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Ein Schad-Freund und sein Schatz: Der Vorsitzende der Christian Schad-Freunde Miesbach, Eckhart Schwab, zeigt ein Buch mit Werken des in der Kreisstadt geborenen Meisters.

Auch Miesbach kommt darin vor

Christian Schad-Museum: Aschaffenburg macht's

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Miesbach - Miesbachs berühmtester Sohn bekommt ein eigenes Museum – in Aschaffenburg. Was nach Konkurrenz klingt, soll in eine fruchtbare Zusammenarbeit im Sinne Christian Schads münden.

„Endlich“, seufzt Eckhart Schwab. Endlich bekommt Miesbachs berühmtester Sohn ein würdiges Zuhause. Genauer gesagt seine Werke. 400 Gemälde, Grafiken und auch eine nach ihm benannte Schadografie – nur 27 sind erhalten – werden ab 2017 im weltweit ersten eigenen Christian Schad-Museum zu bewundern sein. Allerdings nicht in dessen Geburtsstadt Miesbach, sondern in seinem späteren Wohnort Aschaffenburg. Schwab, Vorsitzender des vor 18 Jahren Christian gegründeten Schad-Freundeskreises, nimmt’s sportlich. „Das ist der bessere Weg“, sagt er. „Für Miesbach wäre das eine Nummer zu groß gewesen.“

In der Tat lässt sich Aschaffenburg das Museum einiges kosten. 4,6 Millionen Euro wird der Ausbau eines ehemaligen Jesuiten-Kollegs zu Ehren Schads verschlingen. Mehr als die Hälfte davon sind Fördermittel von Bund, Länder und vom Bezirk Unterfranken. 3000 Werke aller Gattungen hatte Schads Witwe Bettina nach dessen Tod 1982 ihrer Stiftung vermacht. Das Ziel: Die Werke des Künstlers, der als Pionier der neuen Sachlichkeit und der abstrakten Moderne zwischen den beiden Weltkriegen weltberühmt geworden ist, nicht nur zu präsentieren, sondern auch wissenschaftlich aufzuarbeiten.

Genau das hat der künftige Museumsleiter Thomas Richter vor. „Wir werden nicht nur Christian Schads umfassendes künstlerisches Schaffen ausstellen, sondern die Besucher auch in die verschiedenen Epochen seines Lebens einführen“, sagt Richter. Dabei werde selbstverständlich auch die Miesbacher Zeit eine Rolle spielen – im Auftaktraum, der sich mit Schads Herkunft auseinandersetzt. Doch nicht nur da, sondern auf allen drei Etagen des Museums wird der Miesbacher Raum immer wieder auftauchen. „Schad hat sich immer wieder der schönen oberbayerischen Landschaft bedient“, erklärt Richter. Zum Beispiel als Hintergrundmotiv für seine Porträts.

Das freut auch Miesbachs Kulturamtsleiter Martin Fischhaber, wenn auch mit einem weinenden Auge. „Als Museumsmensch tut es einem natürlich weh, dass so etwas nicht in Miesbach entsteht“, sagt er. Vor allem, weil die Kreisstadt einst gut im Rennen lag. Schon unter Bürgermeister Hans Schuhbeck in den 1980er-Jahren stand die Stadt in regem Austausch mit den Schads. „Frau Schad hatte auch uns die Werke angeboten“, erzählt Fischhaber. Doch die Museumspläne wurden zu einem Politikum und verliefen schließlich im Sande. „Miesbach hat sich das damals einfach nicht zugetraut“, sagt der Kulturamtsleiter.

Trotzdem hielt man das Erbe Schads stets lebendig. Nicht nur mit der großen Ausstellung 1999 im neuen Waitzinger Keller, sondern auch mit einer weiteren Schau zu Miesbachs 900-Jahr-Feier. Zudem hat die Stadt in den vergangenen 30 Jahren in Zusammenarbeit mit der Edition Richter mehr als 130 grafische Werke Schads zusammengetragen. Nicht nur Fischhaber wünscht sich, dass diese auch in der Kreisstadt dauerhaft zu sehen sind. „Wir kämpfen weiter“, sagt er.

Das macht auch der Miesbacher Museumsverein, für dessen Pläne der Stadtrat unlängst ein Fachgutachten in Auftrag gegeben hat (wir berichteten). Sollte es tatsächlich zu einem Museum im alten Kloster kommen, werde man dort in jedem Fall einen eigenen Schad-Bereich einrichten, versichert Vorstandsmitglied Schwab. Auch regelmäßige Leihgaben aus Aschaffenburg rechnet sich Schwab dann aus. „Wir stehen bereits jetzt in engem Austausch“, sagt er. Richter bestätigt: „Wir sehen uns nicht als Konkurrenten, sondern als Partner Miesbachs.“

Ganz im Sinne von Schads Witwe, die die etwaige Zusammenarbeit einst sogar schriftlich im Stiftungsvertrag mit Aschaffenburg festhalten ließ. Und da heißt es: „Sollte am Geburtsort Christian Schads in der Gemeinde Miesbach je eine Christian-Schad-Stiftung oder sich ein Förderverein etablieren mit dem Ziel, dort dauerhaft das Oeuvre von Christian Schad darzustellen, so ist es der Wunsch der Stifterin, dass es zu einer engen Kooperation mit der Miesbacher Institution kommt.“ Auch die Christian Schad-Freunde haben sich abgesichert und ihren Vereinsnamen schützen lassen.

Die Voraussetzungen sind also geschaffen, dass es auch in Miesbach mit einem Museum für den berühmtesten Sohn der Kreisstadt klappt. Fischhaber bringt den Arbeitsauftrag auf den Punkt: „Gemeinsam für Schad.“

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