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Den Dienst bekannter machen: Gabriele Waitz (l.) und Waltraud Frank sind im Caritaszentrum Miesbach für den psychiatrischen Krisendienst zuständig. 

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Die Nummer bei psychischem Notfall

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Psychische Krankheiten spricht niemand gerne an. Betroffene können in solchen Situationen die Nummer des psychiatrischen Krisendienstes im Landkreis wählen.

Landkreis – Es ist Mittwochnachmittag, gegen 16 Uhr. Bei der Zentrale in München klingelt das Telefon. Eine Frau um die 40 Jahre ist am Apparat. Sie hätte schon seit zwei Stunden in der Arbeit sein müssen, erzählt sie. Aber sie kann nicht. Sie weint viel, nicht alles, was sie sagt, versteht man. Die Anruferin hat psychische Probleme. Vielleicht hat sie eine Depression, vielleicht bedingt auch etwas anderes ihren Zustand. Von der Zentrale aus wird der Fall weitergeleitet – und landet bei Waltraud Frank im Caritaszentrum Miesbach.

Frank ist Sozialpädagogin und Vorsitzende des Steuerungsverbunds Psychische Gesundheit der Versorgungsregion Miesbach. Sie arbeitet beim Krisendienst Psychiatrie mit, den es seit April im Landkreis gibt. Von der Münchner Zentrale werden Fälle weitergeleitet. „Rund zehn Prozent landen bei den Außenstellen“, sagt Frank. Bei vielen Anrufern reiche es schon, wenn sie angehört werden. Wenn nicht, kommen Frank und ihre Kollegen ins Spiel.

In Situationen wie der eingangs beschriebenen schickt der Krisendienst zwei Mitarbeiter – ausgebildete Fachleute – zu der betroffenen Person. Eine Person in einer psychischen Ausnahmesituation, die sich allein nicht mehr zu helfen weiß. „Manche Leute wollen auch nicht, dass wir zu ihnen nach Hause kommen“, sagt Frank. Dann treffen sich sie sich beispielsweise in einem Café, auf neutralem Boden also. „Wir versuchen, den Krisen die Spitzen zu nehmen“, formuliert Frank die Aufgabe des Krisendienstes.

Die meisten der Anrufer leiden unter einer Depression. Auslöser für den Extremzustand kann zum Beispiel eine Kündigung sein, die den Betroffenen komplett aus der Bahn wirft. „Von der Leitstelle wird als Erstes abgeklärt, ob eine Suizidgefährdung vorliegt“, sagt Frank. Ist das der Fall, wird sofort der Notarzt informiert. „Wir kommen wenn dann erst im Nachhinein dazu.“

Noch ist so etwas im Landkreis nicht vorgekommen – insgesamt hat der Krisendienst erst rund 20 Fälle seit April übertragen bekommen. „Das liegt zum einen daran, dass die familiären Strukturen im Landkreis oft noch gut sind“, sagt Frank. Oft finden die Betroffenen dort Halt. In München sei der Krisendienst beispielsweise viel frequentierter. „Hier muss das auch erst noch bekannter werden“, glaubt Frank.

Vom 16-Jährigen bis zum Greis – mit allen Altersschichten hat der Krisendienst im Landkreis schon zu tun gehabt. Frank beschreibt die Vorteile des Dienstes: „Wir haben Zeit und können spontan vorbeikommen.“ Einen Termin beim Neurologen oder Psychiater zu bekommen sei da erheblich schwieriger. Vom Krisendienst kommen zudem immer zwei Personen. So kann einer beispielsweise mit den Angehörigen sprechen. „Manchmal hat auch einer der beiden einen besseren Zugang zum Betroffenen“, sagt Frank. Sie lässt sich vor Ort die Situation genau schildern, hört zu und erklärt dem Gegenüber, welche Hilfsangebote es gibt. „Wir hatten in dem halben Jahr noch niemanden, der akut in eine Klinik gebracht werden musste.“ Eine stationäre Lösung sei aber hin und wieder angeraten worden.

Mit dem Telefon-Protokoll der Leitstelle als Hintergrund fährt Frank zu der Dame, die es nicht mehr schafft, in die Arbeit zu gehen. „Wir sollen in ein bis drei Stunden vor Ort sein“, sagt die Sozialpädagogin. Vor Ort angekommen werden sie gemeinsam nach einer Lösung suchen – oder würden. Der Fall ist erfunden, die wahren Geschichten bleiben anonym. Niemand spricht gerne darüber, dass er nicht mehr kann. Ein Tabu-Thema. Es gibt wohl weit mehr Fälle als 20 im halben Jahr.

Der Krisendienst

ist für Betroffene ab 16 Jahren, Angehörige und Fachstellen unter z 01 80 / 6 55 30 00 rund um die Uhr erreichbar. Der Dienst ist kostenlos, es fallen nur Telefongebühren an.

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