Landrat Olaf von Löwis Landkreis Miesbach
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Der Landkreis ist bald sein Revier: der künftige Landrat Olaf von Löwis auf einem Bankerl bei Wilparting. Die Wallfahrtskirche am Irschenberg vor Bergpanorama zählt zu den bekanntesten Motiven im Landkreis.

„Da wird einiges von mir erwartet“

Olaf von Löwis über seinen Wahlerfolg, Corona-Krise und erste Ideen

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Ab dem 1. Mai übernimmt Olaf von Löwis als Landrat. Im Interview gewährt Löwis einen Einblick in seine Gemütslage und spricht über neue Herausforderungen.

Landkreis – Noch fünf Tage, dann übernimmt ein Neuer das Ruder im Landratsamt. In der Stichwahl setzte sich CSU-Bewerber Olaf von Löwis mit 65,4 Prozent deutlich gegen Amtsinhaber Wolfgang Rzehak (Grüne) durch. Nach nur einer Amtszeit bekommt der Landkreis damit wieder einen neuen Landrat. Im Interview gewährt Löwis einen Einblick in seine Gemütslage, spricht über neue Herausforderungen und blickt auch auf seine sechs Jahre als Holzkirchner Bürgermeister zurück.

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Olaf von Löwis über seinen Wahlerfolg, Corona-Krise und erste Ideen

Herr von Löwis, nur noch wenige Tage bis zu Ihrem Amtsantritt. Wie fühlt sich das an?

Spannend, aufregend, aber freudig aufregend. Ich merke, dass ich den Schritt nicht bereut habe. Ich durfte zuletzt schon etwas reinschmecken in meine neue Aufgabe, war beispielsweise bei zwei, drei Sitzungen des Corona-Krisenstabs mit dabei, in denen es um künftige Angelegenheiten gegangen ist. Ich bin also schon mit einem Bein in Miesbach, und vielleicht auch schon mit dem halben Kopf.

Sie haben mal gesagt: „Bürgermeister von Holzkirchen zu sein, ist der tollste Job, den ich je hatte.“ Wird Landrat noch toller?

(lacht) Das hoffe ich doch sehr – zumindest sollte es nicht schlechter werden. Nein, ich gehe mit der gleichen Freude wie in Holzkirchen auch in Miesbach ans Werk. Die ersten Kontakte zu den Mitarbeitern des Landratsamts zeigen, dass mir das nicht schwerfallen wird. Es sind allesamt sehr sympathische und gute Leute.

Wie sehr trübt die Corona-Krise Ihren Start?

Das Thema drückt schon sehr. Ich hatte ursprünglich geplant, gleich die Dinge anzugehen, die ich mir auch im Wahlkampf vorgenommen hatte. In erster Linie geht es jetzt aber um die Bewältigung der Corona-Krise. Viele Betriebe – bei uns vor allem aus Tourismus und Gastronomie – haben zurecht Sorge, wie’s weitergeht. Die Ersten haben sich schon bei mir gemeldet und mir geschildert, wie schlecht ihre derzeitige Situation ist und welche Forderungen sie haben. Das nimmt mich schon sehr mit. Da wird auch einiges von mir erwartet. Ich habe diesbezüglich aber schon Ideen. So werde ich mit Unterstützung von ATS und SMG (Tourismusunternehmen Alpenregion Tegernsee Schliersee und Standortmarketing-Gesellschaft; Anm. d. Red.) eine Taskforce ins Leben rufen, die sich dieser Probleme annimmt.

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Klingt so, als würde Corona erst mal alles überlagern?

Andere Themen rutschen von der Priorität her zwangsweise nach hinten, vieles wird aber auch parallel laufen. Die Landratsamtserweiterung oder die ersten Gespräche mit Gutachtern zum Nahverkehrsplan zum Beispiel.

Und dann ist da ja auch das Krankenhaus. Befürchten Sie angesichts der aktuellen Lage einen wirtschaftlichen Kollaps der Klinik, oder wird der Landkreis einspringen – koste es, was es wolle?

In der derzeitigen Krise zeigt sich, dass wir uns glücklich schätzen können, ein eigenes Krankenhaus zu haben. Wir müssen uns mit aller Kraft dafür einsetzen, dass das so bleibt. Das heißt auch, dass wir finanziell alle Register ziehen müssen. Da werden deutlich mehr Kosten auf den Landkreis zukommen – mit der Konsequenz, dass wir das eine oder andere Projekt werden neu kalkulieren müssen.

Ein Thema, das den amtierenden Landrat viele Sympathiepunkte gekostet hat, war das Erörterungsverfahren zur Wasserschutzzone. Eigentlich kann man bei dem Thema nur verlieren. Wie schnell packen Sie die Sache an?

Das Thema ist jetzt nicht vorrangig, aber es kommt. Ich möchte versuchen, ähnlich wie der Kreis Garmisch-Partenkirchen externe Spezialisten zurate zu ziehen, die das Thema objektiv aufarbeiten. Ich glaube, dass man bei einer fairen Anhörung die Emotionen auch wieder einebnen kann. Ganz klar, als Behördenleiter ist der Landrat bei dem Verfahren in einer Zwitterstellung. Er ist aber nicht von der Regierung oder einem Amt eingesetzt, sondern von den Bürgern gewählt. Ihnen, meinen Arbeitgebern, bin ich schon dahingehend verpflichtet, dass ich zunächst mal den Nutzen für sie hervorhebe.

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Können Sie vielleicht unbelasteter als andere an die Sache rangehen? Ihnen steht ja wegen der Altersgrenze nur eine Amtszeit zur Verfügung.

Dass ich nicht noch mal kandidieren kann, ist in der Tat eine gewisse Entlastung. Und verleiht mir auch eine gewisse Stärke.

Lassen Sie uns noch mal kurz auf die Wahl blicken. Mit etwas zeitlichem Abstand betrachtet: Was war in Ihren Augen ausschlaggebend dafür, dass Sie sich in der Stichwahl mit so deutlichem Abstand gegen den Amtsinhaber durchgesetzt haben?

Ich denke, dass es uns in erster Linie gelungen ist, die konservativen Wähler zu mobilisieren und zurückzuholen. In der Kreis-CSU hat schon lange nicht mehr so viel Geschlossenheit geherrscht wie derzeit. In vielen Kommunen haben die Verbände aus eigenem Antrieb heraus Wahlkampf für mich gemacht. Es herrscht jetzt eine ganz andere Stimmung. Einen Filz, wie er der CSU immer vorgeworfen wird, wird es nicht geben. Als Landrat habe ich da auch eine Vorbildfunktion.

Sie wechseln vom Amt des Holzkirchner Bürgermeisters direkt ins Amt des Landrats. Was hätten Sie als Gemeindeoberhaupt gerne noch zu Ende gebracht?

Die Freizeitmeile für die Jugendlichen war eine Punktlandung daneben. Sie ist fast fertig. Das tut mir schon ein bisserl weh, dass ich sie in meiner Amtszeit nicht mehr eröffnen kann. Gleiches gilt für die Erweiterung des neuen Friedhofs. Aber letztlich bin ich da überhaupt nicht eitel. Viel wichtiger ist doch, dass Projekte überhaupt zu Ende gebracht werden.

Was kann absehbar noch nicht abgeschlossen werden?

Bei der Verkehrsberuhigung wäre ich gerne etwas weitergekommen, aber viele Tausend Umstände haben das in die Länge gezogen. In erster Linie liegt das an den vielen Behörden, die beteiligt sind. Die Strukturen sind unheimlich träge. Diese unangenehme Erfahrung nehme ich mit und werde versuchen, ein bisserl was zu optimieren.

Weitere Enttäuschungen?

Ich neige nicht dazu, Enttäuschungen zu erleben. Gewurmt hat mich aber, dass ich den Gemeinderat damals nicht überzeugen konnte, bei den gemeindeeigenen Grundstücken in der Maitz den niedrigsten Schwellenwert anzusetzen. Beim Verkauf galt letztlich das Höchstpreisgebot. Das hat dazu beigetragen, dass die Grundstücke in Holzkirchen jetzt insgesamt wieder höher bewertet werden.

Was würden Sie als Ihre größte Leistung bezeichnen?

Die größte Leistung war es letztlich, die moralische Kondition aufzubringen, ans Geothermieprojekt zu glauben. Vor dem Erfolg standen ja doch einige Rückschläge. Ansonsten ist das, was realisiert wurde, nicht meine Leistung, sondern die meines Vorgängers, des Gemeinderats und der Rathausmitarbeiter. Ich sehe mich als Moderator. Als derjenige, der die Zügel in der Hand hält und schaut, dass die Kutsche fährt.

Der Kutscher hat es also in der Hand. In welchem Amt sehen Sie mehr Gestaltungsspielraum: Bürgermeister oder Landrat?

Der Bürgermeister hat mehr unmittelbaren Gestaltungsspielraum. Die Gestaltungskraft des Landrats wird aber oft unterschätzt. Warum sollten sich Landrat und Kreistag nicht gestaltend betätigen können, beispielsweise beim Nahverkehr oder dem sozialen Wohnungsbau? Ich muss mir nur ein Ziel setzen und mich dann fragen, wie ich meinen Gestaltungsspielraum so erhöhen kann, dass ich es erreiche.

Wen wünschen Sie sich vor diesem Hintergrund als Stellvertreter? Können Sie Wolfgang Rzehaks Aussage vom Wahlabend, das Amt stehe laut dem Wählerwillen den Grünen zu, nachvollziehen?

Gerade von den Grünen so etwas zu hören, passt nicht zu deren progressiver Art. Natürlich muss man auch über einen Grünen nachdenken, ein Automatismus ist die Fraktionsstärke aber nicht. Zumal die Grünen gerade mal einen Sitz mehr haben als die FWG. Es wäre schön, wenn mein Stellvertreter jemand ist, dem ich menschlich vertraue und der meinen Zielen nahe steht. Es muss passen. Ich möchte, dass das Vertrauen, das man braucht, von Anfang an da ist.

Namen?

Ich habe Namen im Kopf, kann und will mich dazu aber noch nicht äußern.

Wenn das gesellschaftliche Leben irgendwann wieder anläuft: Auf welchen Termin freuen Sie sich am meisten?

Tatsächlich habe ich die Wahl zum Landrat noch nicht gefeiert, und auch bei meinem Sohn steht noch ein Fest aus. Wenn’s wieder möglich ist, werden wir mit der Familie beide Anlässe gemeinsam feiern. Darauf freue ich mich.

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