Auf der Jagd: Eine Wasseramsel taucht nach dem Füttern der bettelnden Jungtiere ab.
+
Auf der Jagd: Eine Wasseramsel taucht nach dem Füttern der bettelnden Jungtiere ab.

An Mangfall und Leitzach

Nistkästen für Wasseramseln: Miesbacher Vogelschützer führen Projekt aus 1985 fort

  • Sebastian Grauvogl
    vonSebastian Grauvogl
    schließen

Bereits 1985 setzten sich die Mitglieder der Kreisgruppe Miesbach des Landesbunds für Vogelschutz für die Wasseramsel ein. Jetzt haben sie das Projekt fortgeführt - mit Erfolg.

Landkreis – Gute Sänger scheuen das Wasser: Dieser Grundsatz ist bei fast allen Vögeln zu beobachten. Die Wasseramseln jedoch sind hier eine Ausnahme. Sie zählen zu den wenigen Singvögeln, die schwimmen und tauchen. Letzteres sogar sehr geschickt, weil sie dabei ihre Nahrung erbeuten. Zwischen fünf und zehn Sekunden gleiten sie mit rudernden Flügeln und gegen die Strömungsrichtung durch Flüsse, um am Grund nach Insektenlarven zu suchen. Auch die Mangfall und die Leitzach im Landkreis Miesbach gehören zu den Lebensräumen der Wasseramsel.

Doch weil sich die Bedingungen hier in den vergangenen Jahren immer weiter verschlechtert haben, brauchen sie Unterstützung, um sesshaft zu bleiben. Die hat die Kreisgruppe Miesbach des Landesbundes für Vogelschutz (LBV) nun in einem Nistkastenprojekt erfolgreich geleistet.

Probleme durch Begradigungsmaßnahmen an Flüssen

Bereits 1985 begannen die Vogelschützer, den Wasseramselbestand an Leitzach und Mangfall zu überwachen und zu fördern. Die „tauchenden Singvögel“ sind ganzjährig im gleichen Revier unterwegs, erklärt Projektleiter Günther Bichler. Sie würden klare, schnellfließende Gewässer mit kiesigem Grund und guter Wasserqualität bevorzugen. Leitzach und Mangfall würden sich daher sehr gut für die Ansprüche der Wasseramsel eignen. Doch durch Begradigungsmaßnahmen an den Flüssen hätten sich – trotz erfolgter Renaturierung – die Lebensbedingungen im Vergleich zu früher verschlechtert.

Auch interessant: Ärger um Fischereipacht an der Leitzach bei Irschenberg

Ganz besonders problematisch sind laut Bichler aber die immer weiter schwindenden Nistmöglichkeiten an Holz- oder Stahlbrücken. Weil diese Konstruktionen bei Neubauten oder Sanierungen oft in Stahlbeton und so mit glatter Oberfläche ausgestaltet würden, hätten die Vögel keine Chance mehr, dort ihre Nester zu bauen und sich somit vor Fressfeinden und Nesträubern zu schützen.

25 Nistkästen an Brücken montiert

Um ihnen trotzdem zu einer sicheren Behausung zu verhelfen, brachten die Mitglieder der LBV-Kreisgruppe Miesbach über die Jahre circa 25 speziell dafür entwickelte  Nistkästen an Brücken an, um den Bestand der Vögel zu sichern. Eine durchaus anstrengende und auch gefährliche Arbeit, müssen die Kästen doch teilweise hoch über der Wasseroberfläche montiert werden.

An zwei Arbeitstagen im Oktober 2020 kümmerte sich nun ein coronabedingt kleines Team der Kreisgruppe um die Kontrolle, Säuberung und bei Bedarf auch den Austausch der Nistkästen. Mit einem erfreulichen Ergebnis: 95 Prozent der Kästen werden von den Wasseramseln angenommen, berichtet Bichler. Die Bestände hätten sich sehr positiv entwickelt. In den kommenden Jahren werde man das Monitoring fortsetzen, betont Bichler. „Um den Bruterfolg langfristig zu unterstützen und diese schöne Vogelart in unserer Heimat bestmöglich zu fördern.“  

sg

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare