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Mediziner im Gespräch: (v.l.) Anke Mayer, Conny Pfeiffer, Mirko Barone, Thomas Straßmüller, Katrin Jahn, Judith Leutheuser und Sandra Kürbis tauschten sich im Rottacher Seeforum über den neuen Bereitschaftsdienst aus. 

Interview mit Dr. Thomas Straßmüller

Arzt zu neuem Bereitschaftsdienst: „Man verbringt viel Zeit auf der Straße“

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Nur noch ein Arzt für zwei Landkreise: Das neue Bereitschaftsdienstmodell hat vieles verändert. Jetzt haben die Mediziner im Kreis Miesbach eine Zwischenbilanz gezogen.

Landkreis – Glaubt man der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns (KVB), hat das neue Bereitschaftsdienstmodell seinen Härtetest bestanden. Selbst im Schneechaos im Januar hätten die Fahrer die diensthabenden Mediziner sicher zu den Hausbesuchen bei ihren Patienten gebracht. Auch die neu eingerichteten Bereitschaftspraxen würden stark frequentiert. Unter den Ärzten im Landkreis fällt die Zwischenbilanz nicht ganz so euphorisch aus. Bei der ersten vom Ärztlichen Kreisverband (ÄKV) organisierten Fortbildung im Seeforum Rottach-Egern haben sich nun etliche Hausärzte am Runden Tisch zu diesem Thema ausgetauscht. Wie das Ergebnis ausfällt und welche Verbesserungen sich die Mediziner wünschen, erklärt ÄKV-Vorsitzender Dr. Thomas Straßmüller im Interview.

Herr Dr. Straßmüller, per Chauffeur zum Patienten: Klingt nach einem ziemlich entspannten Bereitschaftsdienst...

Dr. Thomas Straßmüller: Das ist in der Tat schon eine Entlastung. Und für die wachsende Anzahl von Frauen in der Ärzteschaft bedeutet es Sicherheit, nachts nicht alleine auf Hausbesuch gehen zu müssen. Positiv ist auch, dass die Fahrer selbst Erfahrung im Gesundheitswesen mitbringen, zum Beispiel aus dem Rettungsdienst. Die können einem zur Not auch mal eine Infusion herrichten oder mit dem Krankenhaus telefonieren. Das ist aber nur die eine Seite der Medaille.

Und die andere?

Dr. Thomas Straßmüller: Das sind die deutlich längeren Strecken, die wir im Bereitschaftsdienst zurücklegen. Durch die Zusammenlegung von Miesbach mit Bad Tölz-Wolfratshausen ist man schon ganz schön unterwegs. Ich selbst bin mal in einer Nacht von Tegernsee bis nach Penzberg und in die Jachenau gekommen. Man verbringt also schon viel Zeit auf der Straße und der Patient muss unter Umständen lange warten. Andererseits ist in den Bereitschaftspraxen unter der Woche vergleichsweise wenig los.

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Warum?

Dr. Thomas Straßmüller: Das wissen wir selbst noch nicht so genau. Vielleicht liegt es an der versteckten Lage der Praxis im Erdgeschoss des Krankenhauses Agatharied. Viele Patienten wissen noch nicht, dass die Praxis in Agatharied jetzt auch unter der Woche allabendlich geöffnet ist oder gehen aus Gewohnheit erst in die Notaufnahme, wo sie die Kollegen aber nicht einfach wieder weiterschicken dürfen. Damit herrscht dort verhältnismäßig viel Andrang, während es in der Bereitschaftspraxis eher ruhig ist. Vor allem unter der Woche abends.

Ist das nicht im Sinne der Ärzte?

Dr. Thomas Straßmüller: Na ja, wenn wir schon da sind, wollen wir auch Leuten helfen und nicht nur rumsitzen. Im Fahrdienst wäre es hingegen manchmal besser, wenn wir etwas Verstärkung hätten. Gerade mitten in der Nacht ist aktuell nur ein Arztauto eingeplant. Das ist bei den großen Distanzen manchmal schon ziemlich stressig.

Andererseits ist aber auch der Pool an für den Dienst zur Verfügung stehenden Ärzten größer geworden, oder?

Dr. Thomas Straßmüller: Ja. Für den einzelnen Arzt ist die Belastung tatsächlich weniger geworden. Das ist also schon eine spürbare Entlastung. Dennoch muss es unser Ziel sein, die bestmögliche Versorgung für die Patienten sicherstellen. Dazu wollen wir das Gespräch mit der KVB suchen und unsere Verbesserungsvorschläge adressieren.

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Was würden Sie sich denn wünschen?

Dr. Thomas Straßmüller: Neben zusätzlichen Kapazitäten in den Nachtstunden vor allem eine bessere Kommunikation an die Patienten und eine engere Zusammenarbeit mit der Notaufnahme im Krankenhaus. Ich denke, dass wir da gemeinsam noch mehr erreichen können. Grundsätzlich sind die ersten Monate aber auch aus unserer Sicht besser gelaufen als befürchtet. Die Organisation des Dienstes zwischen den Ärzten läuft reibungslos. Die meisten Kollegen in unserem Landkreis fanden das bisherige Modell mit sehr kleinen Dienstbereichen nicht schlecht. Aber bayernweit fordert der Ärztemangel auf dem Land andere Lösungen.

sg

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