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Neue Fachstelle zur Verhinderung von Obdachlosigkeit berät bei Mietschulden

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Von: Bettina Stuhlweißenburg

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Leitet die Wohnungsnotfallhilfe des Diakonischen Werks Rosenheim: Die Sozialpädagogin Lilo Lüling.
Leitet die Wohnungsnotfallhilfe des Diakonischen Werks Rosenheim: Die Sozialpädagogin Lilo Lüling. © TP

Miesbach – Vor wenigen Wochen hat das Diakonische Werk Rosenheim in Miesbach die Fachstelle zur Verhinderung von Obdachlosigkeit eröffnet. Über die Arbeit des neuen Büros sprachen wir mit Lilo Lüling (57). Die Sozialpädagogin leitet den Bereich Wohnungsnotfallhilfe des Diakonischen Werks Rosenheim.

Frau Lüling, ist Obdachlosigkeit in einer so wohlhabenden Region wie dem Kreis Miesbach überhaupt Thema?

Ein brennendes Thema ist wohl auch im Landkreis Miesbach der Mangel an bezahlbarem Wohnraum. Rund um Ballungsräume wie München findet sich überall diese Problematik. Unser Angebot ist deshalb in erster Linie präventiv. Wir versuchen, zu verhindern, dass Menschen ihre Wohnung verlieren.

Wann droht ein solcher Verlust?

Zum Beispiel, wenn es zu Mietschulden gekommen ist. Ein kritisches Ereignis im Leben wie der Verlust des Arbeitsplatzes oder eine Trennung können die Existenzgrundlage betreffen. Wer so etwas erlebt, ist zuweilen hoch belastet. Das kann es schwer machen, den täglichen Anforderungen zu genügen. Manche Menschen wissen auch gar nicht, dass es Sozialleistungen gibt wie Wohngeld. Oder dass man beim Jobcenter einen Antrag auf Mietschuldenübernahme stellen kann.

Wie helfen Sie da?

Zunächst schauen wir, welche Probleme vorliegen, die zum drohenden Wohnungsverlust geführt haben. Die Ursachen sind so individuell wie die Menschen, mit denen wir es zu tun haben. Dann suchen wir Lösungen. Wir beraten über Sozialleistungen und helfen bei der Antragsstellung. Wir begleiten auch bei Räumungsverfahren und sprechen mit Vermietern und Vermieterinnen, Rechtsanwälten und Rechtsanwältinnen. Wir vermitteln bei Bedarf in weiterführende Hilfsangebote, wie Fachberatungsstellen, betreute Wohnformen oder rechtliche Betreuung.

Helfen Sie auch bei der Suche nach einer neuen Wohnung?

Wir geben Tipps zur Wohnungssuche, etwa im Internet oder in sozialen Netzwerken. Wir informieren, welche Unterlagen bei der Wohnungssuche bereitgehalten werden sollten und welche Fragen bei einem ersten Telefonat geklärt werden sollten. Uns sind leider da Grenzen gesetzt, wo bezahlbarer Wohnraum einfach nicht mehr vorhanden ist.

Wie sind die ersten drei Monate gelaufen?

Wir sind dabei, unser Angebot bekannt zu machen und ein Netzwerk aufzubauen. Wir stellen den Kontakt zu den Gemeinden im Landkreis her, kontaktieren die im Landkreis vorhandenen Angebote im sozialen Bereich, wie die Insolvenz- und Schuldnerberatung oder den sozialpsychiatrischen Dienst der Caritas, die Tafel vom Bayerischen Roten Kreuz oder die KASA (Kirchliche allgemeine soziale Arbeit) der Diakonie Oberland. Auch Vermieter können sich an uns wenden, wenn sie Mieter haben, die im Rückstand sind. Gerne geben wir unsere Kontaktdaten weiter, damit sie diese an Betroffene weitergeben können. Manchmal haben die Vermieter ja kein Problem mit ihren Mietern an sich und würden sie gern behalten. Sie wollen aber verständlicherweise die Miete bezahlt bekommen. Es wurden auch bereits Betroffene an uns vermittelt, die nun in der Fachstelle beraten und begleitet werden.

Ihre Beratungsstelle ist ein Modellprojekt. Was bedeutet das?

Wir initiieren im Rahmen des bayernweiten Aktionsplans Obdachlosigkeit des Bayerischen Staatsministeriums für Familie, Arbeit und Soziales nun Wohnungsnotfallhilfen im Landkreis Miesbach, da es hier ein solches Angebot noch nicht gibt. Das Projekt wird mit staatlichen Mitteln und mit Eigenmitteln des Diakonischen Werks Rosenheim finanziert – vorerst für ein Jahr, eventuell auch noch für ein zweites Jahr. Aber die Idee ist, das Angebot langfristig aufrechtzuerhalten. Dafür müssten dann nach Ablauf der Projektförderung die Kommunen und der Landkreis in die Finanzierung einsteigen.

Wie sind Sie personell ausgestattet?

Wir haben eine 40-Stunden-Stelle, die sich zwei Kolleginnen teilen.

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