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Abgestufte Planung: Der Ortsteil Müller am Baum soll neu strukturiert werden. Die Rahmenplanung sieht im Süden an der B 472 (l.) vornehmlich Gewerbe mit höheren Gebäuden vor. Schrittweise soll die Höhe in Richtung Norden, wo gewohnt wird, abnehmen. Die Mangfall am Westrand und der östlich von ihr verlaufende Kanal sollen als Grün- und Erholungsfläche neu entdeckt werden.

Neustart für Müller am Baum

Miesbach bekommt ein neues Wohnviertel

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Seit Jahren liegt der Ortsteil Müller am Baum im Westen Miesbachs im Dämmerschlaf. Nun soll das Gebiet komplett neu überplant und bebaut werden. Ein gigantisches Projekt, dem der Stadtrat nun seine Rückendeckung versichert hat.

Architektin Elisabeth Stürzer aus Gilching machte im Miesbacher Stadtrat aus ihrer Aufregung kein Geheimnis. Kein Wunder, denn die Planerin stellte ein Großprojekt vor: die Zukunftsvision für Müller am Baum. Jenes Viertel, das seit vielen Jahren als zum Großteil stillgelegtes Gewerbegebiet am Ufer der Mangfall vor sich hindämmert. Das Areal, das großes Potenzial für die Kreisstadt birgt, aber auch jede Menge Hürden und Widrigkeiten. Nicht zuletzt, weil die Grundeigentümer bislang sich auf keinen gemeinsamen Weg in die Zukunft einigen konnten.

Neustart für Müller am Baum: Miesbach bekommt ein neues Wohnviertel

Doch das ist jetzt vorbei. Die Eigentümer haben über das Projektentwicklungsunternehmen Vilgertshofer aus Alling (Kreis Fürstenfeldbruck) und Architektin Stürzer eine grobe Rahmenplanung in Auftrag gegeben, die den Ortsteil komplett neu aufstellt. Gewerbe soll es weiterhin geben, aber hauptsächlich wird in Müller am Baum künftig gewohnt.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar des Autors: Ein großer Schritt für Miesbach - mit vielen Hürden

Das neue Konzept sieht ein Mischgebiet mit Gewerbe, Wohnen, Erschließungswege, Kindergarten, Gastronomie, Grünflächen und Einzelhandel vor. Dabei gibt es zwei der Lage geschuldete Schwierigkeiten: Zum einen liegt Müller am Baum in der Zone III am südlichen Ende der Wasserschutzzone Thalham-Reisach-Gotzing, was Gewerbeansiedlung massiv erschwert, wenn nicht gar verhindert. Zum anderen beschert die südlich verlaufende Bundesstraße 472 Lärm, der den Wohnwert drückt.

Von Gewerbe bis Wohnen - klar gestaffelt

Die Planerin hat deshalb das „verträgliche Gewerbe“ im Süden vorgesehen. Es soll mit seinen höheren Gebäuden das nördlich liegende Gelände vom Verkehrslärm weitgehend abschirmen; bereits bestehende Bauvorhaben bleiben berücksichtigt. So gestaffelt wird das Quartier nach Norden immer wohnlicher – vom Gewerbe über Wohnungen hin zu Ein- und Zwei-Familien-Häusern. Dazwischen sind ein Kindergarten, Spielplatz, Tagespflege, ein Platz als Treffpunkt, Sozialwohnungen und Supermarkt vorgesehen. „Die Anwohner sollen auch ohne Auto einkaufen können“, erklärte die Architektin.

Die Straßen sollen so angeordnet sein, dass es mehrere Wendepunkte gibt, man also nicht bis ans Ende der Siedlung fahren muss, um umzudrehen. Geh- und Radwege werden durch Grünstreifen und Straße von den Parkplätzen getrennt – das erhöht laut Stürzer die Sicherheit. Die im Westen liegende Mangfall soll als Grün- und Erholungsbereich neu definiert werden, was auch für den östlich von ihr verlaufenden Kanal gilt. Hier sei beispielsweise ein Grillplatz denkbar. Bäume sollen darüber hinaus für ein intaktes Mikroklima sorgen. Wie groß die Wohnhäuser konkret ausfallen sollen, ist noch offen. Insgesamt sollen an die 200 Wohneinheiten entstehen, was 400 neue Bürger bedeute, wie Florian Ruml (FWG) vorsichtig schätzte.

Große Herausforderung für die Stadt Miesbach

Und das ist eine große Herausforderung für die Stadt. Denn sie muss nicht nur das Vorhaben – das wohl größte in der jüngeren Stadtgeschichte – planerisch mit einem großen Bebauungsplan begleiten, sondern auch – zusammen mit dem Landkreis – für die entsprechende Infrastruktur wie Schulkapazitäten und Anbindung an Stadt und Bahnhof sorgen.

Dennoch fiel das Fazit größtenteils positiv aus. „Es ist gut, dass der Stein ins Rollen kommt“, fand Bürgermeisterin Ingrid Pongratz (CSU). Dritter Bürgermeister Michael Lechner (FWG) begrüßte den Wohnungsbau („Die werden dringend gebraucht“), und Zweiter Bürgermeister Paul Fertl (SPD) bewertete das Vorhaben als „positiven Schritt für Miesbach“, wobei der Anteil des sozialen Wohnens mit zwei Häusern angesichts „der Wertsteigerung um das Fünffache ein bisserl wenig“ sei.

Während Astrid Güldner (Grüne) für die rund vier Kilometer lange Strecke nach Miesbach mehr öffentlichen Personennahverkehr forderte, lehnte ihr Fraktionskollege Manfred Burger das Projekt aus diesem Grund ab: „Es ist weit weg. Das muss man sich sehr genau überlegen.“ Auch ökologisch betrachtet seien so viele Anwohner in diesem Tal problematisch. „Ich glaube nicht, dass da jemand einzieht ohne Auto.“ Verena Assum (CSU) erinnert dabei daran, schon jetzt an sichere Haltestellen für den Schulbus zu denken.

Gegen Burgers Stimme erteilte der Stadtrat der weiteren Planung im Grundsatz grünes Licht. Nun geht die Überplanung der – ohne Wasser – zehn Hektar großen Fläche weiter. Von den heute 20 000 Quadratmeter sollen dann nur noch 17 000 versiegelt sein.

ddy

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