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Nur Strategie und Workshops?: Kritik an Euregio-Bewerbung des Landkreises Miesbach

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Von: Sebastian Grauvogl

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Tegernsee
Soll Euregio werden: der Landkreis Miesbach, hier im Bild der Tegernsee. © dpa

Heftige Kritik mussten sich die Initiatoren der Euregio-Bewerbung des Landkreises Miesbach nun im Kreisentwicklungsausschuss anhören. Doch sie spielten den Ball zurück.

Landkreis – Zehn Minuten lang hatte Projektleiterin Ines Leister im Kreisentwicklungsausschuss zum Fortschritt auf dem Weg zur neuen Euregio aus den Landkreisen Miesbach und Bad Tölz-Wolfratshausen und dem Bezirk Schwaz in Tirol referiert. Sie hatte erzählt, wie rund 100 Akteure in mehreren Workshops an der Erstellung einer Strategie gearbeitet haben und dass die Steuerungsgruppe vom zuständigen Gremium der EU eine positive Rückmeldung erhalten hat. Bis zum 30. September müsse man die finalen Unterlagen einreichen, schloss Leister ihren Vortrag ab.

Doch dann trat Anastasia Stadler (CSU) ans Mikrofon. Und die erklärte, dass sie nicht wirklich etwas mitgenommen habe aus der Präsentation. „Außer Strategie und Workshops habe ich nicht viel gehört“, kritisierte Stadler und stellte gleich die für sie zentrale Frage: „Was kostet uns das als Landkreis?“ 15 000 Euro pro Jahr, sagte Leister, was Stadler gleich noch mal nachhaken ließ: „Und was bekommen wir für das Geld – außer Strategie und Workshops?“ Auch diesmal stellte sie die Antwort der Projektleiterin („Zugang zu Förderbudgets“) nicht zufrieden. Das alles sei für sie nicht greifbar, meinte Stadler: „Ich will Fleisch am Knochen und keine Strategiespielchen, bei denen am Ende nichts rauskommt.“

SMG-Chef zu Euregio: „Jeder ist aufgerufen, sich mit Ideen einzubringen“

Da klinkte sich Alexander Schmid, Geschäftsführer der mit der Euregio-Bewerbung betrauten Standortmarketing-Gesellschaft (SMG), ein. Und Schmid spielte den Ball zurück. „Jeder ist aufgerufen, sich mit Ideen einzubringen“, machte er klar. Eine Euregio sei letztlich der Schlüssel, um Gelder von außen in den Landkreis zu holen. Besonders charmant sei, dass ein verhältnismäßig kleiner Kreis vor Ort über Budgets von bis zu 200 000 Euro entscheide.

Als Beispielprojekte nannte der SMG-Chef grenzüberschreitende Radwege, neue Formen der Arbeit wie Coworkation oder das mobile Fablab, das ja auch mal an den Achensee fahren könnte. Im Bereich Kultur könne er sich grenzüberschreitende Musikfestivals vorstellen. Welch große Hebelwirkung EU-weite Förderprogramme entfalten können, habe nicht zuletzt Leader gezeigt.

Landrat: Euregio ist Eintrittskarte für großes Fördervolumen der EU

Auch Landrat Olaf von Löwis (CSU) brach eine Lanze für die Bewerbung. „Die 15 000 Euro sind nur die Eintrittskarte für das große Fördervolumen der EU.“ Noch sei das Projekt in einem frühen Stadium und deshalb noch nicht in allen Punkten konkret. Dennoch sollte man es unterstützen, auch aus Solidarität zu den Partnern Bad Tölz und Schwaz, die bei einem Ausstieg ebenfalls aus dem Rennen wären. Überhaupt habe sich gerade in der Corona-Pandemie gezeigt, so Löwis, „wie wichtig die Grenze zu Tirol für uns ist.“

sg

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