„Du bist Christ – mach was draus“

Pfarrgemeinderatswahl: Darum sollten alle Christen ihre Stimme abgeben

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Die Pfarreien im Landkreis bereiten sich auf die Pfarrgemeinderatswahlen am 25. Februar vor. Die Briefwahlunterlagen werden bereits verschickt. Was es zu beachten gilt, steht hier.

Peter Hinterseher ist Vorsitzender des Katholikenrats Miesbach.

Landkreis – „Am Ende macht der Pfarrer doch sowieso, was er will.“ Ein Bild, das bis heute hartnäckig in den Köpfen vieler Christen herumspukt – und das diese oft von einem Engagement in den kirchlichen Gremien abhält. Es stammt aus der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg, als die Geistlichen die Mitglieder der damals eingerichteten Pfarrausschüsse selbst einberiefen. Diese waren damit tatsächlich nicht mehr als der verlängerte Arm des Pfarrers. Doch seitdem hat sich vieles verändert – und darauf weisen das Landeskomitee der Katholiken in Bayern und die Erzdiözese München und Freising vor den Pfarrgemeinderatswahlen am 25. Februar mit Nachdruck hin.

Genau 50 Jahre ist es her, dass die ersten Rechtsordnungen des Zweiten Vatikanischen Konzils in den deutschen Diözesen in Kraft traten. Ein Wendepunkt im Verhältnis zwischen Laien und Geistlichkeit. Und eine Rückbesinnung auf ein Kirchenbild, in dem das Volk Gottes im Mittelpunkt steht: die Gläubigen, die durch ihre Taufe vom Herrn selbst berufen sind. Diese Chance für Mitbestimmung und Verantwortung sollten die Menschen auch nutzen, sagt Peter Hinterseher, Vorsitzender des Katholikenrats Miesbach. „Du bist Christ – mach was draus“, lautet deshalb das Motto der anstehenden Pfarrgemeinderatswahlen. Alles Wichtige haben wir in diesem Überblick zusammengefasst.

 

Wahlberechtigt sind alle Katholiken, die das 14. Lebensjahr vollendet haben. Das sind im Landkreis Miesbach knapp 55 000 Menschen. Die Wahlunterlagen erhalten sie in den kommenden Wochen per Post zugesandt. Erstmals in der Geschichte der Pfarrgemeinderatswahlen werden diese heuer per Briefwahl durchgeführt. Alternativ können die Stimmzettel am Wahltag bis 12 Uhr in den jeweiligen Pfarrbüros abgegeben werden.

 

Hier liegt das Mindestalter ein bisschen höher. Das 16. Lebensjahr muss vollendet haben, wer sich für einen Platz im Pfarrgemeinderat zur Wahl stellen will. Die Frist, bis zu der die Vorschläge eingereicht werden konnten, ist am 7. Januar verstrichen. Laut Hinterseher sind in den 32 Pfarreien im Landkreis je nach Anzahl der Katholiken zwischen sechs und acht Plätze zu besetzen.

„Im Idealfall gibt es doppelt so viele Kandidaten“, sagt Hinterseher. Wie bei jedem Ehrenamt sei die Suche nach Mandatsträgern aber nicht leicht. Doch auch wenn es in manchen Pfarreien nur wenig Auswahl gibt: Seine Stimme abgeben sollte man auf jeden Fall, meint Hinterseher. „Das ist eine Legitimation für die Gremien.“

 

Bei der konstituierenden Sitzung wählen die Pfarrgemeinderäte einen Vorsitzenden. Anders als früher ist dies nicht mehr automatisch der Pfarrer. Dann sollten sich die neugewählten Pfarrgemeinderäte auch ein Leitbild als Fundament für ihre vierjährige Amtszeit geben, sagt Hinterseher. Themen könnten zum Beispiel eine Vision von Kirche und Pfarrgemeinde sein, aber auch Worte Jesu sowie Werte, Prinzipien und Überzeugungen, die die Gläubigen leiten.

Die Aufgaben der Pfarrgemeinderäte sind vielfältig. Als Beratungs- und Entscheidungsgremium haben sie ein Mitspracherecht bei der Planung von pastoralen Schwerpunkten, der Gestaltung von Gottesdiensten, aber auch bei der Erstkommunion- und Firmvorbereitung.

 

Wenn es um Entscheidungen über Finanzen, Grundstücke und Personal geht, endet das Mitbestimmungsrecht des Pfarrgemeinderats. Hier kommt jedoch ein anderes Gremium ins Spiel: die Kirchenverwaltung. Doch auch deren Mitglieder werden von den Gläubigen der Pfarrei gewählt. Auch diese Wahlen finden heuer statt, und zwar am 18. November. Bestrebungen, Pfarrgemeinderat und Kirchenverwaltung in einem gemeinsamen Gremium zu vereinen, gibt es seit der Würzburger Synode Mitte der 1970er-Jahre. Sie waren bislang jedoch nicht von Erfolg gekrönt.

Rubriklistenbild: © dpa

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