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Fürchtet massive Einbrüche: Franziska Voigtmann vom Miesbacher Atelier Blickwinkel in ihrem Passbild-Studio. 

„Das wäre eine Tragödie!“

Passbilder nur noch im Rathaus? Miesbacher Fotografin fürchtet um Existenz

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Geht der Gesetzesentwurf durch, dürfen ab 2021 Passfotos nur noch im Rathaus angefertigt werden. Die Miesbacher Fotografin Franziska Voigtmann fürchtet deshalb um ihre Existenz.

Miesbach – Sie sind quasi das Selfie für offizielle Dokumente – und der Graus eines jeden Fotostudios: Passbilder aus dem Automaten. Längst erfüllen die knipsenden Kästen die biometrischen Vorgaben für Personalausweis, Reisepass oder Visum. Und bald könnten sie sogar Einzug in die Amtsstuben halten. Um Fälschungen vorzubeugen, plant Bundesinnenminister Horst Seehofer, alle Passbehörden mit digitalen Fototerminals auszustatten. Geht der Gesetzesentwurf durch, würden ab Sommer 2022 analoge Bilder aus Fotostudios nicht mehr anerkannt (wir berichteten im überregionalen Teil). Was das für die Branche bedeutet, erklärt Franziska Voigtmann (32), Fotografin und Inhaberin des Miesbacher Ateliers Blickwinkel, im Interview.

Frau Voigtmann, wie wichtig sind Passbilder für Ihr Geschäft?

Franziska Voigtmann: Sie sind absolut unabdingbar. Ein großer Teil unseres Umsatzes stammt aus Aufnahmen von biometrischen Fotos. Wenn uns dieses Standbein wegbricht, würde das unsere Existenz bedrohen. Ich weiß nicht, wie ich dann meine beiden Mitarbeiterinnen weiter beschäftigten könnte.

Wirklich neu ist der Trend zum Automaten aber nicht.

Franziska Voigtmann: Nein. Und natürlich haben wir in den vergangenen Jahren einen leichten Rückgang bei den Passfotos gespürt. Aber das war nicht so dramatisch, weil im näheren Umkreis kein solcher Automat steht. Unsere Aufträge reichen also noch aus, um uns über Wasser zu halten. Das müssen sie auch, denn mit der digitalen Fotografie ist uns ja bereits seit Längerem unser früheres Hauptgeschäft weggebrochen.

Sie sprechen vom Entwickeln von Urlaubsfotos?

Franziska Voigtmann:  Zum Beispiel, ja. Zum Glück gibt es noch ältere Stammkunden, die die persönliche Beratung und unser eigenes Fotolabor schätzen. In jüngster Zeit spüren wir auch, dass klassische Fotos aus nostalgischen Gründen wieder stärker gefragt sind, etwa für ein Baby-Album. Allein davon leben könnten wir aber nicht mehr. So ein Geschäft verursacht ja auch Kosten.

Die haben Sie sicherlich auch, um die Auflagen der Passämter zu erfüllen, oder?

Franziska Voigtmann:  Tatsächlich haben wir immer wieder in neue Technik und Software investiert. Ich wäre durchaus auch bereit, mir einen der offiziellen Automaten anzuschaffen, wenn dies denn zulässig wäre. Sollten die aber wirklich nur noch in den Rathäusern stehen dürfen, wäre das das sichere Ende vieler Fotostudios. Ich weiß nicht, ob wir das sehr lange stemmen könnten.

Bleiben würden Ihnen dann lediglich noch die Bewerbungsfotos.

Franziska Voigtmann:  Ja, aber das reicht nicht, um die Verluste aufzufangen. Überlegen Sie mal, wie oft man sich in seinem Leben bewirbt und wie oft man einen neuen Ausweis braucht. Passbilder waren sichere Einnahmen, die wir dann ab 2022 nicht mehr hätten. Ausgerechnet in dem Jahr, in dem wir als Team unser 20-jähriges Bestehen feiern würden. Das wäre eine Tragödie!

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