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Nur entspannte und glückliche Menschen

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Die Kirche gemeinsam als lebendigen Ort erleben: Das war die Idee hinter der Langen Nacht der Kirchen. Die Idee kam an. Die Resonanz war sehr beachtlich.

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1 / 4Volles Gotteshaus: In der Apostelkirche singen die Rainbow Gospel Voices. „Die ganze Kirche brummt“, freut sich Pfarrer Erwin Sergel. © Andreas Leder
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2 / 4Meditative Oase: die Miesbacher Stadtpfarrkirche. © Andreas Leder
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3 / 4Festlich Illuminiert: die Portiunkulakirche. © Andreas Leder
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4 / 4Meditative Oase: die Miesbacher Stadtpfarrkirche. © Andreas Leder

Miesbach Lauter „entspannte, glückliche Menschen“ habe er getroffen, sagt der Miesbacher Pfarrer Erwin Sergel und lächelt zufrieden. Seine Idee – 500 Jahre Reformation ökumenisch mit einer Langen Nacht der Kirchen zu feiern – ist bestens angekommen. Die Kirche miteinander als lebendigen Ort erleben – das war sein Vorhaben gewesen, das er mit vier katholischen Pfarrverbänden und drei evangelischen Kirchengemeinden realisiert hat. Zeitgleich gab es am Montagabend in Miesbach, Parsberg, Hausham und Holzkirchen Programm.

In Miesbach säumen flackernde Kerzen den Weg zur Portiunkulakirche. Pastoralreferentin Kathrin Baumann steht im Vorraum, kalt ist es. Snacks und Jägermeister stehen bereit. Während der Andacht, untermalt von Taize- Gesängen, sagt Baumann: „Viele halten die Kirchen ja für angestaubt.“ Dieses Image möchte sie wiederlegen, zeigen, dass Kirche offen ist. Eine Dame betritt die Klosterkirche. „Jetzt bin ich extra von Schliersee hierher gefahren“, raunt sie Baumann zu. „Damit ihr nicht allein seid hier“. Doch jetzt findet sie keinen Platz mehr.

Die Resonanz bei der Langen Nacht der Kirchen ist beachtlich. Jeder einzelne Programmpunkt ist bestens besucht. Die Stadtpfarrkirche bildet eine meditative Oase: sanftes Licht, leise gregorianische Gesänge aus den Boxen. In den Reihen sitzen Menschen, in sich versunken. Währenddessen in der evangelischen Apostelkirche: die Rainbow Gospel Voices wiegen sich dynamisch von links nach rechts. Warm ist es, Leute sitzen und stehen dicht an dicht und singen und klatschen mit, „die ganze Kirche brummt“, freut sich Sergel. Baumann ist nun ebenfalls vor Ort. Ihr gefällt „dass das Miteinander bei dem Konzert so im Vordergrund steht“. Vor dem Gotteshaus riecht es wie auf dem Weihnachtsmarkt. Das kommt vom Teig, den Jugendliche auf Waffeleisen gießen. Und am Wachs, das zu Kerzen gezogen wird. Gegenüber, im Buch am Markt, wird aus dem Markus-Evangelium gelesen.

Zeitgleich im evangelischen Gemeindehaus: 15 Männer und Frauen fassen sich an den Händen und bilden einen Kreis. Siegfried Macht lehrt sie, wie zu Luthers Zeit getanzt wurde. Macht ist Professor an der Hochschule für evangelische Kirchenmusik in Bayreuth. Nebenbei erzählt er allerhand Wissenswertes. Etwa, dass Luther einen Tanz gemeinsam mit einem Calvinisten komponiert habe. Ein frühes Zeichen von Ökumene, sagt Macht. Kämpfe zwischen den christlichen Konfessionen in Deutschland? „Zum Glück alles Geschichte.“

Genau so lautet die Quintessenz des Eröffnungsgottesdienstes in der von hundert Kerzen beleuchteten Stadtpfarrkirche. Der evangelische Dekan Martin Steinbach und sein katholischer Amtsbruder Walter Waldschütz predigen gemeinsam. Dass sich Katholiken und Protestanten näher gekommen sind, mache Hoffnung. „In diese Richtung soll es weitergehen“, bekräftigt Sergel.

Schon in den eineinhalb Jahren der Vorbereitung auf diesen Abend sei „sehr viel Vernetzungsarbeit“ geleistet worden, sagt der Miesbacher Pfarrer. „In dieser Runde waren wir noch nie zusammen an einem Tisch gesessen.“ Die Glaubensgemeinschaften in der Region seien gutem in Kontakt. Nach der Langen Nacht noch ein bisschen mehr als zuvor.

Johanna Wieshammer

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