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„Das war für uns alle ein Abenteuer“

Pfarrkindergarten fährt seit 25 Jahren auf die Hütte

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Was 1992 als Experiment begonnen hat, ist heute eine feste Tradition: Seit 25 Jahren zieht es den Miesbacher Pfarrkindergarten bei seiner Abschlussfahrt auf die Miesbacher Hütte am Spitzingsee. 

Spaß am Ufer des Spitzingsees: Schwester Antonella gibt den Startschuss für eine kleine Regatta mit den Segelschiffen, die die Kinder selbst gebastelt haben.

Miesbach – Mit einem leichten Grummeln im Bauch packte Sibilla Lorscheid vor 25 Jahren ihren Rucksack. Eine Hüttenübernachtung mit zwölf Vorschulkindern, zum ersten Mal überhaupt in der Geschichte des Pfarrkindergartens in Miesbach: „Das war für uns alle ein Abenteuer“, erzählt die heutige Leiterin. So waren nicht nur die Sechsjährigen ziemlich aufgeregt vor ihrer ersten Nacht ohne Mama und Papa. Auch Lorscheid wusste nicht so genau, was sie und ihre Kolleginnen bei ihrem Ausflug auf die Miesbacher Hütte alles erleben würden. „Wir haben das als Experiment gesehen“, sagt Lorscheid. Als sie den Kindern am Morgen nach der Übernachtung den selbst gebastelten Hüttenorden an die stolz geschwellte Brust heftete, war die Erleichterung umso größer. Die Premiere einer mittlerweile 25-jährigen Tradition war geglückt.

Wie die Idee zu dieser außergewöhnlichen Abschlussfahrt für die Vorschulkinder entstanden ist, daran kann sich Lorscheid nicht mehr genau erinnern. Dafür aber, dass diese anfangs nicht unumstritten war. So trauten manche Eltern ihrem Nachwuchs noch nicht zu, alleine auf der Hütte zu übernachten. „Einige haben befürchtet, dass ihr Kind furchtbar Heimweh bekommen und schlimmstenfalls sogar einen Schaden davontragen könnte“, erinnert sich Lorscheid. Doch das Team unter der damaligen Leiterin Schwester Helga ließ sich nicht von seinem Plan abbringen und bereitete Eltern und Kinder behutsam auf das große Abenteuer vor.

So kam es, dass sich im Mai 1992 die erste Gruppe mit dem Bus auf den Weg in die Berge machte. Am Parkplatz angekommen, wanderten die Kleinen durch den Wald bis zur Hütte. Den meisten Proviant hatte das Kindergartenteam bereits am Tag zuvor an den Spitzingsee gefahren, den Rest zogen sie mit Leiterwagen hinter sich her. Am Ufer angekommen, durften die Kinder ihre selbst gebastelten Segelschiffe aus Holz und Papier zu Wasser lassen.

Nach einer Brotzeit stand dann schon die nächste Wanderung auf dem Programm. „Beim ersten Mal sind wir sogar bis auf die Firstalm marschiert“, erzählt Lorscheid. Gestärkt von den Kuchen der Mamas und dem Abendessen mit Nudeln und Tomatensoße wurde es dann noch mal spannend. Mit Taschenlampen spazierten die Abenteurer mit ihren Betreuerinnen einmal im Dunkeln um den See. Glücklich und erschöpft fielen ihnen dann im Matratzenlager meist schnell die Augen zu. Für Heimweh blieb dabei gar keine Zeit.

Auch bei Regen keine Langeweile: Die Betreuerinnen Sibilla Lorscheid (2.v.r.) und Christine Lange (3.v.l.) basteln mit den Kindern in der Stube der Hütte.

Tatsächlich kann Lorscheid die Fälle, in denen ein Kind vorzeitig von seinen Eltern abgeholt werden musste, an einer Hand abzählen. So erinnert sie sich an ein Mädchen, das plötzlich Fieber bekommen hatte. „Die war dann sogar traurig, dass sie heimmusste.“ Doch weil die nächste Telefonzelle ein gutes Stück entfernt war, sah sich Lorscheid zu diesem Schritt gezwungen. Noch heute schmunzeln muss die Kindergartenleiterin hingegen über die eher berguntaugliche Kleidung eines anderen Mädchens. „Die Eltern hatten ihr Lackschuhe angezogen und einen Trolley mitgegeben“, sagt Lorscheid und lacht.

Ernste Zwischenfälle seien aber in all den Jahren ausgeblieben. „Wir hatten zwar immer wieder mal ein nasses, aber nie ein verletztes Kind“, erzählt Lorscheid. Das lag nicht zuletzt an den wachsamen Betreuerinnen. Egal ob die Kinder draußen spielten oder sich bei Regen in der Hütte mit Bastelaktionen die Zeit vertrieben: Immer hatte sie ein Erwachsener im Blick. Selbst im Schlafraum waren die Kleinen nicht allein.

Das ist auch heute noch so. Weder am Programm, noch an der Organisation hat das Kindergarten-Team über die Jahre viel verändert. Die anfängliche Kritik hat sich aber mittlerweile ins Gegenteil verwandelt. „Die Eltern fragen schon lange vorher nach dem nächsten Termin für die Hüttenfahrt“, erzählt Lorscheid stolz. Die Idee, zwei Tage mitten in der Abgeschiedenheit der Berge zu verbringen, funktioniert auch 2017 noch. Und obwohl die Kleinen mittlerweile ganz anders aufwachsen als vor 25 Jahren: Den Zauber eines Abenteuers hat sich die Hüttenfahrt bis heute bewahrt.

Ehemalige sollen berichten

Anlässlich des 25-jährigen Bestehens der Abschlussfahrten auf die Miesbacher Hütte sucht der katholische Kindergarten ehemalige Vorschulkinder, die in diesem Jahr bei einer kleinen Feierstunde mit Kaffee und Kuchen von ihren Abenteuern und Erlebnissen am Spitzingsee erzählen wollen. Neben einem kleinen Programm ist auch eine Überraschung für die Gäste geplant. Wer sich angesprochen fühlt, kann sich beim Kindergarten unter 0 80 25 / 99 72 70-0 oder per E-Mail an kiga.miesbach@gmail.com melden.

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