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Seit gestern stehen in ganz Deutschland Plakate wie das, das am Miesbacher Ortseingang unter anderem von Johann Obermaier aufgestellt wurde.

Niedriger Milchpreis

Bauern nur begrenzt leidensfähig

Der Milchpreis sinkt 2015 so weit nach unten, dass die Lage für die Bauern dramatisch ist. Im Landkreis musste bisher kein Betrieb aufhören, im kommenden Jahr könnte das aber passieren.

Der Milchpreis erreicht in diesem Jahr einen Tiefpunkt. Mit rund 30 Cent pro Kilogramm Milch ist die Lage der Bauern kritisch. „Die Situation im Landkreis ist dramatisch“, beschreibt Stefan Gabler, Leiter des Bereichs Landwirtschaft am Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) in Holzkirchen.

Der Milchpreis sank 2015 stark, wie die Grafik zeigt: Bayerische Milchbauern erhielten im Schnitt 30 Cent pro Kilo Milch – eine wirtschaftlich rentable Produktion ist unmöglich.

Im vergangenen Jahr lag der Preis im Durchschnitt bei 38 Cent. Selbst das ist wenig. „Er müsste bei 40 Cent liegen, damit man wieder was verdient“, sagt Johann Hacklinger, Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbands. Ohne einen anständigen Milchpreis könne keiner der betroffenen Bauern wirtschaftlich produzieren.

Bleibt der Preis unten, wird das Konsequenzen haben. „Dann kann der ein oder andere nicht weitermachen“, ist Hacklinger sicher. Das vermutet auch Johann Obermaier, Vorsitzender des Kreisverbands im Bundesverband Deutscher Milchviehhalter (BDM). „Wir befinden uns an der untersten Grenze.“

Bundesweite Plakataktion

Um die fatale Lage mehr ins Bewusstsein zu rücken, hat der BDM eine bundesweite Plakataktion organisiert. Diese soll die Politiker zum Handeln bewegen und den Käufern die Augen öffnen. „Der Verbraucher muss sich bewusst sein, dass er nicht nur das Produkt kauft sondern auch die Landschaft außen rum“, betont Gabler.

Bisher musste noch keiner der rund 750 Milchviehhalter im Landkreis das Handtuch werfen. Die Bauern versuchen, anderweitig zu überleben. Einige sind auf Bio umgestiegen, mittlerweile gibt es 27 Prozent Ökobetriebe. „Die haben einen guten Milchpreis“, sagt Gabler.

Begeistert seien viele laut Obermaier aber nicht, die Umstellung auf Bioerzeugung sei schließlich teuer. Außerdem fehle für diese Betriebe noch die Wertschätzung, bedauert Gabler. Trotzdem hat er für die Verbraucher Verständnis: „Warum teuer einkaufen, wenn es auch billig geht?“ Laut Kreisobmann Hacklinger liege die Schuld bei der Marktmacht des Einzelhandels.

Schlachten als Sparmaßnahme

Um dennoch durch Milcherzeugung leben zu können, würden Bauern zusätzliche Ausgaben meiden. „Zum Beispiel werden bauliche Maßnahmen zurückgestellt“, weiß Kreisobmann Hacklinger.

Er beobachtet einen weiteren Überlebensversuch: „Es ist mehr Milchvieh auf dem Schlachtmarkt.“ Kühe, die nicht mehr lange gemolken werden könnten, würden die Bauern früher hergeben und so ihren Bestand verringern. Sozusagen Schlachten als Sparmaßnahme.

Zum niedrigen Milchpreis kam in diesem heißen Sommer die Futterknappheit. Der Vorteil der Betriebe im Landkreis: „Sie sind sehr klein strukturiert“, erklärt Gabler. Beispielsweise durch die zusätzliche Vermietung von Ferienwohnungen können sie sich über Wasser halten. „Unsere Bauern sind leidensfähig – aber nicht unbegrenzt.“ Die Prognosen für den Milchpreis seien keine guten. Obermaier befürchtet: „Nichts zeigt, dass der Preis steigt.“

Die Plakataktion:  Der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter (BDM) will die Politik zum Handeln auffordern, insbesondere Bundeskanzlerin Angela Merkel, den Bundesminister für Ernährung und Landwirtschaft, Christian Schmidt, und den EU-Agrarkommissar Phil Hogan.

von Nina Probst

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