Will seine Schüler auf das Fahren in einem E-Auto vorbereiten: Sebastian Trescher (l.) von der Miesbacher Fahrschule Brummi-Fit, hat bereits ein Elektroauto im Fuhrpark. Hier ist er mit Fahrschüler Tobias Garcewski (r.) zu sehen.
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Will seine Schüler auf das Fahren in einem E-Auto vorbereiten: Sebastian Trescher (l.) von der Miesbacher Fahrschule Brummi-Fit, hat bereits ein Elektroauto im Fuhrpark. Hier ist er mit Fahrschüler Tobias Garcewski (r.) zu sehen.

Elektromobilität

Neuer Führerschein: Fahrschulen setzen auf Elektromobilität

Ab April führt ein neuer Weg zum Führerschein. Im Zentrum steht das Fahren mit Automatikgetriebe – vor dem Hintergrund des Trends zur E-Mobilität. Erste Fahrschulen im Landkreis lehren bereits mit Elektrofahrzeugen.

Landkreis – Die neue Schlüsselzahl im Führerschein heißt B197. Sie bietet die Möglichkeit, auch Schaltwagen zu fahren – obwohl die Fahrprüfung in einem Automatik-Auto abgelegt wurde. Bislang mussten Schüler das Fahren in einem Schaltwagen lernen, um auch einen Schaltwagen fahren zu dürfen Wer die neue Kombi-Ausbildung wählt, muss nur noch zehn Fahrstunden in einem Schaltauto absolvieren. Danach nimmt der Fahrlehrer eine sogenannte Schaltkompetenzdiagnose ab – eine viertelstündige Fahrt, in der er prüft, ob der Schüler mit einem Schaltgetriebe umgehen kann. Der Rest der Ausbildung und die Führerscheinprüfung erfolgen in einem Fahrzeug mit Automatikgetriebe.

Hintergrund ist der Trend zur E-Mobilität: Elektrofahrzeuge haben keine Gangschaltung. Der neue Ausbildungsweg soll die konventionelle Ausbildung nicht ersetzen, sondern ergänzen – zumindest vorerst.

Eine Fahrschule hat bereits ein E-Auto im Fahrzeugpool

Der Geschäftsführer der Fahrschule Brummi-Fit in Miesbach, Sebastian Trescher, lehrt bereits mit einem E-Fahrzeug. Das sei – genau wie der neue Führerschein – zeitgemäß. „Damit wird die E-Mobilität vorangebracht. Der Schüler weiß dann: Das ist der Stand der Technik, so lädt man die Autos, darauf muss geachtet werden.“

Die eingeschränkte Reichweite von Elektroautos ist für Trescher kein Problem: „Wenn ich hohe Geschwindigkeiten meide und die Außentemperatur über zehn Grad ist, kann ich 400 bis 420 Kilometer fahren. Einen normalen Tag kann ich damit also schon bestreiten.“

Trescher findet nicht, dass nun jede Fahrschule in der Pflicht steht, auf E-Autos umzusteigen. „Wenn eine Fahrschule die Möglichkeit hat, sich ein E-Fahrzeug anzuschaffen, dann ist das toll. Aber sicher kein Muss.“

Für die Fahrschüler sei der neue Führerschein jedenfalls von Vorteil: „Wenn sich ein Schüler motorisch schwer tut, dann ist das eine tolle Sache.“ Der Schüler könne sich so anfangs ausschließlich auf das Fahren konzentrieren und dann, wenn eine gewisse Sicherheit erreicht sei, das Schalten lernen. „So kann man gerade unsicheren Schülern anfangs viel Stress und Angst nehmen.“

Grundgedanke ist die Förderung alternativer Antriebe

Auch der Inhaber der Fahrschule Fahrwerk in Holzkirchen, Ludwig Christof, glaubt, dass die Neuerung den Schülern das Fahrenlernen erleichtert: „Wir haben natürlich noch keine Erfahrungswerte, aber wir erhoffen uns sehr viel von dem neuen Schein.“ Andreas Thaler leitet eine Fahrschule in Miesbach. Er sagt: „Der Grundgedanke der Neuerung ist, alternative Antriebe zu fördern. Elektrofahrzeuge funktionieren technisch anders als Verbrenner und brauchen deshalb auch kein Schaltgetriebe.“ Trotzdem will sich Thaler vorerst kein E-Auto zulegen. „Ich bin aus verschiedenen Gründen noch nicht überzeugt von den Autos.“ Ein Grund für seine Skepsis sei die Akkulaufzeit der Autos. „Damit komme ich nicht über den Tag. Und solange ich nicht mal schnell nachladen kann, wüsste ich nicht, wie ich mit dem derzeitigen technischen Stand vernünftigen Unterricht machen soll.“ Sobald sich das ändert, würde er aber auch gerne ein Elektrofahrzeug in den Fahrschul-Pool aufnehmen.

Der Inhaber der Fahrschule Benkwitz in Rottach-Egern, Christian Stadler, gibt zu Bedenken, dass der Erwerb des Führerscheins für die Schüler zwar leichter, aber nicht billiger wird. „In der Stadt ist das sicher anders, aber bei uns auf dem Land brauchen die Schüler nicht so lang, um das Schalten zu lernen.“ Er habe das durchgerechnet und komme auf die gleiche Stundenanzahl, wie bei dem gewöhnlichen Ausbildungsweg der Klasse B. „Klar, die Prüfung ist leichter, aber billiger sicher nicht.“

Der neue Führerschein ist leichter, aber nicht unbedingt billiger

Deshalb biete er den Führerschein in seiner Fahrschule nicht direkt an. „Wenn die Schüler aber von sich aus sagen, sie wollen den neuen Ausbildungsweg nehmen, dann ist das natürlich kein Problem. Aber gerade, wenn jemand nach dem Führerschein auch noch einen LKW- oder Busschein machen will, dann ist der B197 nicht sinnvoll.“

Von Moritz Hackl

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