastisch gesungene Arien, vom Terzett „So muss allein ich bleiben“ über das Orlowsky-Couplet „Ich lade gern mir Gäste ein“, Adeles facettenreicher Lacharie „Mein Herr, Marquis“ bis hin zum Welthit-Walzer „Genug damit, genug!“, die mit Zwischenapplaus bedacht wurden. Für die lebensbejahende Entführung aus sämtlichen Krisenstimmungen durch das Orchester unter Leitung von Rudolf Maier-Kleeblatt gab es minutenlangen, frenetischen Applaus. Das Warten, für das sich Geschäftsführer Andreas Haas angesichts der coronabedingten einjährigen Verzögerung der Aufführung eingangs beim Publikum bedankt hatte, hat sich wahrlich gelohnt.

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