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Per Infrarot und Induktion: So werden Wanderer und Biker bald erfasst

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Von: Sebastian Grauvogl

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Besucherzählanlage, Rotwand, Wanderweg
Komplexe Technik unter der Erde: Eine Besucherzählanlage mit Infrarotsensoren und Induktionsschleifen wird auf einem Wanderweg an der Rotwand eingebaut. © ATS

Wer geht wann wohin? Und bleibt er auf dem Weg? Diese Fragen wollen die Initiatoren der Modellregion Naturtourismus mit Besucherzählanlagen in den Bergen beantworten. So geht es.

Landkreis – Sie schlummern unter den Wegen. Doch wenn sie Körperwärme spüren, wachen sie auf. Dann machen sie eine Notiz und schicken sie nach draußen. So in etwa funktionieren die neuen Besucherzählanlagen, die die Verantwortlichen der Modellregion Naturtourismus in den Bergen im Landkreis installieren lassen. An der Rotwand laufen die Messungen bereits, vor dem Winter sollen sie auch am Hirschberg und am Taubenberg starten. Ziel ist es, die Wege von Wanderern und Radlern aufzuzeichnen – und damit eine gezielte Lenkung der Besucherströme in der sensiblen Natur zu erreichen.

Nur ein Teilaspekt des mit 100 000 Euro von Umweltministerium und Landkreis geförderten Projekts. Wie berichtet, sollen mit konkreten Maßnahmen Konflikte zwischen Freizeit und Tourismus auf der einen sowie Alm-, Land- und Forstwirtschaft auf der anderen Seite abgebaut beziehungsweise künftig ganz verhindert werden. Bei mehreren Tagungen und an Runden Tischen haben die Beteiligten drei Pakete geschnürt: die Schaffung von Naturerlebnisangeboten, die Sensibilisierung von Veranstaltern und Gästeführern als Multiplikatoren sowie die Besucherlenkung in den drei genannten Pilotregionen.

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Vor allem letztere soll laut Thorsten Schär, Geschäftsleiter der Alpenregion Tegernsee-Schliersee (ATS), zu einer „Versachlichung der Diskussion“ um Wanderer, Mountainbiker und Skitourengeher, die sich nicht an die für sie vorgeschriebenen Wege halten und damit die Natur gefährden, beitragen. „Sporadische Beobachtungen alleine reichen da nicht“, erklärt Schär. Nur mit statistisch messbaren Daten könne man herausfinden, ob die bislang durchgeführten Maßnahmen greifen oder wie man am besten nachsteuern kann.

Diese sollen nun die neun Besucherzählanlagen liefern. Dabei handelt es sich um kleine Tonnen in der Größe eines Haushaltseimers, die an bestimmten Stellen unter den Wegen vergraben werden. Sie enthalten jede Menge Technik. Ein Infrarotsensor erkennt Wanderer und Radler anhand ihrer Körpertemperatur – und das in einem Umkreis von bis zu 15 Metern.

Sollte es sich um ein Fahrrad handeln, schlägt zudem eine der Induktionsschleifen an, die die Felgen anhand eines magnetischen Impulses ausfindig machen. Die so ermittelten Daten werden gespeichert und einmal am Tag über das Mobilfunknetz zu den Computern der Auswerter geschickt. „So wissen wir, wann jemand da war und können nachvollziehen, wo er hingegangen oder -gefahren ist“, erklärt Schär. Der Akku hält zwei Jahre.

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Mit belastbaren Ergebnissen rechnet der Geschäftsleiter bereits im kommenden Jahr. Dann habe man einen Langzeitvergleich und könne damit auch etwaige Ausreißer herausrechnen. Tatsächlich nämlich reagieren die unterirdischen Sensoren nicht nur auf menschliche Körperwärme. Kühe, Schafe oder andere Tiere können genauso in die Wertung einfließen, räumt Schär ein. So habe man an der Rotwand in einer Nacht rund 300 Bewegungen registriert. Eine riesige Gruppe von Nachtwanderern? Schär schüttelt schmunzelnd den Kopf. „Wir gehen eher von einer aktiven Tierherde aus.“

Wo sich die einzelnen Messstellen genau befinden, will der ATS-Geschäftsleiter ganz bewusst nicht verraten. „Wir wollen keine Randale fördern“, sagt er. Und auch nicht provozieren, dass die Freizeitsportler die Stationen umgehen oder umfahren und damit die Ergebnisse verfälschen. Über den Datenschutz brauche sich ohnehin niemand sorgen, meint Schär und lacht: „Wir erheben keine personenbezogenen Informationen.“ Weder bei Mensch, noch bei Tier.

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