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Neue Kooperation

Gewalt gegen Frauen: Polizei meldet Täter an Männerberatung

Landkreis - Kriminalstatistiken der Polizei zeigen, dass von häuslicher Gewalt überwiegend Frauen betroffen sind. Eine von drei Frauen hat seit ihrem 15. Lebensjahr Gewalt erfahren. Die Polizei im Landkreis hat deshalb beschlossen, verstärkt bei den Tätern anzusetzen.

Einen speziellen Anlass – beispielsweise eine Häufung von Fällen dieser Art – hat es zuletzt nicht gegeben. Aber: „Die andere Seite fehlte bisher immer“, sagt Katharina Spöttl, die Beauftragte für Frauen und Kinder beim Polizeipräsidium Oberbayern Süd. Bisher wurde hauptsächlich opferzentriert gearbeitet. Nun ging die Polizei des Landkreises, zu der die Inspektionen Miesbach, Bad Wiessee und Holzkirchen gehören, eine Kooperation mit der Männerberatungsstelle des Diakonischen Werks in Rosenheim ein.

Das Diakonische Werk ist seit 2002 Träger der Beratung, Christof Furtwängler leitet die Einrichtung. „Die Leute kommen in 90 Prozent der Fälle durch Fremdzuweisung zu uns“, erklärt er. Beispielsweise eben über die Polizei. Die übermittelt Daten des Täters an die Beratungsstelle, die wiederum mit ihnen Kontakt aufnimmt. „Die Täter müssen mittels eines Formblatts zustimmen“, berichtet Spöttl. Gibt der Betroffene sein Einverständnis, kümmert sich Furtwängler darum, wie zusammengearbeitet wird.

In der Beratungsstelle in Rosenheim werden Einzel- und Gruppenberatungen angeboten. „Die Täter sollen ihr Verhalten überdenken können“, sagt Spöttl. Schließlich sei die Polizei nicht dazu da, hochpsychologische Gespräche zu führen. Ein Diplompädagoge, ein Diplomsozialarbeiter und eine Ehe-Familien-Lebensberaterin arbeiten mit den vermittelten Männern. „Das ist ein glücklicher Umstand, solche Stellen gibt es nur ganz wenige in Deutschland“, sagt Spöttl vom Polizeipräsidium.

Und wie steht es um die Erfolgschancen? Eine schwierige Frage, findet Furtwängler. „Es kommt immer drauf an, ob jemand motiviert ist, sich zu ändern.“ 

Nina Probst

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