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Sind aktuell nicht gut aufeinander zu sprechen: Landrat Wolfgang Rzehak und Vize-Landrätin Ingrid Pongratz.

Wegen Wasserschutzzone

Neuauflage im Kreistag: Landrat und Vize streiten weiter

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Das Verhältnis zwischen Landrat Wolfgang Rzehak (Grüne) und seiner Stellvertreterin Ingrid Pongratz (CSU) bleibt angespannt. Im Kreistag sind die beiden erneut aneinander geraten.

Landkreis – Das Verhältnis zwischen Landrat Wolfgang Rzehak (Grüne) und seiner Stellvertreterin Ingrid Pongratz (CSU) bleibt angespannt. Nachdem die Miesbacher Bürgermeisterin Rzehak zuletzt in einem Brief dazu aufgefordert hatte, eine Bemerkung aus der Oktobersitzung des Kreistags öffentlich richtigzustellen, meldete sie sich nun auch noch mal mündlich zu Wort. Unter dem Tagesordnungspunkt „Unvorhergesehenes“ brachte Pongratz bei der jüngsten Kreistagssitzung erneut ihre Enttäuschung über das Verhalten des Landrats in der Diskussion um die Wasserschutzzone zum Ausdruck.

Wie berichtet, hatte Rzehak seiner Stellvertreterin ein „Misstrauen“ gegenüber dem Landratsamt vorgeworfen. Dieses Verhalten hätten die Mitarbeiter als „befremdlich“ wahrgenommen. Weitere Wortmeldungen habe Rzehak nicht zugelassen, beklagte sich Pongratz. Damit hätte sie auch keine Möglichkeit gehabt, den Sachverhalt richtigzustellen. „Ich habe das als unhöflich empfunden“, sagte die Vize-Landrätin. Weil auch im Protokoll zur Sitzung nur Rzehaks Darstellung auftauche, spreche sie das Thema nun nochmals an.

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Ausgangspunkt des Streits war bekanntlich der Erörterungstermin zur Ausweisung der Wasserschutzzone Thalham-Reisach-Gotzing (siehe Artikel oben rechts). Im Kreistag wiederholte Pongratz ihre Einschätzung, dass sich die Einwender „unerwünscht“ gefühlt hätten. Das sage sie nicht als Vize-Landrätin, sondern als Bürgermeisterin der Stadt Miesbach, die selbst zu den Einwendern zählt. Dass der Landrat nicht eingegriffen habe, sei unprofessionell und zeuge nicht von Bürgernähe und Transparenz.

Eines stellte Pongratz mit Nachdruck klar: Sie habe ihre Äußerungen immer nur auf den Landrat bezogen und nicht auf die Verwaltung. Die Einladung des Landrats zu einem Gespräch mit seinen Mitarbeitern habe sie ganz bewusst nicht angenommen. „Das wäre ein Tribunal geworden“, sagte Pongratz.

Rzehak konnte dies nicht nachvollziehen. „Das Gesprächsangebot an die Stellvertretende Landrätin steht weiterhin“, sagte er. Pongratz müsse in ihrer Rolle besonders darauf achten, dass die Mitarbeiter des Landratsamtes nicht das Gefühl bekämen, sie würde ihnen in den Rücken fallen. „Du bist halt immer beides“, sagte Rzehak, „Bürgermeisterin und Vize-Landrätin“.

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Pongratz’ Fraktionskollege Josef Bierschneider teilte die Einschätzung der Miesbacher Rathauschefin. Der Landrat habe im Kreistag „ausgeteilt“, aber dann keine Wortmeldungen mehr zugelassen. „Das ist keine Art“, sagte der Kreuther Bürgermeister. Claus Fresenius (FWG) sah ein grundsätzlicheres Problem: Man müsse sich Gedanken über den Umgang im Kreistag machen. Es wäre klüger, das Gremium stimme über das Ende der Debatte ab, als dass diese einseitig vom Landrat geschlossen werde.

Der nutzte die erneute Diskussion auch noch für einen kurzen Zwischenstandsbericht zum aktuell ausgesetzten Verfahren zur Wasserschutzzone selbst. Er warte nach wie vor auf eine Antwort auf sein Schreiben an den neuen Umweltminister Thorsten Glauber (FWG), sagte Rzehak. Es sei bezeichnend, dass er nach sechs Wochen noch kein Zeichen erhalten habe. Für ihn zeige das, dass für die neue Staatsregierung offenbar weniger Priorität auf der Durchführung des Verfahrens liege. „Und das könnte auch mein Verhalten beeinflussen“, machte Rzehak deutlich.

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Den Landrat nicht aus der Pflicht entlassen wollte hingegen Alexander Radwan (CSU). Die Position der Staatsregierung dürfe nur eine Orientierung sein. „Der Landrat ist Herr des Verfahrens“, sagte Radwan. Er vertraue auf Rzehak, dass dieser die Sache „im Sinne des Landkreises“ löse. Der Landrat konterte: „Das ist nicht mein Projekt, und ich werde die Staatsregierung nicht aus ihrer Verantwortung entlassen.“

Schützenhilfe erhielt Rzehak von SPD-Fraktionssprecher Martin Walch, der Radwan scharf angriff. Er als langjähriger Abgeordneter müsse eigentlich wissen, dass der Landrat in so einem Verfahren auf Weisung von oben handle. Jede andere Darstellung sei die Unwahrheit. „Und das verbitte ich mir.“

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