Immer nötiger: In den nächsten Jahrzehnten werden mehr Menschen im Landkreis Pflege brauchen als jetzt. Eine Studie spricht von 800 Plätzen in Pflegeeinrichtungen. Das Landratsamt geht von weniger aus. 
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Immer nötiger: In den nächsten Jahrzehnten werden mehr Menschen im Landkreis Pflege brauchen als jetzt. Eine Studie spricht von 800 Plätzen in Pflegeeinrichtungen. Das Landratsamt geht von weniger aus. 

Landratsamt zuversichtlich

Pflege-Studie: Bis 2050 hunderte Heimplätze und Fachkräfte im Landkreis Miesbach nötig

  • Christian Masengarb
    VonChristian Masengarb
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Eine Studie des unabhängigen Beratungsinstituts IGES sagt dem Landkreis für die nächsten Jahrzehnte einen stark steigenden Pflegebedarf voraus, inklusive Hunderten fehlenden Fachkräften.

Landkreis – Eine Studie des unabhängigen Beratungsinstituts IGES sagt dem Landkreis für die nächsten Jahrzehnte einen stark steigenden Pflegebedarf voraus, inklusive Hunderten fehlenden Fachkräften. So dramatisch das klingt: Das Landratsamt beurteilt die Lage entspannter. Christine Dietl, Seniorenbeauftragte des Landkreises, ist zuversichtlich, die Herausforderung zu meistern.

Die Zahlen bis 2050

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Die Studie

Die IGES-Studie untersucht für alle bayerischen Landkreise Bevölkerung und Pflegeangebot. Dann sagt sie voraus, wie sich die Lage in den kommenden Jahrzehnten entwickeln dürfte. Derartige Prognosen sind natürlich immer Schätzungen. Doch die fällt im Falle der Studie so deutlich aus, dass selbst Abweichungen nichts an der Aussage ändern würden: Bleibt alles, wie es ist, fehlen im Landkreis laut IGES bis 2050 Hunderte Pflegeplätze und Fachkräfte.

Eine Ursache dafür ist die alternde Bevölkerung, die die Studie dem Landkreis voraussagt. Bis 2050 sollen anderthalb mal so viele Menschen über 80 Jahre hier leben wie derzeit: Das sind rund 4000 mehr als jetzt. Auch die Altersklasse von 65 bis 80 Jahren wächst um rund 2000 Einwohner. Alle anderen Altersgruppen bleiben gleich groß oder schrumpfen etwas. Da Menschen im hohen Alter häufiger Pflege brauchen als Jüngere, treibt diese Entwicklung die Nachfrage: Bis 2050 müssten die Pflegekapazitäten nach IGES fast verdoppelt werden, um alle Menschen versorgen zu können.

Das heißt im Detail: Fast 800 Plätze für vollstationäre Dauerpflege müssen im Landkreis laut Studie neu entstehen. Das entspräche rund sieben oder acht neuen Pflegeheimen. Derzeit gibt es zehn. Die Einrichtungen brauchen Personal: Über 450 zusätzliche Pflegekräfte müssten laut Studie bis 2050 im Landkreis arbeiten, die Hälfte davon Fachkräfte. Auch die Nachfrage nach Tagespflege wird laut Studie steigen, aber deutlich weniger.

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Das Landratsamt

Etwas anders als die Studie schaut Seniorenbeauftragte Dietl nach vorne. Sie schreibt ständig die Pflegestatistik des Landkreises fort, um Bedarfsänderungen zu erkennen und Knappheiten zu vermeiden. Dabei berechnet sie auch Zweitwohnsitze mit ein, die den Pflegebedarf zusätzlich antreiben. Trotzdem erwartet sie einen geringeren Anstieg als IGES.

Beispiel Altersverteilung: Zwar sagt auch Dietl, dass die Bevölkerung immer älter wird. Gleichzeitig fühlten sich Menschen über 65 Jahren heute aber deutlich gesünder als vor einigen Jahrzehnten und setzten sich mehr mit Gesundheitsrisiken sowie Prävention auseinander. Deswegen müsse ein geringerer Teil von ihnen gepflegt werden. Das gleiche die älter werdende Bevölkerung teils aus. „Konkrete Prognosen auf einen Zeitraum von 30 Jahren abzugeben, ist schwer“, sagt Dietl. Aber sie erwartet eher einen moderaten Anstieg des Pflegebedarfs.

Diesen könne der Landkreis stemmen, glaubt die Expertin. Einerseits würden sich in den nächsten Jahren mehr alternative Wohnansätze durchsetzen, etwa Wohngemeinschaften und Hausgemeinschaften für Senioren oder integrierte Wohnprojekte. Das senke die Pflegenachfrage. Gleichzeitig böten viele größere Gebäude und Bauernhöfe Möglichkeiten zur Umnutzung: Wo Platz gebraucht wird, sei er da.

Fachkräfte seien zugegebenermaßen derzeit nicht ausreichend vorhanden, sagt Dietl. Sie glaubt aber, die Bildungsoffensive in diesem Bereich werde in den nächsten Jahren greifen und mehr Personal schaffen. Darüber hinaus könnten die Pflegeeinrichtungen mit Personalwohnungen, guter Bezahlung und Zusatzangeboten für Familien Angestellte anziehen.

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Landkreis-Vergleich

Überraschendes offenbart die IGES beim Vergleich des Landkreises mit seinen Nachbarn: Laut Studie wird der Pflegebedarf hier weniger wachsen als in Bad Tölz-Wolfratshausen und Rosenheim. Gleichzeitig pflegen auch laut IGES hier mehr Menschen ihre Angehörigen zuhause. Das heißt: Es gibt weniger Pflegebedürftige, und davon müssen weniger in Heime als bei den Nachbarn.

Beispiel Rosenheim: Laut IGES braucht der Landkreis bis 2050 über 3000 neue Heimplätze – fast viermal so viel wie Miesbach. Weil in Rosenheim aber nur rund zweieinhalb mal so viele Menschen leben wie hier, müssen im dortigen Landkreis – auf die Bevölkerung gerechnet – anderthalb mal so viel Heimplätze entstehen und entsprechend mehr Personal angeworben werden.

Selbst wenn der schlechteste Fall eintritt und der Landkreis Miesbach, wie von IGES vorhergesagt, 800 neue Plätze in Pflegeheimen braucht, bleibt die Erkenntnis: Anderswo ist noch mehr zu tun.

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