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Anfang 2018 ist Schluss: Das Autohaus Kathan muss seine Niederlassung in Miesbach schließen. der Pachtvertrag wird nicht verlängert. Nun sucht die Firma einen neuen Standort.

Pläne für neues Wohn- und Geschäftsgebäude an der Münchner Straße in Miesbach

Mit Türmchen und einem Spielplatz im ersten Stock

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Auch im zweiten Anlauf blieb das Problem dasselbe: Der Baukörper, der riegelartig auf dem Grundstück zwischen der Münchner Straße und dem Windfeld entstehen soll, ist den Mitgliedern des Miesbacher Bauausschusses zu massiv.

Zudem legten sie dem Bauwerber und dessen Planer nahe, stärker auf Wohn- statt auf gewerbliche Nutzung zu setzen. „Denn das, was uns in der Stadt fehlt, sind Wohnungen“, erklärte Zweiter Bürgermeister Paul Fertl (SPD).

Mit dieser Forderung bringt der Ausschuss seine eigene Verwaltung ein wenig in die Bredouille. Wie berichtet, hat die Stadt mit der neuen Bebauung die Möglichkeit, diesen Bereich von einem Gewerbe- in ein Mischgebiet zu ändern – als passende Übergangsform zum südlich angrenzenden allgemeinen Wohngebiet. Den entsprechenden Aufstellungsbeschluss hatte der Ausschuss bereits im Oktober gefasst, die Pläne zur Überarbeitung jedoch an Architekt Joachim Staudinger zurückgegeben.

Um ein solches Mischgebiet als Übergang zum nördlich gelegenen Sondergebiet Einzelhandel des Hagebaumarkts ausweisen zu können, braucht es jedoch ein halbwegs ausgeglichenes Verhältnis zwischen Wohnen und Gewerbe. Der Bauamtsleiter nannte als Hausnummer 60:40 pro Wohnen, vielleicht auch gerade noch 70:30.

Bislang sieht die Planung einen einzigen 72 Meter langen Gebäudekomplex vor. Ins Untergeschoss kommt eine Tiefgarage, im ersten und zweiten Obergeschoss sind etwa 20 Wohnungen mit Dachterrassen und kleinen Gärten vorgesehen, und das Dach selbst bietet Platz für drei Penthouse-Wohnungen. Ins Erdgeschoss soll großflächiges Gewerbe einziehen – allerdings kein Supermarkt, so der Wunsch der Stadt.

Da noch nicht feststeht, welche Art Gewerbe einziehen soll, sei auch der Bauherr gegenüber Wohnnutzung nicht abgeneigt, erklärte Staudinger. Doch das „löst das Problem der Stellplätze“ aus, gab er zu bedenken. Pro Wohnung müssen nach der städtischen Satzung zwei Stellplätze nachgewiesen werden – das mache am Ende gar mehr aus als bei manchem Gewerbe. Und die Parkraummöglichkeiten seien durch die Tiefgarage, die über das Windfeld angefahren werden soll, begrenzt.

Dritter Bürgermeister Michael Lechner (FW) machte sich dennoch dafür stark, Wohnungen den Vorzug zu geben. Gleichzeitig forderte er, den Riegel aufzulockern und zwei Baukörper zu machen. Das sei mit Blick auf die Abstandsflächen aber recht schwierig, entgegnete der Planer. Doch auch Bürgermeisterin Ingrid Pongratz (CSU) stellte fest: „Die Versiegelung ist zu groß.“

Für Erstaunen sorgte auch Staudingers Lösung, in der nordwestlichen Ecke im ersten Stock einen 60 Quadratmeter großen Spielplatz als Freifläche anzulegen. Während die Ausschussmitglieder mit dem Kopf schüttelten, erklärte der Architekt: „Das ist sicher. So kommen die Kinder nicht in den Bereich der Autos.“ Fertls Kommentar: „Ich glaube, das kann man vergessen.“ Und auch die Idee, die beiden stirnseitigen Treppenhäuser um eine Wohnung zu erhöhen und so zu Türmen zu machen, war schnell vom Tisch. Pongratz: „Damit kann ich mich nicht anfreunden.“

Der Ausschuss lehnte die Pläne einstimmig ab und gab seine Änderungswünsche mit auf den Weg: mehr Wohnungen, eine lockerere Bebauung und ein Spielplatz am Boden – nicht in luftiger Höhe.

Autohaus Kathan sucht neuen Standort

Keine Verlängerung des Pachtvertrags, dafür konkrete Planungen für eine neue Geländenutzung: Das Autohaus Kathan hat sich mit dem Abschied von der Münchner Straße in Miesbach abgefunden. „Anfang 2018 müssen wir raus“, sagt Firmen-Chef Rainer Kathan. „Wir suchen dringend einen neuen Standort zwischen Miesbach und Holzkirchen.“ In der Kreisstadt, die das Unternehmen nur ungern verlässt, sei wohl kein geeignetes Grundstück zu finden. Die aktuelle Situation auf dem Immobilienmarkt mache es dem Autohaus, das insgesamt 100 Mitarbeiter – davon 25 Auszubildende – beschäftigt, nicht leichter.

ddy

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