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Der Marktplatz soll zur Gemeinschaftsstraße werden, auf der Autos, Radler und Fußgänger gleichberechtigt sind. Die Parkplätze in der Mitte sollen bleiben.

Neue Chance für einen alten Entwurf

CSU will Marktplatz Miesbach nach altem Plan umbauen

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Im Vorfeld der Kommunalwahl 2020 hat die Miesbacher CSU ihr Konzept zur Umgestaltung des Marktplatzes vorgestellt.

Im Bräuwirt erläuterte Bürgermeisterkandidat Gerhard Braunmiller die neue Variante, die klar auf Parkplätze setzt. Zum Konzept gehört auch ein Parkdeck neben dem Eisstadion.

Man muss das Rad nicht neu erfinden, sagt ein Sprichwort. Das scheint sich die Miesbacher CSU zu Herzen genommen zu haben. Immer wieder hatte Markus Baumgartner im Stadtrat an das alte Konzept des Städteplaners Fritzpeter Schott aus dem Jahr 1996 erinnert, das nur zur Hälfte vollendet in der Schublade liegt. 1999 wurde die Ostseite des Platzes beim Bräuwirt ebenerdig – also barrierefrei – gemacht. Für die Westseite fehlte dann das Geld – bis heute.

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Geht es nach der CSU, soll das Schott-Konzept nun vollendet werden. Vom Wäschegeschäft Grabmaier im Norden bis zum Himmisepp im südlichen Marktwinkl sollen die Bordsteine verschwinden. Der Kernbereich des Marktplatzes soll jedoch als Parkplatz erhalten bleiben, betonte Braunmiller: „Ohne Parkplätze geht es nicht.“

Neue Chance für einen alten Entwurf: CSU will Markplatz Miesbach nach altem Plan umbauen

Damit steuert das CSU-Konzept genau in die entgegengesetzte Richtung, die Verkehrsplaner Reiner Neumann vom Büro Modus Consult in Ulm und Miesbachs Stadtplaner Otto Kurz im Oktober 2019 im Rahmen der Evaluation zum umgestalteten Marktplatz empfohlen hatten (wir berichteten). Allerdings sehr zur Freude der Gewerbetreibenden in der Innenstadt, wie Florian Brunner, Vorsitzender des Gewerbeverbands Gemeinschaftswerbung Miesbach (GWM) und CSU-Listenkandidat, eingangs feststellte: Bei der GWM-Umfrage hatten drei Viertel der Geschäftsleute den umgestalteten Marktplatz als negativ/eher negativ beurteilt – das Urteil der Kunden sei noch deutlicher ausgefallen. Grund seien die Parkplätze, die vor allem auswärtige Kunden forderten.

Gemeinschaftsstraße soll Verkehr entschleunigen

Braunmiller setzt mit dem neuen Konzept neben Barrierefreiheit auf Verkehrsberuhigung und Flexibilität. So könne die Fläche vor Wäsche Grabmaier im Sommer als Freiraum und im Winter als Straße genutzt werden. Und bei Bedarf könne man den Marktplatz auch autofrei machen. Zudem soll der Bereich als Gemeinschaftsstraße – sogenannter shared space – genutzt werden, auf der Autos, Radler und Fußgänger sich gleichberechtigt bewegen dürfen. Bodenmarkierungen und Schilder sollen vor allem Autofahrer auf diesen besonderen Bereich aufmerksam machen. Allerdings: Zu den Kosten sagte der Kandidat nichts, auf Nachfrage unserer Zeitung nur so viel: 1999 habe man mit 400 000 Mark, also umgerechnet 200 000 Euro, geplant. Auch Stadtrat Alfred Mittermaier nannte die Kosten als Knackpunkt: Für die nächsten sechs Jahre liege das gesamte Investitionsvolumen der Stadt bereits bei 30 Millionen Euro.

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Braunmiller, der den neuen Marktplatz mit einer 360 Grad schwenkbaren 3D-Grafik präsentierte, hatte noch zwei weitere Trümpfe parat. Zum einen will sich die CSU dafür einsetzen, dass der Grüne Markt am Donnerstag wieder in früherer Aufstellung erfolgt – ein entsprechender Antrag soll im Stadtrat am Donnerstag, 23. Januar, behandelt werden. 

Parkdeck könnte bis September 2021 stehen

Außerdem will die CSU, bevor der Marktplatz angepackt wird, ein Parkdeck auf dem Parkplatz des Eisstadions errichten. Kostenpunkt der Stahlkonstruktion in versetzbarer Modulbauweise: 465 000 Euro bei zwei, 885 000 Euro bei drei Ebenen. Die erste Variante würde 25, die zweite 57 zusätzliche Stellplätze bescheren. Parkraum, den anwesende Anwohner und Pendler begrüßten. Die Umsetzung könnte laut Braunmiller zügig erfolgen: Juli 2020 öffentliche Vorstellung und Diskussion, September Beschluss, fertige Planung Januar 2021, Fertigstellung im September.

Beim Publikum kamen die Pläne gut an, wie die Diskussionsrunde zeigte. Auch Ex-SPD-Stadtrat Karl Brutscher lobte: „Es freut mich, dass man unser Schott-Konzept aufgreift. Dieser Marktplatz wäre eine echte Verbesserung.“

ddy


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