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Neue Aufgabe, neuer Platz: Heidi Schmidt leitet ab sofort Zivilprozesse am Miesbacher Amtsgericht.

Heidi Schmidt (30) spricht ab jetzt Recht

Wie sie von einer Anwältin zur Richterin wurde

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Miesbach - Erst war sie Rechtsanwältin, jetzt fällt sie selbst Urteile: Heidi Schmidt (30) ist neue Zivilrichterin am Amtsgericht Miesbach. Ein Kurz-Porträt.

Ein bisschen fremd ist er ihr schon noch, der Platz auf dem Richterstuhl. „Daran muss ich mich noch gewöhnen“, sagt Heidi Schmidt (30) und deutet auf den großen, schwarzen Ledersessel im Sitzungssaal des Miesbacher Amtsgerichts. Kein Wunder, schließlich ist sie fünf Jahre lang auf der anderen Seite gesessen: an einem Tisch wie dem im Verhandlungszimmer im Amtsgericht, auf dem ein kleines, weißes Metallschild mit der Aufschrift „Beklagte“ steht.

Als Rechtsanwältin im Bereich Banken und Kapitalmarkt hat Schmidt die wirtschaftlichen Interessen ihrer Mandanten vertreten. Seit gut einem Monat beschäftigt sie sich nun nicht mehr mit Zahlen und Geld, sondern mit Nachbarschaftskonflikten und Mietmängeln. Schmidt ist neue Zivilrichterin am Amtsgericht Miesbach. Ihre erste Verhandlung hat sie bereits hinter sich – Feuertaufe bestanden.

Und Schmidt freut sich auf ihre neue Aufgabe. „Das sind Fälle, unter denen sich jeder etwas vorstellen kann“, sagt sie. Da gehören eben auch die Zankereien über den Gartenzaun dazu. „Aber die sind oft sehr spannend“, sagt die 30-Jährige. Bis auf weiteres will sie deshalb ihrem neuen Ressort treu bleiben, einen späteren Wechsel ins Strafrecht schließt sie aber nicht aus. „Das hat mich schon im Studium interessiert.“

Richterin werden wollte Schmidt eigentlich schon immer. Warum, kann sie gar nicht so genau sagen. „An der Familie oder dem Freundeskreis lag es jedenfalls nicht“, sagt sie und lacht. Ihre Jura-Prüfungen hat die gebürtige Garmisch-Partenkirchnerin an der Uni Augsburg abgelegt, danach ging sie für ihr Referendariat ins Ausland. Zwei Jahre lang arbeitete sie in einer Kanzlei in Atlanta in den USA. Dann führte sie ihr Weg zurück in die Heimat, und sie heuerte als Rechtsanwältin bei einer Münchner Kanzlei an. Hier vertrat Schmidt vor allem große und mittelständische Unternehmen in Streitigkeiten zum Investoren- und Kapitalmarktrecht.

Der Wechsel aufs Land fällt ihr dennoch nicht schwer. Und auch der Landkreis Miesbach ist ihr nicht fremd. „Ich gehe ja gerne Wandern“, sagt die 30-Jährige, die mit ihrem Mann im Südosten von München wohnt. Das Einleben am Amtsgericht erleichtern Schmidt ihre Kollegen, wie sie betont. „Die sind alle sehr nett.“

Ihr Arbeitsalltag unterscheidet sich dabei nicht groß von ihrer Zeit als Rechtsanwältin. Auch als Richterin wälzt die 30-Jährige Akten und bereitet Verhandlungen vor. Lediglich die Inhalte ihrer Fälle sind anders. Näher dran an den Menschen, am echten Leben. Genau das hat sich Schmidt von ihrem neuen Job auch erhofft. Und so fühlt sie sich auf dem noch ungewohnten Platz im Sitzungssaal sicher bald wie zuhause.

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