Viele freudige Übergaben von Förderbescheiden wie diese hier im Lehr- und Erlebnisgarten in Kreuth durften die Leader-Beteiligten in den vergangenen sechs Jahren durchführen.
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Viele freudige Übergaben von Förderbescheiden wie diese hier im Lehr- und Erlebnisgarten in Kreuth durften die Leader-Beteiligten in den vergangenen sechs Jahren durchführen. Das (Archiv-)Foto zeigt (v.l.) Rolf Reese (Tegernseer Bürgerstiftung), Michael Pelzer, Josef Paul (Raiffeisenbank Gmund), Josef Bierschneider, Simon Kortus (Leader-Manager) und den damaligen Leader-Koordinator Sebastian Wittmoser.

Projekt zur neuen Förderperiode von Leader

Neue Modellregion: Landkreis Miesbach soll „krisenfest“ werden

  • Sebastian Grauvogl
    vonSebastian Grauvogl
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Wie kann ein Landkreis krisenfest werden? Das soll das neue Projekt „Resilienz und Landesentwicklung“ untersuchen. Der Landkreis Miesbach wurde dafür als Modellregion ausgewählt.

Landkreis – Reif für die Couch ist der Landkreis Miesbach noch lange nicht. Dennoch hinterlassen Krisen wie Corona, der Klimawandel oder das Artensterben auch hier ihre Spuren. Wie sich eine ländliche Region darauf vorbereiten kann, untersucht das Projekt „Resilienz und Landesentwicklung“ des bayerischen Staatsministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten. Der Landkreis Miesbach wurde dafür als Modellregion ausgewählt.

Resilienz bezeichnet in der Psychologie die Fähigkeit eines Menschen, sich von persönlichen Krisen und Schicksalsschlägen zu erholen. Wie das mit den Förderinstrumenten der Landesentwicklung in Bayern gelingen kann, soll in den Modellregionen mit Begleitung durch die Arbeitsgemeinschaft der Forschungsgruppe Agrar- und Regionalentwicklung Triesdorf, der Klimakom eG sowie dem Büro Regionalentwicklung Appel-Kummer erprobt werden. Im Landkreis Miesbach soll dies im Zusammenspiel mit der neuen Förderperiode des Leader-Programms der EU von 2023 bis 2027 geschehen. Wie, das haben nun die Beteiligten einer digitalen Ideenwerkstatt der Lokalen Aktionsgruppe (LAG) Kreisentwicklung Miesbach Land besprochen.

Zwischenbilanz

Zunächst jedoch zog LAG-Vorsitzender Michael Pelzer einer Bilanz über die bisherigen Leader-Ergebnisse im Landkreis Miesbach. Seit dem Einstieg in das Programm im Jahr 2014 habe man 1,7 Millionen Euro Fördermittel akquiriert, die in 30 Projekte mit einem Gesamtvolumen von 7,5 Millionen Euro geflossen seien. Themen wie die Weiterentwicklung des sanften Tourismus, die Stärkung gesellschaftlicher, sozialer und kultureller Einrichtungen sowie der Erhalt der regionstypischen Landschaft und Ortsbilder wurden dabei aufgegriffen.

Schaut man in die Statistik, so gibt es durchaus Unterschiede zwischen den Kommunen. Haben Fischbachau und Valley rund 60 Euro Leader-Mittel pro Einwohner beantragt und erhalten, rangieren Bayrischzell, Bad Wiessee, Otterfing und Holzkirchen unter zehn Euro. 36 Prozent der Zuschüsse gingen an (Kommunal)Unternehmen, 30 Prozent an Gemeinden, 25 Prozent an den Landkreis, der Rest an Vereine und sonstige Träger.

„Leader hat es bei uns geschafft, dass die Werte dieses europäischen Programms lebendig geworden sind: Aufbruchstimmung für eine nachhaltige Kreisentwicklung und Mitmachkultur unter vielen“, sagte Pelzer. Die entstandene „Lust aufs Mitmachen“ sei genau der Schwung, den es im Landkreis Miesbach brauche.

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Landrat Olaf von Löwis nutzte die Gelegenheit, um sich für das Engagement der Leader-Akteure und Projektbeteiligten sowie deren Visionen und Ideen zu bedanken. „Der Landkreis braucht Menschen wie Sie.“

Dass es noch ausreichend Potenziale für die neue Förderperiode gibt, zeigt eine Umfrage zu Leader. So sind 40 Prozent der Gemeinderäte der Meinung, das Programm habe in den vergangenen sechs Jahren keinen Mehrwert für ihre Gemeinde gebracht. Andererseits würden aber 78 Prozent der Projektträger erneut eine Leader-Förderung in Anspruch nehmen. Nachholbedarf in Sachen Zielerreichung sehen sie vor allem in den Bereichen Energiewende und Mobilität sowie Natur-, Orts- und Landschaftsbild. Gelegenheit zum Nachlegen dazu haben sie nun auch im Rahmen der neuen Modellregion.

Ausblick

„Lustvolles Partizipieren“ nannte Roland Gruber vom österreichischen Architekturbüro Nonconform in seinem Impulsvortrag eine mögliche Strategie, um als Region krisenfester zu werden. Ansatzpunkte sahen die Teilnehmer der Ideenwerkstatt hierbei vor allem bei Freizeit und Tourismus, die sie aktuell als „überhaupt nicht resilienzorientiert“ bewerteten. Auf die Aufgabenliste setzten sie sich ferner die Themen Integration und Inklusion, Mobilität, Digitalisierung und etliche weitere. Als größte Herausforderung sahen die Akteure vor allem die durch die Corona-Pandemie verstärkte „neue Lust auf Natur“ mit dem damit einhergehenden „Overtourism“.

Die LAG wird ihre Lokale Entwicklungsstrategie (LES) nun vor dem Hintergrund dieser Punkte überarbeiten und noch vor dem Somer in die Beteiligung der Öffentlichkeit einsteigen. Mut dafür machte Professor Manfred Geißendörfer von der Hochschule Weihenstephan Triesdorf: „Leader eignet sich durch seinen bürgerorientierten und vernetzenden Ansatz hervorragend für die Entwicklung neuer Ideen zur Bewältigung kommender Herausforderungen.“

sg

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