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Die Auswirkungen der Digitalisierung auf die Region wollen (v.l.) Professor Wolf Groß, SMG-Geschäftsführer Alexander Schmid, Regionalmanagerin Ingrid Wildemann-Dominguez, Berater Ralph Suda, Regionalmanager Florian Brunner und IT-Entwickler Bernhard Findeiss bei ihren „BarCamps“ diskutieren.

Neue Veranstaltungsreihe

BarCamps: SMG wagt Blick in die Zukunft des Landkreises

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Über die Zukunft redet man am besten nicht im angestaubten Ambiente einer Tagung. Deshalb lädt die Standortmarketing-Gesellschaft (SMG) nun erstmals zu einem BarCamp ein. Aber was ist das eigentlich?

Landkreis – Einer redet, die anderen hören zu. Und Fragen bitte nur am Schluss – wenn noch Zeit ist bis zum nächsten Tagesordnungspunkt. So laufen auch heute noch die meisten Konferenzen ab. Ein Todesstoß für kreative Gedanken oder spontane Einfälle. Vor allem, wenn man über Zukunftsthemen sprechen will. „Da gilt es, den schwergewichtigen Ablauf einer Tagung aufzubrechen“, sagt Bernhard Findeiss. Statt auf langatmige Vorträge setzt der IT-Berater und Software-Entwickler aus Schliersee auf die sogenannten „BarCamps“. Das sind Treffen, bei denen Themen auf einer Art „Marktplatz“ gesammelt und dann in kleinen Gruppen besprochen werden – offen und auf Augenhöhe. Ein Format, das Findeiss in Kooperation mit der Standortmarketing-Gesellschaft (SMG) nun im Landkreis Miesbach etablieren will.


Immer im Frühjahr und Herbst soll ein BarCamp stattfinden. Immer zu einem anderen Schwerpunkt, immer an einem anderen Ort – und immer mit neuen Teilnehmern. Übergeordnetes Thema ist die „Digitale Transformation im Oberland“. Vereinfacht ausgedrückt also die Frage, wie Computertechnik das tägliche Leben im Landkreis verändern wird – und welche Chancen dieser Wandel bietet. Den Auftakt macht das BarCamp „Die Mobilität von morgen“ am Freitag, 12. Mai, im Trainings- und Coachingzentrum RSC Factory von Ralph Suda in Holzkirchen.

Weil die Veranstaltung als eines von insgesamt 70 Events im Programm der siebten Münchner Webwoche auftaucht, rechnen die Organisatoren auch mit Teilnehmern aus dem Umfeld der Metropolregion um die Landeshauptstadt. „Der Landkreis ist damit ein echter Vorreiter“, sagt Professor Wolf Groß, der die Webwoche vor sieben Jahren als „dezentralen Dialogkongress“ für die IT-Branche gestartet hat. Seitdem sei in dieser „brodelnden Atmosphäre“ viel Neues entstanden. „Ohne jedem Heilsversprechen aus dem Silicon Valley hinterherzulaufen“, betont Groß.

Das wollen auch die Organisatoren des BarCamp Oberland vermeiden. Gastgeber Suda hat mit dem Begriff „Digitale Transformation“ ohnehin seine liebe Not. „Das suggeriert, dass dieser Prozess ein Ende hat, was aber nicht so ist“, sagt der Berater und Mentor von Firmengründern. Vielmehr gehe es darum, sich die in Deutschland verbreitete „Bewahrer-Mentalität“ – also das Festhalten am Status Quo – abzutrainieren. Ein BarCamp sei dazu das ideale Format, meint SMG-Regionalmanagerin Ingrid Wildemann-Dominguez. „Damit können wir zeigen, dass die Digitalisierung kein Schreckgespenst ist.“ Vor allem nicht in einer Region, in der Flächen für große Gewerbebetriebe ohnehin Mangelware sind, wie SMG-Geschäftsführer Alexander Schmid betont.

Dass die digitale Revolution längst in der Region angekommen ist, hat SMG-Regionalmanager Florian Brunner in der „Zukunftswerkstatt Mobilität“ festgestellt. Waren E-Bikes vor zehn Jahren noch ein Randgruppen-Phänomen, rollen sie heute in Scharen über die Radwege. Um den Zug in die Zukunft nicht zu verpassen, müsse man auch heute schon über Visionen wie autonomes Autofahren sprechen, meint Brunner. Das BarCamp sei der richtige Ort, diese Themen über die Fach- und Landkreisgrenzen hinaus zu diskutieren. „Bisher schmoren wir noch oft im eigenen Saft“, sagt Brunner.

Die BarCamps hingegen sollen ein bunt gemixter Cocktail aus Menschen und Meinungen werden. Laut Findeiss gilt dabei das „Gesetz der zwei Füße“. Wer von einem Thema genug gehört hat, kann jederzeit aufstehen und sich einer anderen Diskussionsgruppe anschließen. Neben dem Verkehr sollen bei den folgenden Treffen auch die Zukunft des Tourismus und der Landwirtschaft besprochen werden. Was am Ende dabei herauskommt, ist bewusst offen gehalten. Eines steht für Schmid aber fest: „Wir wollen etwas vom Zukunftskuchen abbekommen.“

Das BarCamp Oberland

zum Thema „Die Mobilität von morgen“ findet am Freitag, 12. Mai, von 9 bis 18 Uhr bei RSC Factory, Marktplatz 20, in Holzkirchen statt. Eine Anmeldung ist möglich auf https://oberland-it-camp.de/anmeldung/, die Teilnahme kostenlos.

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