Endlich wieder in Präsenz: 40 Ortsbäuerinnen kamen zur Arbeitstagung, zu der Kreisbäuerin Marlene Hupfauer (l.) und ihre Stellvertreterin Andrea Rieder (2.v.l.) ins Krauthofcafé bei Miesbach eingeladen hatten.
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Endlich wieder in Präsenz: 40 Ortsbäuerinnen kamen zur Arbeitstagung, zu der Kreisbäuerin Marlene Hupfauer (l.) und ihre Stellvertreterin Andrea Rieder (2.v.l.) ins Krauthofcafé bei Miesbach eingeladen hatten.

Marlene Hupfauer fordert Satzungsänderung

Nicht nur auf dem Hof: Kreisbäuerin fordert mehr Mitbestimmung für Landfrauen

  • Sebastian Grauvogl
    VonSebastian Grauvogl
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Nicht nur auf dem Hof wollen die Landfrauen mitentscheiden dürfen, sondern auch auf Verbandsebene. Kreisbäuerin Marlene Hupfauer fordert deshalb eine Gleichstellung per Satzung.

Landkreis – Was Landesbäuerin Maria Baur schon 1949 gelang, sollte auf Ortsebene erst 22 Jahre später klappen. Es dauerte bis 1971, ehe die ersten offiziellen Ortsbäuerinnenwahlen abgehalten wurden. Ein Raunen war unter den Sonnenschirmen beim Krauthofcafé in Miesbach zu hören, als Kreisbäuerin Marlene Hupfauer an diesem historischen Beispiel erläuterte, dass es lange Zeit keine Selbstverständlichkeit für Landfrauen war, ihre Interessen eigenständig zu vertreten.

Kreisbäuerin: BBV-Satzung nicht mehr zeitgemäß

Und das ist es auch heute noch nicht, machte Hupfauer deutlich. So dürften laut aktueller Satzung des Bayerischen Bauernverbands (BBV) nur die Männer über wichtige Themen abstimmen. „Das ist nicht mehr zeitgemäß“, betonte die Kreisbäuerin und forderte, die Regularien anzupassen. „Es kann nicht sein, dass wir Landfrauen auf dem Hof arbeiten und mit unseren Männern Verantwortung tragen, aber unsere Stimme bei Verbandsentscheidungen nicht gilt.“ Hupfauer verlangte daher eine Neuausrichtung. Orts- und Kreisbäuerinnen sollten auf Augenhöhe mit den Orts- und Kreisobmännern zusammenarbeiten dürfen.

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Dass es am Engagement der Frauen nicht mangeln dürfte, zeigte die gut besuchte Arbeitstagung beim Krauthof. 40 Ortsbäuerinnen waren der Einladung von Hupfauer und ihrer Stellvertreterin Andrea Rieder gefolgt. Die Freude war groß, sich nach eineinhalb Jahren coronabedingter Pause endlich wieder in Präsenz zusammensetzen zu können. Nur in persönlicher Anwesenheit könnten auch die Neuwahlen auf Orts- (von Oktober bis Dezember) und Kreisebene (Januar bis März) erfolgen, erklärte Hupfauer. „Sonst bleiben wir alle ein weiteres Jahr im Amt.“ Umso mehr riet die Kreisbäuerin den Landfrauen, die aktuellen Lockerungen der Corona-Regeln für Treffen und kleine Bildungsveranstaltungen zu nutzen. „Macht euch jetzt schon Gedanken, wie es in eurem Ortsverband weitergehen soll.“

Viele Aufgaben für Landfrauen

An Aufgaben mangelt es weiter nicht. Soziale Absicherung, Ausbildung in der Hauswirtschaft sowie das gesellschaftliche Miteinander im ländlichen Raum „sind und bleiben Kernaufgaben unserer Landfrauenarbeit“. Außerdem würden die Bäuerinnen Geld für den Bäuerlichen Hilfsdienst, den Dorfhelferinnenverein und soziale Einrichtungen im Landkreis sammeln. Hinzu kämen die aktuellen Umbrüche in der Landwirtschaft.

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Es sei unbestritten, dass alle Bäuerinnen mehr zu Tier-, Umwelt-, Klima- und Artenschutz beitragen wollen, betonte Hupfauer. Doch die Mittel dafür seien begrenzt. „Wir können als Bauersfamilien nicht Millionen investieren und der Erlös für unsere Produkte bleibt einfach gleich.“ Früher habe man den Hof bei einem Generationswechsel fit für die Zukunft gemacht. Heute lege die Politik ein Tempo vor, das kein Unternehmen aushalten könne. „Wenn ich morgen einen Stall baue, kann er übermorgen schon wieder verkehrt sein.“ Umso mehr hofft die Kreisbäuerin, dass die Kombination aus Anbinde- und Weide-/Auslaufhaltung im Landkreis Miesbach noch lange Bestand habe. Der von Politikern, Lebensmitteleinzelhandel, Molkereien und Verbrauchern geforderte Umstieg auf Laufställe würde vor allem die kleinen Nebenerwerbsbetriebe in Existenznöte bringen. Worin das münden könnte, daraus machten Hupfauer kein Geheimnis: „Für unseren Landkreis würde das einen wahnsinnigen Strukturwandel bedeuten, der nie wieder gut zu machen wäre.“

sg

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