Beliebt bei Mountainbikern und Wanderern ist die Neureuth. Einige Wege auf dem Berg will die Steuerungsgruppe Mountainbike nun hinsichtlich ihrer Tauglichkeit als offizielle Bike-Trails begutachten.
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Beliebt bei Mountainbikern und Wanderern ist die Neureuth. Inwiefern hier offizielle Trails ausgewiesen werden können, prüft nun eine Steuerungsgruppe.

Zoff zwischen Radlern und Grundbesitzern

Offizielle Bike-Trails statt Radeln im Abseits

  • Bettina Stuhlweißenburg
    vonBettina Stuhlweißenburg
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Immer wieder geraten Mountainbiker und Grundbesitzer aneinander. Jetzt legt die Steuerungsgruppe Mountainbike einen Lösungsvorschlag auf den Tisch. Er sieht ein offizielles Strecken-Netz vor, für dessen Pflege die Gemeinden verantwortlich sind. Der Taubenberg ist darin nicht eingeplant.

Landkreis – Der Vorschlag der Steuerungsgruppe Mountainbike sieht vor, einige Wege, auf denen Mountainbiker radeln, explizit als Bike-Trails auszuschildern – und die Verkehrssicherungspflicht den Kommunen zu übertragen. Die Grundeigentümer, auf deren Flächen sich die Routen befinden, sollen dagegen von der gesetzlichen Haftung befreit werden.

Ziel ist, „ein kleines, aber feines Netz“ zu erarbeiten, wie Tim Coldewey auf Nachfrage mitteilt. Der Radexperte sitzt für die Alpenregion Tegernsee Schliersee (ATS) in der Steuerungsgruppe. Zwar gebe es bereits ein ausgeschildertes Netz, aber das sei fast 20 Jahre alt und erfülle nicht mehr die aktuellen Bedürfnisse von Mountainbikern.

Noch im April will die Steuerungsgruppe bestehende Mountainbike-Strecken dahingehend untersuchen, ob sie als offizielle Trails infrage kämen. Unter anderem Naturschutz- und Waldwirtschaftsbelange stehen dabei im Fokus. „Eine solche Untersuchung setzt das Einverständnis der Grundbesitzer voraus“, betont Coldewey. „Deshalb werden wir sie vorher um Erlaubnis bitten.“ Ist die Strecke geeignet – und der Grundbesitzer einverstanden – wird die Strecke als Radweg ausgeschildert.

Haftungsfrage

Coldewey hofft, die Eigentümer für das Vorhaben zu gewinnen, indem sie von ihrer Verkehrssicherungspflicht befreit werden. „Das Hauptproblem ist ja, dass die Grundstücksbesitzer haften müssen, wenn ein Radler auf ihrem Grund verunglückt. Deshalb sagen viele: Dann verbiete ich das Mountainbiken halt gleich.“

Coldewey will stattdessen die Kommunen in die Pflicht nehmen – analog zu den Wanderwegen. „Wir haben bei der Versicherungskammer Bayern nachgefragt, bei der Kommunen Wanderunfälle versichern. Die bestehenden Versicherungen könnten erweitert werden, um auch Radunfälle abzudecken.“ Das koste einen niedrigen dreistelligen Betrag im Jahr. Die Grundbesitzer müssten dann nur für sogenannte atypische Gefahren haften. „Das sind selbstgeschaffene Hindernisse, wie ein Stacheldrahtzaun.“

Die Gemeinden Fischbachau und Schliersee haben Coldewey zufolge bereits Versicherungen, die auch Radunfälle abdecken.

Beratung durch Verein

Damit es aber gar nicht erst zum Schadensfall kommt, müssten die Gemeinden die Trails in Schuss halten. „Wir stellen uns vor, dass die dafür zuständigen Bauhof-Mitarbeiter entsprechend beraten und geschult werden“, sagt Coldewey. Das könnte beispielsweise der Gravitationssportverein für Biker im Tegernseer Tal übernehmen.

Coldewey betont, dass sich die Kommunen einen Teil der Kosten über ein Förderprogramm des Umweltministeriums zurückholen könnten, da es sich um eine Lenkungsmaßnahme eines umweltverträglichen Tourismusangebots handle.

Routen

Noch stehen die Routen, die die Steuerungsgruppe begutachten will, nicht fest. . Eignen könnten sich hier Gindelalm, die Neureuth oder der Schliersberg. Die Steuerungsgruppe wird gemeinsam entscheiden, wo die Arbeit beginnen wird. Klar ist, dass der Taubenberg nicht begutachtet wird. „Der Taubenberg ist ein Sonderfall, den müssen wir ruhen lassen“, sagt Coldewey. Hier sei zu viel passiert und die ablehnende Haltung der Grundbesitzer verständlich. Wie berichtet hatte Warngaus Bürgermeister Klaus Thurnhuber (FWG) vorgeschlagen, den Bikern auf dem Taubenberg zwei Routen zu geben, nachdem Konflikte zwischen Sportlern und Grundbesitzern eskaliert waren. Doch die Eigentümer spielten nicht mit.

Positive Effekte

Die Steuerungsgruppe hofft, dass die Biker nicht mehr abseits der Wege fahren, wenn sie attraktive offizielle Strecken haben. „In diesem Sport gibt es viele Neulinge, die im ersten Lockdown dazugestoßen sind. Statt in den Urlaub zu fahren, haben die ihr Geld in eine Mountainbike-Ausrüstung gesteckt. Die müssen wir mit den Spielregeln erst vertraut machen.“ Coldewey will die offiziellen Trails deshalb auch im Internet veröffentlichen – ohne sie zu bewerben. Wie berichtet ist das wilde Herumfahren im Wald ein Problem für Flora und Fauna – und damit auch für die Waldwirtschaft, die ein gesundes Baumwachstum braucht.

Außerdem hofft die Steuerungsgruppe, Konflikte zwischen Wanderern und Radlern zu entschärfen und für mehr Sicherheit zu sorgen. „Wenn Schilder den Wanderern klar machen: Achtung, dieser Weg darf offiziell von Mountainbikern befahren werden, stellen die sich ganz anders darauf ein und passen auf“, sagt Coldewey.

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