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Hilfe zur Selbsthilfe: In seiner Heimatdiözese Arua in Uganda kümmert sich der Miesbacher Urlaubspfarrer Pater Primus Asega (2.v.l.) um ein Programm, das Flüchtlingen aus dem Kongo und Sudan den Anbau von Gemüse ermöglicht.

„Wir sagen, sie sind unsere Brüder und Schwestern“

Pater Primus Asega erklärt, wie Flüchtlingshilfe in Uganda funktioniert

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Flüchtlingshilfe in einem Land, das selbst Hilfe braucht: Alltag in Uganda, und das seit 50 Jahren. Mittendrin ist Pater Primus Asega, der jeden Sommer nach Miesbach kommt.

Miesbach – Das Wort „Flüchtling“ hat Pater Primus aus seinem Wortschatz gestrichen. „Wir sagen, sie sind unsere Brüder und Schwestern“, erklärt der Generalvikar der Diözese Arua im Norden Ugandas, der seit 16 Jahren als Urlaubsvertreter in den Pfarrverband Miesbach-Parsberg kommt. Weil der Caritasdirektor in seiner Heimat erkrankt ist, hat ihn der Bischof mit dieser Aufgabe betraut. In einem Interview mit Hermann Kraus für den Miesbacher Pfarrbrief gibt Pater Primus einen Einblick in ein Land, bei dem Flüchtlinge seit 50 Jahren zum Alltag gehören. Und in dem die Nächstenliebe scheinbar keine Grenze kennt – obwohl die Einheimischen selbst in großer Armut leben.

Pater Primus Asega aus Uganda kommt jeden Sommer nach Miesbach.

Die Offenheit seiner Landsleute gegenüber Hilfsbedürftigen aus den Nachbarländern Kongo und Sudan erklärt Pater Primus mit den Kriegen, die seit Jahrzehnten die Region prägen. „Es ist immer ein Hin und Her“, sagt er. Die Menschen in Uganda seien selbst zwei oder drei Mal in den Kongo oder Sudan geflohen, jetzt ist es eben wieder umgekehrt. „Wir kennen uns“, sagt der Pater. „Wir waren einmal bei ihnen und sie waren bei uns.“

Was nach Nachbarschaftshilfe klingt, ist für Arua ein im Vergleich zu hiesigen Verhältnissen nahezu unvorstellbarer Kraftakt. 2,8 Millionen Menschen leben in der Diözese, 700 000 Flüchtlinge sind alleine aus dem Südsudan hinzugekommen. „Wir haben mit ihnen geteilt, was wir hatten“, erzählt Pater Primus. „Wir sind sozusagen zusammen verhungert.“ Dennoch habe man niemanden abgewiesen. „Was hätten wir tun können?“, fragt der Pater. Sie seien als Menschen da, als Brüder und Schwestern, die in ihrer Heimat bedrängt wurden.

Wann sie dorthin wieder zurück können, weiß Pater Primus nicht. Gerade die Verhältnisse im Sudan seien zuletzt immer schlimmer geworden. Der Präsident und sein Vize würden sich bekriegen, weil sie unterschiedlichen Stämmen angehören. Die UNO befürchte, dass sich eine Form von Genozid entwickeln könnte. „Die bringen sich gegenseitig um“, sagt Pater Primus. Mit einer Besserung rechne er frühestens in fünf Jahren.

Ein zu langer Zeitraum, um die Menschen nur als Notfall zu behandeln. Deshalb haben Regierung, Kirche und das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen ein Programm zur Integration entwickelt. Jede Flüchtlingsfamilie erhält einen halben Hektar Land und Samen für den Anbau von Gemüse. 272 000 Flüchtlinge konnten sich so eine Überlebensgrundlage schaffen. Zum Einsatz kommen in erster Linie Bohnen, erklärt Pater Primus. „Die Blätter werden mit Salz gekocht und gegessen.“ Eine Notfallnahrung, die schnell wieder nachwächst. Das Geld für die Samen habe die Diözese von Caritas International in Rom bekommen. Aktuell werde zudem ein Hühnerhaus gebaut.

Mit am wichtigsten ist für Pater Primus aber die ein- bis zweiwöchige Ausbildung, mit der den Flüchtlingen erklärt wird, wie sie ihr kleines Stück Land am besten nutzen. „Das ist für mich der Weg“, sagt der Geistliche. Aus der Notfall- wird eine Nachbarschaftshilfe. Und eine Chance, dem generationenlangen Krieg aus eigener Kraft zu entkommen.

Im Weihnachtspfarrbrief

des Pfarrverbands Miesbach-Parsberg schildert Pater Primus in einem weiteren Interview seine Eindrücke zur Gesamtsituation in Uganda und zeigt Wege für eine bessere Zukunft in seiner Heimat auf.

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