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Bekommt erstmal keinen Nachfolger: Werner Pawlovsky, seit vergangenem Oktober im Ruhestand. Im Kreisausschuss senkten CSU, Freie Wähler und Bayernpartei den Daumen. 

Nachfolge bleibt offen

Noch Jahre ohne Kreisbaumeister: Ein politisches Ränkespiel?

Ist das schon Wahlkampf? Der Kreisausschuss hat sich auf keinen Nachfolger für Kreisbaumeister Werner Pawlovsky einigen können. Das Abstimmungsergebnis verlief entlang der politischen Linien. Parteipolitik mutmaßen die einen, eine Sachentscheidung, sagen die anderen.

Miesbach – Keine drei Wochen ist es her, dass die Kreis-CSU per Pressemitteilung gefordert hat, dass „die derzeit vakante Stelle des Kreisbaumeisters möglichst schnell wieder kompetent nachbesetzt wird“. Am Mittwoch aber lehnten ihre vier Vertreter im Kreisausschuss alle drei Kandidaten ab. Freie Wähler (drei Mandate) und Bayernpartei (eines) taten es ihnen in der nicht öffentlichen Sitzung gleich. Heißt: Der Landkreis steht weiter ohne Kreisbaumeister da. Werner Pawlovsky war im Herbst 2018 in Rente geschickt worden. Der erste Versuch, einen Nachfolger zu finden, war schon früh aus Mangel an geeigneten Kandidaten gescheitert, jetzt auch der zweite. Und dies, obwohl der Landkreis etwa bei der Bezahlung nachgebessert hatte.

Olaf von Löwis, designierter Landratskandidat der CSU und im Ausschuss vertreten, sagt: „Natürlich braucht der Landkreis einen Kreisbaumeister, einen Fachmann für Baukultur. Aber nicht um jeden Preis.“ Und wohl auch nicht sofort. Die Mehrheit der 13 Kreisausschussmitglieder war jedenfalls nicht überzeugt, dass einer der drei Kandidaten, die sich vorstellen durften, die unzweifelhaft großen Fußstapfen, die Pawlovsky hinterlässt, ausfüllen kann. Das hätte auch gar nicht sein müssen, meint Elisabeth Janner, Sprecherin der Grünen-Fraktion im Kreistag. „Es waren Leute mit Potenzial dabei.“ Man müsse den Menschen auch zutrauen, an ihren Aufgaben zu wachsen.

Paul Fertl (SPD) erinnert in diesem Zusammenhang daran, dass auch Pawlovsky seinerzeit nicht einstimmig ins Amt gehoben wurde. „Ich fürchte, dass die Baukultur leiden wird“, meint der Miesbacher Vize-Bürgermeister.

Die politischen Lager waren geschlossen bei der Abstimmung. Da kommt schnell der Verdacht des wahltaktischen Kalküls und der Parteipolitik auf. Dass CSU und Freie Wähler dem grünen Landrat nicht einmal den vergleichsweise bescheidenen Erfolg einer Stellenbesetzung gönnen würden. „Ich hoffe nicht, dass es sich um wahltaktische Spielchen handelt“, sagt Fertl. „Das wäre schlecht für den Landkreis.“ Für den SPD-Mann ist das Abstimmungsergebnis einer Entscheidungsschwäche im konservativen Lager geschuldet. „Irgendwann muss man zu Potte kommen“, findet Fertl.

Janner hat sich schon eher der Eindruck aufgedrängt, dass nicht allein die Kompetenz der Kandidaten den Ausschlag für das Votum gegeben hat. Das lasse sich aus dem Ergebnis doch recht deutlich ablesen. Votum und Umstände seien „sehr bedauerlich“.

Auf Nachfrage streitet Löwis derlei Erwägungen ab. „Es gab keine Maßgabe, dass wir auf jeden Fall jeden Kandidaten ablehnen.“ Für die „sehr sehr anspruchsvolle Stelle“ eines Kreisbaumeisters habe kein Kandidat in einem Maße überzeugt, dass man ihm oder ihr beruhigt den Zuschlag hätte geben können. Landrat Wolfgang Rzehak ist anderer Auffassung: „Alle drei von der Verwaltung vorgeschlagenen Bewerber waren sicher geeignete Kandidaten. Man hätte jeden von ihnen mit gutem Gewissen mit dieser Position betrauen können.“

Eine Rolle hat für die ablehnende Seite wohl auch gespielt, dass die Verwaltung dem Ausschuss bedeutete, der Status Quo sei für eine gewisse Zeit weiterhin tragbar. Die Aufgaben des Kreisbaumeisters wurden nach dem Ausscheiden Pawlovskys auf zwei Schultern verteilt. Aus dem Landratsamt heißt es: „Unter anderem die Tatsache, dass sich diese Übergangslösung zwischenzeitlich als praktikabel erwiesen hat, hat das Gremium dazu bewogen, diese bis auf weiteres beizubehalten.“

Lesen Sie hierzu auch: Kreisbaumeister im Interview: So geht neue Baukultur

Jetzt kein Kreisbaumeister heißt derweil auch: zwei Jahre lang kein Kreisbaumeister. Eine Behörde kann solche Verfahren nicht beliebig in die Länge ziehen. Es drohen Klagen von nicht berücksichtigten Kandidaten. Insgesamt 14 Bewerbungen lagen dem Landratsamt vor. Zusammen mit einem externen Berater sah sich die Verwaltung sieben Kandidaten genauer an, aus denen dann drei ausgewählt wurden. Drei Stunden befasste sich der Kreisausschuss am Mittwoch mit dem Thema. Dem Vernehmen nach wurde es zwischendurch auch mal etwas lauter. Am Ende stand immerhin der Konsens, dass die Stelle nachbesetzt wird, sobald dies möglich ist.

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