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Bei der Verleihung des Kulturpreises stand Elisabeth Neuhäusler ohne Rolle und Theaterschminke auf der Bühne.

Miesbacher Kulturpreis

Eine Premiere wie keine andere

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Eigentlich ist sie ja Premieren gewöhnt. Trotzdem hat Elisabeth Neuhäusler, die Sängerin, Schauspielerin und Hauptdarstellerin des Freien Landestheaters Bayern (FLTB), Nervenflattern, als sie beim Neujahrsempfang von der ersten Reihe im Publikum die Bühne im Waitzinger Keller betritt.

Bei dieser Premiere kämpft die 50-Jährige mit den eigenen Tränen. Es ist das erste Mal, dass sie einen Kulturpreis bekommt. Die erste Dankesrede. Das erste Mal, dass sie ihre eigenen Worte vorträgt und nicht den Text eines anderen. Das erste Mal, dass sie nicht monatelang auf der Bühne üben kann.

„Die Spannung ist so groß“, sagt sie, „dass ich heute meinen Text auf offener Bühne bei mir trage, um mich daran festzuhalten.“ Klar, auch zum ersten Mal.

Dass sie jemals einen Kulturpreis erhalten würde, erzählt sie auf der Bühne, habe sie nicht gedacht. Schon gar nicht vor 29 Jahren, als sie sich in Miesbach bei der Oberlandbühne, dem Vorgänger des FLTB, vorgestellt hatte. Dabei sprach sie damals bereits als Musterschülerin vor.

In ihrer Geburtsstadt Passau absolvierte sie mit 17 eine Ausbildung zur Musiklehrerin, wechselte 1984 ans Richard-Strauß-Konservatorium in München, um klassischen Gesang zu studieren. Im zweiten Studienjahr wurde sie feste Aushilfe beim Konzertchor des Bayerischen Rundfunks, wirkte an Produktionen mit Leonard Bernstein, Simon Rattle und Sir Colin Davies mit.

Schon vor dem Abschluss ihrer Ausbildung zur klassischen Opern- und Konzertsängerin stellte sie sich bei der Oberlandbühne in Miesbach vor, wo sie als dritte Dame in Mozarts „Zauberflöte“ debütierte. Das Bewerbungsgespräch führte sie mit Rudolf Maier-Kleeblatt, der heute FLTB-Intendant und ihr Ehemann ist.

Als Künstlerin blieb sie über all diese Jahre stets präsent und eine Klasse für sich. So übernahm sie 2003 die Titelpartie in der Welturaufführung des Musicals „Lola Montez“ im Deutschen Theater in München und durfte das Stück zusammen mit dem FLTB auch im renommierten Salzburger Festspielhaus spielen.

Doch auch hinter den Kulissen ist Neuhäusler als Mädchen für alles aktiv – auch vor und während der Aufführung, vom zerknitterten Hemd und abgerissenen Hosenknopf bis zur kaputten Requisite. Und auch Regie führte sie schon. Das Theater, sagt die Künstlerin selbst, ist ihr Leben.

Der Applaus des Publikums entschädigt für die Mühe. „Zum Auftanken hat es mich seit jeher auf die Bühne gezogen“, sagt sie, „obwohl da von Erholung keine Spur war. Trotz allem kam ich nach Vorstellungen um Mitternacht wesentlich erholter nach Hause, als ich es verlassen hatte.“

Ein Ende dieses Theaterlebens ist nicht in Sicht. Am 12. März feiert die neue Produktion „Der Freischütz“ Premiere in Miesbach – sie ist bereits ausverkauft. Doch vorher ist Neuhäusler noch mal als Hauptdarstellerin im Musical „Hello Dolly“ zu sehen, das am Sonntag, 17. Januar, 16 Uhr, zum letzten Mal im Waitzinger Keller gespielt wird.

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