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Nachfrage steigt: Im Landratsamt Miesbach hat sich die Zahl der beantragten Kleinen Waffenscheine im vergangenen Jahr mehr als verdoppelt.

Öffentliche Sicherheit

Kein Grund für unruhigen Schlaf

Landkreis - Deutlich mehr Menschen im Landkreis beantragen einen kleinen Waffenschein, und Selbstverteidigung ist ebenfalls gefragt. Derweil ist der Landkreis in Sachen Sicherheit Spitzenreiter.

Einsätze der Polizei in Flüchtlingsunterkünften häufen sich deutschlandweit. Zudem haben Einbrüche speziell im Tegernseer Tal in den vergangenen Jahren die Bevölkerung beunruhigt. Das jedoch spiegelt nicht die Sicherheitslage im Landkreis wieder. 

Denn hier passiere im regionalen Vergleich am wenigsten, erklärt der Pressesprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd, Stefan Sonntag. Eine Einbruchserie im Tegernseer Tal, der brutale Raubüberfall auf ein Rottacher Ehepaar – das hinterließ Spuren. „Die Bevölkerung im Tegernseer Tal ist sehr auf Sicherheit bedacht“, erklärt Sonntag. Sie würden die Polizei vermehrt auf der Straße sehen wollen. 

Weniger Einbrüche als 2014

„Insgesamt sind aber die Kriminalitätszahlen im Landkreis gut“, sagt Sonntag. Speziell auf die Einbrüche bezogen gab es 41 im Jahr 2015 (Stand: 30. November), im Vergleich zu 47 im Jahr davor. Eine steigende Nachfrage nach dem kleinen Waffenschein (siehe Kasten) lässt sich laut Sonntag deshalb eigentlich nicht mit der Zahl der Einbrüche begründen. „Sie ist aber auffällig“, gibt der Pressesprecher zu. 

Das bestätigt Christian Pölt, zuständiger Fachbereichsleiter am Landratsamts Miesbach: „Bei uns ist im Vergleich zum Vorjahr mehr als eine Verdoppelung der Anträge zu verzeichnen.“ 2014 wurden 20 Anträge eingereicht, im vergangenen Jahr waren es etwa 50. Eine Begründung muss bei dem Antrag nicht angegeben werden. 

So kann Pölt nur mutmaßen: „Einige wollen den kleinen Waffenschein zum Schießen am Jahreswechsel, andere vielleicht zur eigenen Sicherheit.“ Sowohl er als auch Sonntag sehen Letzteres aber als kritisch an. „Das lässt eine Situation eher eskalieren“, weiß Sonntag und rät dringend davon ab, sich auf diese Weise vor Einbrechern schützen zu wollen. 

Viele Fehlalarme

Im Vergleich zu den kleinen Waffenscheinen ist die Nachfrage nach Alarmanlagen nicht gestiegen. „Es ist nicht mehr und nicht weniger als in den Jahren zuvor“, sagt Harald Kastner vom Tegernseer Objektschutz und Sicherheitsdienst (TOS). In neuen Häusern sei es Gang und Gebe, dass Alarmanlagen eingebaut würden. Nachrüsten wolle aber kaum jemand. 

Auch Kastner sieht die Sicherheitslage im Landkreis positiv: „Sie ist besser, als in anderen Gebieten.“ Jede Nacht fährt der Sicherheitsdienst im Tal Streife, von 19 Uhr abends bis 9 Uhr morgens. „Da sehen wir, ob sich jemand herumtreibt“, erklärt Kastner. Bei vermeintlichen Einbrüchen gibt er Entwarnung: „Bei 1000 Einsätzen in alarmgesicherten Häusern ist ein Einbruch dabei“, erklärt der Sicherheitsexperte. 

Vor allem junge Frauen scheinen aber der Lage nicht zu trauen. Sie wollen für ihre Sicherheit selbst sorgen. „20 bis 30 Prozent mehr Frauen fragen nach Selbstverteidigung“, berichtet Josef Fichtner, der unter anderem in Miesbach, Schliersee und Holzkirchen Taekwondo-Studios betreibt. Viele von ihnen – speziell im vergangenen Jahr – seien an einzelnen Kursen oder Stunden interessiert. 

Angst oft unbegründet

Regelmäßig erkundigt sich Fichtner bei ihnen nach dem Grund. „Viele haben Angst, weil sie von Asylanten angequatscht werden“, erzählt der Studiobetreiber. Er ist sicher, dass 80 Prozent der neuen Anfragen darauf zurückzuführen sind. Auch Sonntag weiß, dass das Thema Flüchtlinge viele Menschen beschäftigt. „Neues löst eben oft Unbehagen aus“, sagt er. „In den meisten Fällen ist das aber unbegründet.“ Es hat im vergangenen Jahr

 Sexualdelikte gegeben, die im Zusammenhang mit Flüchtlingen standen. Im Fall Holzkirchen beispielsweise war die Tat aber vom Opfer frei erfunden worden, wie sich hinterher herausstellte. „Danach haben am nächsten Tag sechs oder sieben Frauen bei mir angerufen“, erinnert sich Fichtner. 

Pressesprecher Sonntag berichtet, dass es zwar immer wieder Einsätze mit Flüchtlingen gebe, die sich wohl sogar noch vermehren werden. „Die haben aber meistens nichts mit den Bürgern hier zu tun“, erklärt er. In vielen Fällen handle es sich um interne Streitigkeiten und im Großen und Ganzen sei die Kriminalität von Flüchtlingen nicht höher als bei anderen Bürgern. Es spricht also nichts gegen einen ruhigen Schlaf im Landkreis.

Von Nina Probst

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