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Im wahrsten Sinne des Wortes bunt war der Ostermarsch durch Miesbach. Rund 300 Teilnehmer zählten die Veranstalter – mehr als im vergangenen Jahr.

Ostermarsch in Miesbach

Frieden statt America first

Trump war in Miesbach – in aller Munde zumindest. Beim Ostermarsch in der Kreisstadt wurde der US-Präsident hart angegangen. „Frieden first“ und „Menschen first“ waren umjubelte Slogans.

Miesbach 300 Menschen marschierten laut Schätzung von Veranstalter Hermann Kraus am Karsamstag durch die Kreisstadt, mehr als im vergangenen Jahr. In Relation gesehen ist das beachtlich: Die Landeshauptstadt München brachte es auf etwa 1000. In Miesbach waren die Teilnehmer bunt gemischt: in Tracht oder ohne, mit Friedensfahne, mit Europaflagge, Einheimische, Flüchtlinge, Lokalpolitiker, ein Hund mit Peace-Symbol um den Hals. „Normalerweise zieht ein Ostermarsch Grauhaarige wie mich an“, sagte Kraus lächelnd. Er freute sich über die vielen jungen Gesichter: „Da tut sich was.“ Es gebe ein breites Bündnis in der Sorge um Frieden.

Von der Rudolf-Pikola- Schule ging es über das Mahnmal im Waitzinger Park und den Oberen Markt hinunter zum Rathaus. Hier begrüßte Paul Fertl (SPD) als Zweiter Bürgermeister die „Friedensmarschierer“, und Ludwig Pschierl sang Songs der Beatles, untermalt von seiner Gruppe Iganana. Warum wurde der Ostermarsch im vergangenen Jahr reaktiviert, nach 21 Jahren? „Es ist wieder nötig“, sagte Kraus seufzend. Friedliche Lösungen finden sei das Ziel, bekräftigte Walter Sedlmayer von der Arbeiterwohlfahrt (AWO).

Die Kernforderungen waren auf Tafeln gepinselt: Friedenspolitik statt Nationalismus. Kein Rassismus. Demokratie stärken. Jugend braucht soziale Sicherheit. Rüstungsexporte stoppen. Weyhalla-Chef Girgl Ertl forderte auf seinem Schild „artgerechte Haltung für Mensch, Tier und Natur“. Was hat Naturschutz mit Frieden zu tun? Kreisvorsitzender Manfred Burger vom Bund Naturschutz sagt: „Krieg schädigt alles.“

Umweltzerstörung und ungerechte Handelspolitik raubten ohnehin armen Menschen ihre Lebensgrundlage, stellte Lisi Maier klar. Die Vorsitzende des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend forderte dazu auf, gemeinsam für Werte einzustehen. Sie appellierte an den Grundgedanken von Europa als Friedensprojekt und rief von der Rathaustreppe: „Ihr zeigt Gesicht für eine solidarische, offene und pluralistische Gesellschaft. Ich hoffe, dass es euer Bündnis noch viele Jahre geben wird.“

Maier imponierte Kraus mit ihren Forderungen an die Politik. „Da war sie recht eindeutig“, stellte er fest. Es seien Waffen aus Deutschland, vor denen weltweit Millionen Menschen fliehen. Mehr Geld für Rüstung auszugeben, seien „verteidigungspolitische Muster von vorgestern“. Einerseits für diplomatische Lösungen sein, andererseits Waffen exportieren, das sei „schizophren“, fügte Sedlmayer hinzu.

Ordentlich auf sich aufmerksam machte der Motorradclub Edelweißpiraten. Er führte mit seinen Maschinen den Marsch an. Mitglied Bernd Böswald trug ein Gedicht vor. „Bevor wir über die Amis lachen, sollten wir uns an die eigene Nase fassen“, hieß es da unter anderem. Und: Alle Menschen werden Brüder, heiße es in Beethovens Ode an die Freude. „Was sind das nur für Menschen, die ihre Brüder so sehr hassen und sie hundertfach vor Lampedusa ertrinken lassen?“

Johanna Wieshammer

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