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Pfarrer Erwin Sergel, hier mit seiner Frau Pfarrerin Anika Sergel-Kohls, hat Interessantes über seine Gemeinde herausgefunden.

„In Oberbayern in der Diaspora“

Pfarrer Sergel hat seine Gemeinde durchleuchtet und Interessantes herausgefunden

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Die evangelische Kirchengemeinde Miesbach hat ihre Mitglieder statistisch durchleuchtet. In unserem Gespräch erklärt Pfarrer Erwin Sergel, welche Überraschungen er dabei fand.

Miesbach – Die evangelische Kirchengemeinde Miesbach erweitert derzeit ihr Kirchenzentrum in Miesbach. Damit sie dafür richtig planen kann, haben Pfarrer Erwin Sergel und der Kirchenvorstand die Kirchengemeinde statistisch durchleuchtet. In unserem Gespräch erklärt Sergel, welche überraschenden Antworten sie dabei gefunden haben und wie diese die Gemeinde beeinflussen.

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Pfarrer Sergel hat seine Gemeinde durchleuchtet und Interessantes herausgefunden

Herr Sergel, warum will Ihre Kirchengemeinde so viel über ihre Mitglieder wissen?

Wir standen mit dem Gemeindehaus in Miesbach vor einem großen Bauprojekt. Wer ein Haus saniert und erweitert, muss wissen, für wen er baut. Deswegen haben wir uns intensiv mit der Situation unserer Kirchengemeinde auseinandergesetzt. Wir haben uns gefragt: Woher kommen die Menschen? Wie leben sie? Was brauchen sie von uns?

Was ist Ihre Antwort?

Interessant ist: Unsere 2500 Gemeindemitglieder leben in 1900 Haushalten. Das heißt, die große Mehrheit lebt als der einzige Evangelische im Haushalt. Weil aber nur ein kleiner Teil unserer Mitglieder alleine lebt, bedeutet das, die meisten von Ihnen leben mit Menschen, die entweder katholisch sind, einer anderen Religion angehören oder ohne Bekenntnis sind.

Was bedeutet das für Ihre Arbeit?

Wir haben einen ökumenischen Auftrag. Wir müssen das Gemeindeleben offen ausrichten. Das haben wir schon immer gemacht, aber die Erhebung hat uns darin bestätigt – gerade was den Neubau betrifft.

Auch, weil die meisten Ihrer Gemeindemitglieder zugezogen sind?

Genau. Evangelische sind in Oberbayern in der Diaspora, das heißt in der Minderheit. Sie stellen nur neun bis zehn Prozent der Bevölkerung. Das merkt man auch in unserer Gemeinde. Wie die Erhebung gezeigt hat, kommen nur 17 Prozent der Mitglieder gebürtig aus dem Landkreis. Die übrigen 83 Prozent sind zugezogen. Der Großteil kommt aus Bayern und den alten Bundesländern, aber auch aus dem Osten Deutschlands und Osteuropa. Das heißt: Unsere Kirchengemeinde ist ein Ort zum Ankommen.

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Ist Ihre Gemeinde also ein Zuagroasten-Stammtisch?

Nein. Das Erstaunliche ist: Zwar kommen die wenigsten Menschen aus dem Landkreis. Wenn man sie aber fragt, wie viele der übrigen Gemeindemitglieder hier geboren sind, schätzen sie Werte um 80 Prozent. Auch ich hätte gedacht, es sind deutlich mehr, als es wirklich sind. Die Integration funktioniert also. Auch die Zugereisten haben sich so gut eingelebt, dass man kaum merkt, woher sie kommen.

Wie funktioniert das?

Die Highlights sind, wenn sich Menschen begegnen. Neulich hatten wir zufällig zeitgleich den Chor 65+, den Integrationssprachkurs und die Kinder der Kinderkrippe Klostergeister im Haus. Sie kamen im Foyer zusammen und hatten Freude am Austausch. Wenn sich Menschen aus so verschiedenen Gruppen begegnen, ist das etwas Tolles. Unser neues Gemeindehaus soll das unterstützen. Es soll ein Haus der Begegnung werden.

Deswegen der Fokus auf Barrierefreiheit?

Ja. Wir wollen in Zukunft viel inklusiver arbeiten. Auch Menschen mit Einschränkungen sollen sich bei uns willkommen fühlen. Das fängt beim barrierefreien Bauen an. Wir haben uns mit Menschen getroffen, die schwer sehen, hören oder gehen können und sie gefragt, was sie sich wünschen. Das Ergebnis ist, dass wir auf starke Kontraste setzen, Induktionsschleifen installieren und so bauen, dass auch Menschen im Rollstuhl am gesamten Gemeindeleben teilnehmen können.

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