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Weihnachtstradition in Südamerika: Padre Enrique Rosner (M.) bei einer Heilig-Drei-Königs-Prozession. Sein Bruder Peter schätzt, dass das Foto Ende der 1970er-Jahre in Ecuador aufgenommen wurde.

„Der Advent dauert hier 365 Tage“

Padre Enrique Rosner wird an Weihnachten 80: So feiert er in Ecuador

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Ein runder Geburtstag an Weihnachten: Padre Enrique Rosner aus Miesbach, der seit 1971 in Südamerika lebt, wird am 25. Dezember 80 Jahre alt. Wie er dort feiert, hat er uns erzählt.

Miesbach – Ein bisschen Nadelbaum muss sein an Weihnachten – auch in Ecuador. Weil im tropischen Regenwald keine Fichten und Nordmanntannen gedeihen, machte sich Padre Enrique Rosner auf die Suche nach einem adäquaten Christbaumersatz. Fündig wurde er bei der Araukarie. Ein Koniferengewächs, das sich in Südamerika pudelwohl fühlt. So auch in Rosners Garten in Quito. Gleich mehrere dieser Bäume hat der Padre dort gepflanzt. „Die schauen fast aus wie eine deutsche Tanne“, sagt er. Jedes Jahr an Heiligabend schneidet er einen um, stellt ihn ins Wohnzimmer und schmückt ihn mit Wachskerzen, die er aus seiner Heimat Miesbach mitgebracht hat.

Padre Enrique Rosner feiert am 25. Dezember seinen 80. Geburtstag.

Seit 1971 lebt und arbeitet der Pfarrer und Miesbacher Ehrenbürger in Südamerika. Über Stationen in Buenos Aires (Argentinien) und Lima (Peru) kam er vor 40 Jahren als Missionar nach Ecuador. Genau die Hälfte seines Lebens hat Rosner nun hier verbracht. Ehrensache, dass er auch seinen 80. Geburtstag in Tababela, der Flughafenpfarrei der Hauptstadt Quito, feiert – und das wie immer am Ersten Weihnachtsfeiertag. Der Padre ist am 25. Dezember geboren, ist also gewissermaßen fast ein Christkindl.

Auch wenn sich die Weihnachtsbräuche in Ecuador stark von denen in seiner Heimat unterscheiden: Die eigentliche Geschichte der Heiligen Nacht erlebt Padre Enrique das ganze Jahr über. „Der Advent dauert hier 365 Tage“, sagt er. „Wir warten täglich und wir hoffen täglich.“ Auf eine humane, kirchliche Zukunft in einem Land, dessen Bewohner mit vielen, teils existenziellen Problemen zu kämpfen haben. Unzählige Flüchtlinge aus dem Hinterland und angrenzenden Staaten sind in Quito auf Herbergssuche – und immer wieder stranden einige vor Rosners Haustür.

Seine Rolle beschreibt der Padre dabei mit dem Gleichnis der Heiligen Drei Könige. „Ich fühle mich den Männern aus dem Morgenland sehr verbunden“, erklärt er. „Sie sind mutig neue Wege gegangen.“ Glauben stiften und Zeugnis geben: „Dafür lebe ich hier“, sagt Rosner. Und er hat viel bewegt in Südamerika: Er betreute Häftlinge auf einer Sträflingsinsel, baute ein komplettes Pfarrzentrum auf, half obdachlosen Erdbebenopfern und den Waorani-Indianern im Kampf gegen die Erdölindustrie. Mittlerweile ist der Padre in Pension – und trotzdem schuftet er weiter. „So ganz müde bin ich noch nicht geworden“, sagt er. „Es geht schon noch ein bisschen.“ Sein Leben, sagt Rosner, pendle zwischen Fernweh und Heimweh. Letzteres ist an Weihnachten besonders stark.

Das Fest in Ecuador lässt sich vor allem mit einem Wort beschreiben: bunt. Am Morgen nach der Christmette in der kleinen, aber brechend vollen Kirche in Tababela wird der Padre um 6 Uhr von den Klängen einer Mariachi-Band unter seinem Schlafzimmerfenster geweckt. Rund 50 Gemeindemitglieder kommen zum Gratulieren vorbei. Danach zieht sich Rosner zurück und telefoniert mit seinen Brüdern in Miesbach und Landshut. Das geht frühmorgens am besten, weil da die Leitungen noch stabil sind.

Doch auch auf anderem Wege können die Miesbacher ihrem Padre in der Ferne zum 80. Geburtstag gratulieren. Das geht entweder per E-Mail an parroquiaec.tababela @gmail.com oder per Post an seinen Bruder und „Missionssekretär“ Peter Rosner, der die Glückwünsche einscannt und an Padre Enrique weiterleitet. Briefe direkt nach Ecuador zu schicken habe wenig Sinn, meint Peter Rosner schmunzelnd. „Die kommen dann vielleicht erst an Ostern an.“

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