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Bei einem Treffen des Landesbunds für Vogelschutz im Saal des Gasthofs Bräuwirt in Miesbach informiert Marika Kinshofer (r.) über die Öko-Modellregion. Gerhard Kinshofer (l.) hatte zu dem Infoabend eingeladen. 

Der große Überblick

So laufen die Projekte der Öko-Modellregion im Landkreis

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Wie steht es um die Projekte der Öko-Modellregion? Die Vogelschützer im Landkreis wollten es von Marika Kinshofer genauer wissen. Die Projektmanagerin gab bei einem Infoabend einen Überblick.

Miesbach – Gerhard Kinshofer, Vorsitzender des Landesbunds für Vogelschutz (LBV) Miesbach, zieht ein Glöckchen aus der Tasche und klingelt. Die rund 30 Mitglieder im Saal des Miesbacher Bräuwirt verstummen. Kinshofer gibt das Mikrofon an seine Namensvetterin weiter: Marika Kinshofer, Managerin der Ökomodellregion Miesbach, soll die Anwesenden über den aktuellen Stand der Projekte informieren. Vor knapp zwei Jahren waren diese gestartet.

Die Managerin tourte wochenlang durch die Gemeinden und stellte dort die Projekte vor. „Das war nicht immer einfach“, gibt sie zu. Doch es habe sich gelohnt. Im Juni kam die gute Nachricht: Das Gesamtprojekt wird bis 2020 verlängert. Vor der LBV-Kreisgruppe gab Kinshofer nun einen Überblick zu allen Projekten.

Beendete Projekte der Öko-Modellregion in Miesbach

-Umstellung von Milchviehbetrieben: Als erledigt sieht Kinshofer die Aufgabe, mehr landwirtschaftliche Betriebe auf Bio umzustellen. Der Anteil von Biobauern an den Landwirtschaftsbetrieben sei von 24 auf 30 Prozent gestiegen, sagt sie. Fünf Prozentpunkte mehr Bio-Betriebe seien das Ziel gewesen. „Das haben wir erreicht.“

Laufende Projekte der Öko-Modellregion in Miesbach

-Heimische Bio-Eier: Erzeuger von Bio-Eiern gibt es ebenfalls im Landkreis. Nur: Es gibt noch keine übergreifende Vermarktung. „Man muss eben die Betriebe anfahren“, sagt Kinshofer. Hier soll sich aber noch etwas tun.

-Regionale Produkte in Kantinen: Kinshofer hat sich in Kantinen und etwa Kindergärten informiert, die solche Produkte schon verwenden. Aber nur das Krankenhaus Agatharied und die Seniorenresidenz Schwaighof in Tegernsee hätten Interesse angemeldet, auch ökologische Lebensmittel einzusetzen. „Das ist nicht bei allem möglich, aber vor allem bei Fleisch und Milch sollten die Produkte aus der Region kommen.“

-Weiderind-Produkte: Eine spannende Sache, findet Kinshofer. „Wir wollen ein Netzwerk zwischen Landwirt, Metzger und Gastronomen schaffen.“ Dazu gab es schon Workshops, ein weiterer ist im Herbst geplant. Außerdem soll eine Webseite mit Schlachtterminen entstehen. „Mit der Masse kann die Region nicht mithalten, wir müssen das über höchste Qualität erreichen.“ Einen großen Schlachthof im Landkreis wird es aber nicht geben. Das Interesse der Metzger sei gering gewesen. Einige wollen sich aber vergrößern und biozertifiziert arbeiten.

-Blühflächen für Bienen: In einigen Gemeinden, besonders in Warngau, sind bereits Flächen für Bienen geschaffen worden. „Es geht aber nicht nur darum, einzelne Streifen zu bepflanzen“, sagt Kinshofer. Das wäre auch gute Aufwertungsarbeit, doch bei dem Projekt soll es um ökologische Ausgleichsflächen für Bauprojekte gehen. Mit Schildern will die Modellregion nun erklären, wo eine Wiese entsteht oder warum dort nicht gemäht wird. Gespräche mit Landwirten sind ebenso geplant.

-Kräuterregion: Die Gemeinde Fischbachau hat dazu ein Gesamtkonzept bei der ATS erstellen lassen. Fazit: Das Leitzachtal soll sich auf den Holler beschränken. Dazu gab es nun im August eine Tour zu zwei Hollerbauern in Bayern. „Bis zur Vermarktung ist es ein weiter Weg, und in Fischbachau kann das nur im kleineren Stil ablaufen“, sagt Kinshofer. Im kommenden Jahr sind eine Hollerpflanzaktion und ein Hollerblütenfest geplant.

-Genussscheinprojekte: Eines der erfolgreichsten Projekte der Ökomodellregion ist die direkte Beteiligung von Verbrauchern. Per Vorverkauf können sie sich quasi schon vorab etwa eine Fleischration sichern – die Familie Berghammer in Gmund hat so einen neuen Offenstall finanziert. „Die Leute haben bis aus Wien angerufen, weil sie wollen, dass unsere Landwirtschaft so kleinteilig bleibt.“ Eine Metzgerei, eine Käserei und eine Brauerei hätten ebenfalls Interesse für Genussscheinprojekte angemeldet.

-Bewusstseinsbildung: Von Anfang an hat sich Kinshofer darum bemüht. 75 Artikel zählt sie über die Ökomodellregion in der Presse, die Webseite berichtet über aktuelle Themen und auf Messen und Festivals versucht Kinshofer präsent zu sein.

Künftige Projekte der Öko-Modellregion in Miesbach

-Bio-Schmankerlstraße: Hier plant die Ökomodellregion einen Einkaufsführer, der die Menschen dorthin bringt, wo es die Produkte der Region gibt. „Der soll praktisch sein, sodass er auch angewandt wird.“ Ob es eine App oder ein Printprodukt wird, ist noch nicht klar. Bisher sei noch schwierig gewesen, alle Direktvermarkter zu erreichen.

-Bio-Milchprodukte: Die Milchviehwirtschaft bezeichnet Kinshofer als ein brisantes Thema. Es sei schwierig, hier etwas zu erreichen, da die Strukturen der Molkereien schon gegeben seien. Trotzdem soll bald ein Projekt angegangen werden: Die Naturkäserei TegernseerLand plant Bio-Trinkmilch anzubieten. Ein Starttermin steht noch nicht fest.

-Apfelsaft aus Streuobst: Als Zukunftsthema bezeichnet Kinshofer das Vorhaben, eigenen Apfelsaft aus Streuobst zu pressen. Bisher seien dafür jedoch beim Gartenbauverein nicht genügend Kapazitäten da gewesen. Einen Termin für weitere Besprechungen gibt es schon.

-Regionalprodukte im Supermarkt: In großen Ketten wie Edeka die regionalen Produkte anzubieten, sei schwierig umzusetzen. „Das ist in der Direktvermarktung einfacher“, gibt Kinshofer zu. Der Grund: Die Öko-Modellregion hat – anders als zu Beginn gedacht – kein Logo, das auf Produkten verwendet werden kann.

Ein Öko-Erlebnistag mit Wanderung zur Bucher Alm in Fischbachau findet am Sonntag, 10. September, statt. Die Alm wird von Familie Haase vom Leitzachtaler Ziegenhof bewirtschaftet. Werner Haase erklärt, was es heißt, Almbauer zu sein. Treffpunkt ist um 10 Uhr am Wanderparkplatz Birkenstein. Der Abstieg beginnt ab etwa 14.30 Uhr. Die Kosten betragen zehn Euro plus Kosten für Brotzeit und Getränke. Anmeldung per E-Mail an Marle ne.Hinterwinkler@t-online.de.

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