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Der Neubau wirft seine Schatten voraus: Für die Zeit, zu der die Johannisbrücke in Miesbach komplett gesperrt ist, schmieden Ladeninhaber und Stadtverwaltung intensiv Pläne. foto: archiv tp

Brücken-Neubau in Miesbach

Nutzen ziehen aus der Baustelle

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Miesbach - Die zeitweise Vollsperrung für den Neubau der Johannisbrücke wirft ihre Schatten voraus. Nicht nur im Rathaus wird beraten, wie die Einschränkungen aus Bürgersicht verträglich gestaltet werden können. Auch eine neue Gruppe hat sich zusammengefunden. Der Name „Wir für Miesbach“ ist Programm.

Die Kunden mit Werbung für etwas zu begeistern, ist nicht leicht. Erst recht, wenn dieses Etwas eigentlich keiner haben will. Eine Baustelle auf einer wichtigen Verkehrsader zum Beispiel. Da ist nicht nur Kreativität gefragt, sondern ein gut durchdachtes Konzept. „Baustellenmarketing“ nennen Profis das. Das haben nun auch die Miesbacher Geschäftsleute für die Zeit vor, in der die Johannisbrücke über die Schlierach neu gebaut wird. Und weil am Anfang einer Werbe- und Informationsoffensive ein aussagekräftiger Name stehen sollte, haben die Ladeninhaber bei ihren ersten Treffen einen Slogan entworfen: „Wir für Miesbach.“

Dahinter stecken nicht nur eine geplante neue Internetseite und ein Facebook-Auftritt, sondern eine komplett neue Gruppe. „Unabhängig von den Stammtischen und der GWM“, sagt Sprecherin Stephanie Liebhardt. Aus gutem Grund. Während sich die Stammtische bewusst auf Treffen in kleinerer, fester Runde konzentrieren, soll „Wir für Miesbach“ eine offene Runde sein, zu der jeder dazustoßen kann, wann immer er will. Um sich zu informieren, aber auch um Anregungen einzubringen.

Auch die Abgrenzung zur Gemeinschaftswerbung Miesbach erfolgt laut Liebhardt nicht nicht mit negativem Hintergedanken. Im Gegenteil: „Die GWM ist inhaltlich und finanziell ausgelastet“, erklärt sie. Zudem seien nicht alle Geschäfte Mitglied im Verein. „Wir für Miesbach“ soll dagegen alle von der Baustelle tangierten Ladenbetreiber und Bürger erreichen. 15 bis 20 Teilnehmer waren laut Liebhardt bei den ersten Treffen dabei. Diese sollen wöchentlich stattfinden.

Über die Ergebnisse werde „Wir für Miesbach“ regelmäßig informieren. „Transparent und verständlich“, verspricht Liebhardt. Die ersten Ideen habe man schon entwickelt. Bevor sie kommuniziert werden, möchte das Führungsteam der Gruppe – also Liebhardt, Michael Brunner, Christine Schreiner, Petra Hehl und Stefanie Mawick – die GWM und die Stadt miteinbeziehen.

Zumindest im Rathaus dürfte „Wir für Miesbach“ offene Türen einrennen. Denn auch die Verwaltung hat sich Gedanken über Maßnahmen gemacht, mit denen die Auswirkungen der Brückensperrung so gering wie möglich gehalten werden können. Erste Ergebnisse hat Bürgermeisterin Ingrid Pongratz im Bauausschuss bekanntgegeben. So werde die Stadt nach der Auftragsvergabe, über die der Stadtrat am 2. Juni nicht öffentlich entscheidet, die Baufirma für die Sorgen und Nöte der Geschäftsleute sensibilisieren. „Wir werden gemeinsam alle Möglichkeiten einer zeitlichen Straffung ausloten“, kündigt Pongratz.

Weil sich eine zumindest zeitweise Vollsperrung nicht vermeiden lassen wird, ist auch die Umleitungsplanung samt Beschilderung angelaufen. Auswärtige Autofahrer bekommen sogar einen Hinweis in ihrem Navigationssystem. Um die Verkehrsbelastung zu verringern, sollten Pendler konsequent auf AOK-Parkplatz und Waitzinger Wiese parken. Auch das Rote Kreuz muss ausweichen. Gespräche über eine zwischenzeitliche Auslagerung der Rettungsfahrzeuge sind laut Pongratz im Gange.

Um die für die Umleitung bedeutsame Einmündung der Tölzer Straße in die B 472 bei Schweintal zu entlasten, habe die Stadt auch den Bau eines Kreisels prüfen lassen. Die Antwort des Staatlichen Bauamts Rosenheim fiel jedoch negativ aus. So habe der Verkehr in den vergangenen Jahren nur leicht zugenommen, zudem sei die Stelle kein klassischer Unfallschwerpunkt. Weil ein Kreisverkehr an dieser Stelle auch für große Lkw befahrbar sein muss, müsste die Stadt Grundstücke kaufen. „Was das bedeutet, haben wir damals bei der Spinne gesehen“, sagt Pongratz. Auch deshalb schloss sie sich der Empfehlung des Straßenbauamts an. Eine kleine Lösung wird es dennoch geben. Um das Abbiegen zu erleichtern, wird die zulässige Höchstgeschwindigkeit in diesem Bereich der B472 auf 60 Kilometer pro Stunde gesenkt.

Dass all diese Maßnahmen nur etwas bringen, wenn die Bürger diese auch annehmen, ist der Bürgermeisterin klar. Deshalb setzt auch sie auf eine positive Außendarstellung des Projekts. „Die Leute müssen das Gefühl haben, dass wir für sie bauen“, sagte Pongratz. Das will sie mit Werbeplakaten vermitteln. Die Ideenschmiede in Sachen Baustellenmarketing ist eröffnet.

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